Tanz der Zitronen – Nicole Joens

Inhalt überzeugt, dessen Darstellung leider nicht

Zunächst einmal möchte ich der Autorin meinen Respekt, dafür dass sie solch ein brisantes Thema anpackt, zollen. Die Autorin war selbst 20 Jahre für ARD und ZDF als Drehbuchautorin tätig, insofern weiß sie wovon sie spricht. Die Machenschaften des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, von denen die Autorin in ihrem Buch schreibt, sind wirklich erschreckend. Als aufmerksamer Zuschauer beider Programme, ist einem naütrlich schon mal aufgefallen, dass es irgendwie immer die gleiche Soße ist, die da kommt. Nur habe ich mir z.B. noch nie Gedanken darüber gemacht, warum das so sein könnte. Die Autorin berichtet vor allem von Korruption, von politischer Einflussnahme auf die Programme und wie Drehbuchautoren ausgebeutet werden. Das Dargestellte ist, wenn auch einseitig, so doch auf jeden Fall glaubwürdig. Die Machenschaften der „Öffis“ werden vor allem vor dem Hintergrund, dass die Sender mit unseren Rundfunkbeiträgen finanziert werden, kritisiert. Für manch eine Produktion, die dann floppt, werden mehrere Mio. Euro verschwendet, obwohl man eigentlich von vornherein weiß, dass diese Investition nicht gerechtfertigt ist.
Besonders spannend fand ich, dass die Autorin auch für die ARD-Vorabendserie „Marienhof“ Drehbücher geschrieben hat. Ich war Marienhof-Zuschauerin der ersten Stunde, aber irgendwann hatte die Serie wirklich RTL-Niveau- genau dies kritisiert auch die Autorin. Dass die Serie dann irgendwann abgesetzt wurde, wundert nicht wirklich.

Warum vergebe ich trotz all dem Positiven nur 3 Sterne?
Nun zum einen, ist mir als Lektorin das wirklich schlechte Lektorat des Buches aufgefallen. Das geht damit los, dass eine „Annika“ plötzlich „Arnika“ heißt, dass Leute nicht „gemobbt“, sondern „gemoppt“ werden, „den“ statt „denn“, „Gesetzte“ statt „Gesetze“, usw. usw. Meines Erachtens schadet dies der Authentizität des Buches.
Zum anderen fehlt mir die Stringenz im Buch. Die Autorin springt immer wieder in der Zeit hin und her. Mal sind wir im „jetzt“, dann in ihrer Jugend, dann vor der Klage, dann nach der Klage, dann wieder davor. Mich hat das verwirrt.

Dennoch ist das Buch für all diejenigen, die daran interessiert sind, was mit ihrem Rundfunkbeitrag so angestellt wird, durchaus empfehlenswert.