|Rezension| Zurück ins Leben geliebt – Colleen Hoover

Das Problem mit den hohen Erwartungen…

 

51RF04ESOALVerlag: dtv
Originaltitel: Ugly Love
Übersetzung: Katarina Ganslandt
Taschenbuch 12,95 Euro
Ebook: 9,99 Euro
Erscheinungsdatum: 22.07.2016
368 Seiten
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„’Hoffentlich schmeckst du wieder nach Orangen.‘ Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs Wörter. Ich zähle sie und suche in meinem Kopf nach einer Schublade, in der ich sie sicher verwahren kann. Auf das Etikett schreibe ich: Sätze, an die ich mich später erinnern kann, wenn seine idiotischen Regeln meine Gegenwart traurig und einsam gemacht haben.“ (S.89)

 

Worum geht´s?

Als Tate zum Studium nach San Francisco zieht, stolpert sie dort gleich am ersten Abend über Miles Archer: Miles, der Freund ihres Bruders, der niemals lächelt, meistens schweigt und offensichtlich eine schwere Bürde mit sich herumträgt. Miles, der so attraktiv ist, dass Tate bei seinem Anblick Herzflattern und weiche Knie bekommt. Miles, der, wie er selbst zugibt, seit sechs Jahren keine Frau mehr geküsst hat. Miles, von dem Tate sich besser fernhalten sollte, wenn ihr ihr Gefühlsleben lieb ist …

 

Cover und Titel

Was gab es im Vorfeld für Diskussionen unter den Hoover „Fans“ aufgrund dieses Covers und Titels. Auch wenn ich eigentlich immer ein Verfechter des Originaltitels bin (so auch hier, denn „Ugly love“ hat einfach so viel mehr Charme und Reiz), fand ich diese ganze Diskussion doch ziemlich daneben und anmaßend. Aber dies nur am Rande.

Den Titel „Zurück ins Leben geliebt“ finde ich zwar treffend für den Inhalt aber im Vergleich zum Originaltitel „Ugly love“ etwas zu schmalzig.

Das Cover ist sehr ästhetisch, aber auch etwas nichtssagend. Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung wo da die Verbindung zur Story ist, außer dass es im Roman viel um Sex geht und man hier nackte Frauenbeine auf einer Matratze sieht.

Der gesamte rosa-Touch des Covers passt auf jeden Fall zu den anderen bisher im dtv Verlag erschienenen Hoover Büchern und zu einem New Adult-Roman im Allgemeinen.

 

Mein Eindruck

Das Problem mit großen Erwartungen…

…ist, dass diese selten erfüllt werden. Bisher hat Mrs. Hoover es tatsächlich immer wieder geschafft mich zu überraschen und zu begeistert. Überrascht war ich auch dieses Mal, allerdings darüber, dass mich „Zurück ins Leben geliebt“ anfangs so gar nicht begeistern konnte.

Colleen Hoover entschied sich auch dieses Mal gegen eine stringente Erzählform, was ich prinzipiell immer gut finde. Dieses Mal erzählt sie die Geschichte nicht aus unterschiedlichen Perspektiven, sondern verwendet zwei parallele Handlungsstränge: In der Gegenwart wird aus der Perspektive von Tate erzählt wie sie nach San Francisco zieht und dort Miles, den Kumpel ihres Bruders, kennengelernt. Den Rest kann man sich denken.

Der zweite Erzählstrang beleuchtet Miles‘ Vergangenheit (6 Jahre zuvor) und offenbart ganz allmählich Miles‘ Gründe für sein Problem mit Frauen/Beziehungen. Gerade bei Miles‘ Geschichte gelingt es Colleen Hoover wieder einmal ausgezeichnet den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten und erst kurz vor dem Ende aufzulösen. Diese Erzählung hat mir bis auf wenige Details sehr gut gefallen, weil man in ihr nicht nur den typischen Hooverschen Wortwitz findet, sondern eben auch einen Konflikt, der scheinbar unlösbar ist.

Der erste Erzählungstrang, der von Tate und Miles handelt, hat mich mindestens bis zur Hälfte nur mit den Augen rollen lassen. Es war einfach von allem viel zu viel. Viel zu große, unglaubwürdige Gefühle, stereotype Charaktere (heiße Krankenschwester, gutaussehender Pilot), platte Dialoge und eine vorhersehbare Handlung. Etwa ab der Mitte wurde es dann doch interessant, was aber vor allem an dem zweiten Erzählstrang und die wachsende Spannung lag.

