|Rezension| Zwanzig Zeilen Liebe – Rowan Coleman

Tatsächlich noch besser als Rowan Colemans Debüt „Einfach unvergesslich“!

 

Zwanzig Zeilen LiebeVerlag: Piper
Originaltitel: We Are All Made of Stars
Übersetzung: Marieke Heimburger
Broschur: 14,99 Euro
Ebook: 11,99 Euro
Erscheinungsdatum: 31.08.2015
416 Seiten
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„Ich will nicht hören, was die Leute sagen, weil die meisten Leute Sachen sagen, die in mir den Wunsch wecken, in einem weit entlegenen Wald ein Erdloch zu graben, Konserven zu hamstern und dort auf den Weltuntergang zu warten.“ (S. 48)

 

Worum geht´s?

Sorg dafür, dass dein Vater sich wieder verliebt. Iss jeden Tag Gemüse. Trau keinem Mann mit übermäßigem Bartwuchs. Tanz auf meiner Beerdigung zu Dean Martin. Nacht für Nacht bringt Stella diese und andere Zeilen zu Papier. Doch es sind nicht ihre eigenen Gedanken und Wünsche. Die Hospizschwester schreibt Abschiedsbriefe im Auftrag ihrer schwer kranken Patienten und überreicht deren Nachrichten, nachdem sie verstorben sind. Bis sie einen Brief verfasst, bei dem sie keine Zeit verlieren darf. Denn manchmal lohnt es sich zu kämpfen: Für die Liebe. Für das Glück. Für den einen Moment im Leben, in dem die Sterne am Himmel ein wenig heller leuchten …

 

Cover und Titel

Beim Cover von „Zwanzig Zeilen Liebe“ hat sich der Verlag klar am Debütroman „Einfach unvergesslich“ von Rowan Coleman orientiert. Während dort orangefarbene Punkte auf weißem Hintergrund ins Auge stachen, sind es hier türkisfarbene Wolken, die sich dann auch in den Kapitelüberschriften wiederfinden. Die schwarzen Zeichnungen im oberen und unteren Bildrand beziehen sich auf die im Roman enthaltenen Briefe und ergänzen das Cover damit sehr schön. Auch der Titel „Zwanzig Zeilen Liebe“ rekurriert auf die im Roman enthaltenen Briefe, wobei diese größtenteils mit dem eigentlichen Plot in keiner Verbindung stehen. Deshalb finde ich (wie so oft) den Originaltitel „We Are All Made Of Stars“ gelungener, da er sich auf den gesamten Plot bezieht. Nichtsdestotrotz kann ich auch gut mit dem deutschen Titel leben – schließlich hat er mich sofort angesprochen.

 

Mein Eindruck

Nachdem „Einfach unvergesslich“ für mich einer der schönsten Romane des Jahres 2014 war, konnte ich es kaum erwarten, den neuen Roman von Rowan Coleman zu lesen.

Dem Klappentext nach erwartete ich einen Briefroman. Diese Erwartungen wurden aber nur zum Teil erfüllt, da es sich vielmehr um eine Geschichte handelt, die sich um verschiedene Menschen dreht, deren Leben nach und nach immer mehr miteinander verknüpft werden. Dieser Plot wird regelmäßig durch Briefe an teils bekannte und teils unbekannte Adressaten unterbrochen.

Die Geschichte dreht sich um drei ganz unterschiedliche Protagonisten: Stella, Hope und Hugh und 7 Tage bzw. Nächte ihres Lebens. Es gelingt der Autorin wie auch schon bei „Einfach unvergesslich“ nahezu meisterlich, ihre Protagonisten mit viel Authentizität und Originalität auszustatten. Es werden keine Klischees bedient, sondern vielmehr Menschen beschrieben, die nicht einfach nur gut oder böse sind, sondern alle mit verschiedenen Problemen zu kämpfen haben, sei es dem Verlust der Eltern, einem geliebten Partner, der sich von einem abwendet oder einer unheilbaren Krankheit, obwohl man gerade mal 21 Jahre alt ist. All diese tragischen Themen behandelt sie sehr sensibel und mit der nötigen Prise Humor an den richtigen Stellen, so dass es sich bei „Zwanzig Zeilen Liebe“ trotz des zentralen Themas „Tod“ um keine schwermütige Lektüre handelt.

Als Leser fühlt man mit jedem Protagonisten mit, auch wenn man persönlich mit keinem dieser Schicksalsschläge bisher in Berührung kam. In meinen Augen ist dieses Hervorrufen von tiefen Emotionen Rowan Colemans große Stärke, die sie einmal mehr in den bereits erwähnten Briefen beweist, die schließlich auch noch die letzten Leser, die von der Geschichte nur mäßig berührt werden, tief in ihrem Inneren treffen werden.

Jeder dieser Briefe ist inhaltlich und stilistisch einzigartig und berührt auf ganz verschiedene Weise. Eines haben sie allerdings alle gemeinsam: Es sind Abschiedsbriefe von Menschen, die wissen, dass sie sterben werden und die dem Adressaten erst zugestellt werden, wenn der Verfasser verstorben ist. Sie sind eine wundervolle Ergänzung der eigentlichen Geschichte und unterscheiden diesen Roman von all den anderen.

Das Ende von „Zwanzig Zeilen Liebe“ lässt den Leser zufrieden zurück – es beantwortet die wichtigsten offenen Fragen, lässt aber dennoch Raum für die eigene Fantasie. Definitiv ist es kitsch- und klischeefrei und damit sehr gelungen.

Mein Fazit: Mit „Zwanzig Zeilen Liebe“ gelingt es Rowan Coleman tatsächlich ihren Debütroman „Einfach unvergesslich“ vor allem auf emotionaler Ebene noch zu toppen. Wer „Einfach unvergesslich“ mochte, wird auch von „Zwanzig Zeilen Liebe“ begeistert sein. Ganz klare Leseempfehlung!
 

bewertung5
 

Vielen Dank an den Piper Verlag für dieses Leseexemplar.

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