Rubinroter Sommer – Karina Lorenz

Wie wahr ist diese wahre Geschichte?


Zum Cover:
Die Farbgestaltung und Schriftarten des Covers sind sehr ansprechend, allerdings finde ich die beiden Frauen, die sich auf einem Podest in einem See stehend (Warum eigentlich?! Hätte es nicht auch ein etwas glaubwürdigerer Steg getan?) umarmen, einfach zu klischeehaft. Ich habe den Eindruck, der Leser soll damit gleich darauf aufmerksam gemacht werden, dass es sich bei dem Roman um eine Geschichte über eine lesbische Liebe handelt, um so die Verkaufszahlen zu fördern.
Zum Inhalt:

Die ostdeutsche Studentin Karina lernt 1990 den westdeutschen Franz kennen. Obwohl Franz älter ist als Karinas Vater werden beide ein Paar. Karina ist von Franz´ „Macher“-Mentalität beeindruckt und schaut zu ihm auf. Beide bekommen drei Kinder, heiraten und übernehmen in einem kleinen Ort an der polnisch-deutschen Grenze mehrere gastronomische Betriebe. Mit dem Aufbau ihrer gemeinsamen beruflichen Existenz beginnen die ersten Probleme. Franz ist alles andere als stressresistent und lässt seinen Frust gern an Karina aus. Viele Jahre später lernt Karina Kathleen kennen, die eine neue Arbeitskollegin und die Partnerin von Karinas Freundin Julia ist. Beide Frauen verstehen sich auf Anhieb und schon bald merkt Karina, dass ihre Gefühle für Kathleen nicht mehr nur freundschaftlicher Natur sind…

Mein Eindruck:

Wäre dieses Buch mir in der Buchhandlung begegnet, hätte ich es wohl aufgrund des interessanten Titels und der Tatsache, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt, in die Hand genommen, aber gekauft hätte ich es wohl sicher nicht. Einfach weil mich die Thematik einer lesbischen Liebe nicht soooo sehr interessiert. Trotzdem habe ich mich gefreut, als ich das Buch gewonnen habe und war neugierig, ws mich wohl erwartet. Die erste Enttäuschung war, dass es die Hälfte des Buches nur um die Vergangenheit von Karina und Franz geht. Sicher braucht der Leser gewisse Vorkenntnisse über die Ehe und Vergangenheit der beiden, aber wenn man auf dem Cover und Klappentext mit einer Geschichte über eine lesbische Liebe wirbt, sollte es nicht die Hälfte des Buches um etwas Anderes gehen.
Anschließend folgt die Geschichte von Karina und Kathleen, deren Anfang mir gut gefallen hat. Karinas Verwirrtheit über ihre neu entdeckten Gefühle wird glaubwürdig dargestellt, aber je näher sich beide kommen, desto schlimmer wurde es für mich… Einerseits wird z.B. eine Sexszene mit Wörtern wie Mu… schon sehr derb geschildert, andererseits reden sich beide Frauen mit „Liebling“ an. Das passt für mich nicht. Auch der weitere Verlauf ist teilweise einfach unglaubwürdig. Ein Beispiel: einer Frau wird von einem Mann mit einer Pistole an der Schläfe bedroht, eine Woche später ist aber alles wieder vergeben und vergessen… Möglicherweise ist ja wirklich alles so passiert, aber dann fehlen dem Leser mehr Details, um das alles glauben und nachvollziehen zu können. 
Sprachlich war der Roman mehr als dürftig. Man hatte das Gefühl, das Autorenduo hat eine Vorliebe für Hauptsätze… Teilweise findet man auf einer Seite nicht einen Nebensatz… Klar, lässt sich das Buch dadurch sehr einfach lesen und ich bin auch kein Freund von ewig langen Schachtelsätzen, aber der Sprachstil hier war mir einfach zu billig. Das wiederum unterstreicht aber die Tatsache, dass es sich um eine Autobiographie handelt.
 
Ich habe länger überlegt, ob ich nun 2 oder 3 Bücherstapel vergebe, mich aber letztlich für 2 von 5 Bücherstapel entschieden, da dieser Roman mich weder sprachlich noch vom Inhalt überzeugt hat. 


Vielen Dank nochmal an das Team von vorablesen und den List Verlag, die mir dieses Buch im Rahmen der Auszeichnung meines Blogs zum „Blog des Monats November“ geschenkt haben!