Ich wurde ja schon vorgewarnt, dass dieser Roman „heißer“ ist als die bisherigen Romane der Autorin – prinzipiell habe ich damit überhaupt kein Problem. Allerdings gibt es in diesem Fall zwar jede Menge Sex, der in Worten auch ansprechend beschrieben wird, dafür aber null Tiefgang. Zwar jede Menge große Gefühle, aber woher die rühren, erschloss sich mir bis zuletzt nicht. So hatte es den Anschein als würden die großen Gefühle aus gutem Sex und toller Optik herrühren. Das ist so schade, da die Autorin für mich bisher immer ein Garant für authentische Gefühle war.

Über die Protagonistin erfährt man so gut wie nichts, außer eben wie sehr sie auf Miles steht. Ich konnte deshalb mit ihr einfach nicht warm werden, nicht weil sie unsympathisch war, sondern weil sie gar nichts war. Da konnte ich mit Miles – Dank der Rückblenden – mehr anfangen.

Das Ende war befriedigend, kein super Knüller, keine große Überraschung, aber auch keine Enttäuschung. Aber auch hier hatte Colleen Hoover schon mehr zu bieten.

Mein Fazit:
„Zurück ins Leben geliebt“ ist in meinen Augen Colleen Hoovers schwächstes Buch, dem es vor allem an einem mangelt: Tiefgang. Auch der sonst vorhandene künstlerische Aspekt in ihren Romanen hat gefehlt. Insgesamt war die Grundidee der Geschichte – auch der Fokus auf die sexuelle Anziehung zwischen den Protagonisten – ansprechend, aber die Umsetzung trotz eines wie immer ansprechenden Schreibstils leider nicht überzeugend.

 

Bewertung3

 

Vielen Dank an den dtv Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

 

Weitere Rezensionen zum Buch:
  • Madame Lustig

    Hallo liebe Evi,
    schade schade schade, aber nachdem wir anderes von Colleen Hoover gewöhnt sind, kann ich gut verstehen, wenn einem „Zurück ins Leben geliebt“ nicht so ganz zusagt. Da mein Exemplar verspätet bei mir eingetrudelt ist, konnte ich vorweg bereits all eure enttäuschten Kommentare auf Twitter lesen und mich darauf einstellen, dass hier eine etwas andere Colleen Hoover Story auf mich warten würde. Und das hat geholfen, denn mir hat das Buch wirklich gut gefallen und ich empfand die gesamte Story im Gesamtpaket sehr passend.

    Ich hoffe für dich, dass der nächste Colleen Hoover Roman dein Herz wieder voll und ganz erobern wird, liebe Evi.

    Fühl dich gedrückt
    Maike

  • literaturELLE

    Liebe Evi,

    und wieder einmal denke ich beim Lesen deiner Rezension – genauso erging es mir. Ich bin in allem voll bei dir – den Erwartungen, den Gefühlen beim Lesen und der Enttäuschung über den fehlenden Tiefgang.
    Ihr sicherlich mit Abstand schwächster Roman – auch in meinen Augen.

    Dennoch mag ich Colleen Hoover’s Stil und werde ich ihren nächsten Werken unvoreingenommen eine Chance einräumen 🙂

    Ganz lieben Gruß aus der Ferne,
    Katja

  • Tatze

    Hey Evi 🙂

    schade, dass „Zurück ins Leben geliebt“ dich nicht überzeugen konnte. Mir ging es ja ähnlich wie dir, dass ich auch erst ab Mitte/Ende in das Buch gefunden habe, dafür hat es mich aber ab da wirklich mitgerissen und mich überzeugt.

    Ich hoffe dennoch, dass du weiter Bücher von Colleen Hoover liest 🙂

    Liebste Grüße,
    Tati

    • booksinmyworld

      Liebste Tati,

      aber natürlich werde ich das. Nur weil ein Roman mal nicht super mega toll war, werde ich Mrs. Hoover doch nicht untreu. Dafür hat sie mich bisher viel zu sehr mit ihren anderen Büchern begeistert.
      Aber ich bin doch ganz froh, dass du den Einstieg ähnlich empfunden hast. Bei den ganzen 5 Sterne Rezensionen habe ich mich schon gefragt ob ich komisch bin…

      Liebste Grüße
      Evi