|Rezension| Wir wollten nichts. Wir wollten alles. – Sanne Munk Jensen u. Glenn Ringtved

Schonungslos, erschreckend, authentisch – eine Geschichte über eine tragische Liebe

 

Wir wollten nichts. Wir wollten alles.Verlag: Oetinger
Taschenbuch: 16,99 Euro
Ebook: 12,99 Euro
Erscheinungsdatum: 20.01.2015
336 Seiten
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„Und selbst wenn wir über nichts redeten, hatte ich das Gefühl von einer Tiefe in all dem, was er sagte, die ich noch nie bei einem Menschen erlebt hatte. Es war, als könnte er hinter alles sehen.“ (S. 19)

Worum geht´s?

Lässt nicht los: Liebe, die absoluter nicht sein kann. Zwei Leichen werden aus dem Limfjord gezogen: Liam und Louise. Ihre Hände sind mit Handschellen aneinandergekettet. Alle Indizien weisen auf Selbstmord hin. Louises Eltern zerbrechen fast am Tod ihrer Tochter, doch ihr Vater klammert sich daran, die Wahrheit herauszufinden. Als er Louises Tagebuch findet, eröffnet sich ihm das Leben, das seine Tochter und Liam in den vergangenen Monaten geführt haben. Ein Roman, der unter die Haut geht: gewaltig und voller Sehnsucht mit einer Heldin voller Hingabe und einem Protagonist voller Widersprüche. In der Tradition der großen skandinavischen Autoren.

 

Cover und Titel

Dieser Buch ist ein klassischer Fall von Coverliebe auf den ersten Blick. Als es mir zum ersten Mal auf einem Blog begegnet ist, war klar: Dieses Buch muss ich haben. Das düstere Cover, dass mittels Scherenschnitt ein Paar, welches mit Handschellen aneinander gekettet, im Wasser (blauer Hintergrund) zeigt, hat mich sofort neugierig gemacht. Und dazu noch dieser kryptische Titel „Wir wollten nichts. Wir wollten alles.“ Automatisch fragt man sich „Na was denn nun?“ und ist neugierig, was dahinter steckt.
Das Cover der dänischen Originalausgabe ist auch wunderschön, aber verklärt in meinen Augen zu sehr ein sehr ernstes Thema durch den abgebildeten Kuss unter Wasser.

 

Mein Eindruck

„Wir wollten nichts. Wir wollten alles.“ ist ein außergewöhnlicher Jugendroman, was sich auch schon am Aufbau der Geschichte zeigt. Denn schon auf den ersten Seiten (im Prinzip sogar schon auf dem Klappentext) wird der Ausgang der Liebesgeschichte von Liam und Louise vorweg genommen. Der Plot dreht sich demnach nicht wie sonst üblich um „Werden sie ein Paar oder nicht?“, sondern schildert vielmehr die Entwicklung der Beziehung und wie es zu deren dramatischen Ende kommen konnte. Und obwohl das Autorenduo das Ende vorweg nimmt, gelingt es ihnen den Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Seite aufrecht zu erhalten.
Unterteilt ist die Geschichte in zwei Teile, wobei ein einschneidendes Erlebnis die Zäsur zwischen beiden Teilen bildet. Erzählt wird sie aus der Sicht der 17-jährigen Louise, die die Rolle der allwissenden Erzählerin einnimmt und immer wieder zwischen Rückblenden und der Gegenwart hin und her schwenkt. In einer authentischen Jugendsprache, die durchaus das ein oder andere Mal etwas vulgär ist, schildert sie nicht nur wie es zum tragischen Ende ihrer großen Liebe kommen konnte, sondern auch wie ihre Freunde und Familienmitglieder mit diesem Schicksal umgehen. Gerade Letzteres geschieht mit so viel Tiefe und Ernsthaftigkeit, dass es mich sehr berührt und nachdenklich gestimmt hat.
Was dieses Buch ausmacht, ist der schonungslose, mitreißende Erzählstil. Man kann sich dem Sog der Geschichte nicht entziehen, die teilweise durch so dramatische Ereignisse geprägt ist, dass man beim Lesen vor Schreck ins Stocken kommt. Sowohl die Gefühle der beiden Liebenden füreinander als auch die Empfindungen ihres Umfeldes werden sehr authentisch und emotional geschildert. Die Protagonisten sind gerade durch ihre Widersprüchlichkeit (was vor allem auf Liam zutrifft) so glaubwürdig. Teilweise hat man beim Lesen den Eindruck, es handele sich bei diesem Buch tatsächlich um eine Biographie bzw. Tagebuchaufzeichnungen und nicht um reine Fiktion.
Mit dieser Geschichte zeigen die Autoren, wie schnell man durch scheinbar harmloses Handeln in einen Strudel von Katastrophen gerät, aus dem man irgendwann keinen Ausweg mehr sieht. Für ein Jugendbuch finde ich manche Passagen wirklich grenzwertig – keineswegs schlecht, sondern einfach nur zu hart. Ich persönlich würde die Altersgrenze auf 18 Jahre hochsetzen.

Mein Fazit: „Wir wollten nichts. Wir wollten alles.“ ist ein mitreißender Roman über die erste Liebe, den Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen und schicksalhafte Entscheidungen, die zur Katastrophe führen. Wer ein Buch sucht, dessen Sog man sich nicht entziehen kann und das einen atemlos zurücklässt, ist mit diesem Jugendbuch, das meines Erachtens manchmal zu heftig ist um als solches zu gelten, gut beraten.

bewertung5

Vielen Dank an den Oetinger Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

  • Sandrina

    Da freue ich mich doch gleich noch viel mehr aufs Lesen 🙂 Danke für die REzi.
    LG, Sandrina

    • booksinmyworld

      Ich danke dir für deinen Kommentar, liebe Sandrina und wünsche dir viel Freude beim Lesen des Buches. Ich finde, es ist ein Buch, das man so schnell nicht vergisst. Bin gespannt auf deine Meinung!

      Liebe Grüße
      Evi