|Rezension| Unter halbblauem Himmel – Michelle Schrenk

Schöner Plot mit Schwächen

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Verlag: Michelle Schrenk
Gebundene Ausgabe: 9,89 Euro
Ebook: 0,99 Euro
Erscheinungsdatum: 30.06.2014
340 Seiten
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„Im Leben läuft nicht immer alles nach Plan. Aber vielleicht ist das gerade gut, denn sonst würde man sicherlich einiges verpassen. Denn würde immer alles nach Plan laufen, würde man nie gezwungen sein, auch mal vom Weg abzuweichen – und wir würden nicht herausfinden, dass uns gerade die kleinen Abweichungen erst auf die richtige Spur bringen.“ (S. 237)

Worum geht´s?

»Weißt du, Robin, ohne Träume ist es, als stünde man unter einem halbblauen Himmel, als hätte man nur einen Schuh an. Und das ist doch furchtbar, oder?« »Halbblauer Himmel? Nur einen Schuh an? Was meinst du damit, Lena?« Ich lächle. »Was gibt’s da nicht zu verstehen? Als Lena nach fünf Jahren wieder auf Robin trifft, kommen längst vergessene Gefühle in Bewegung. Eingeholt von der Vergangenheit erleben die beiden einen unvergesslichen Abend. Und plötzlich, für eine Nacht, sind sie wieder siebzehn. Erinnerungen, Wünsche und Sehnsüchte werden wach … Aber was kann daraus entstehen? Und was passiert, wenn du mit einem Mal alles in Frage stellst? Ein Buch über Freundschaft, Träume und den Zauber der Erinnerungen. Über das Gefühl, wenn du irgendwann zurückdenkst und spürst, dass etwas fehlt. Ein Gefühl, als stündest du unter einem halbblauen Himmel …

 

Cover und Titel

Das Cover des Buches hat mich sofort angesprochen. Die verspielte Schrift des Titels, der im Vordergrund des Covers steht und das abgebildete Motiv im Hintergrund versprechen einen schönen Liebesroman. Der Titel ist originell und macht neugierig. Hat man den Roman dann gelesen, ist klar, dass dieses Buch keinen anderen Titel haben dürfte.

 

Mein Eindruck

Bei diesem Roman fällt es mir wirklich schwer eine Rezension zu schreiben, da ich hin- und hergerissen bin zwischen meiner Begeisterung für die Grundidee des Buches und meiner Enttäuschung über die Umsetzung.

Zunächst einmal das Positive: Als ich las, dass es einen Soundtrack zu „Unter halbblauem Himmel“ gibt, war ich von dieser Idee sofort begeistert. Die Autorin hat in Gabriel Strack einen Musiker gefunden, der ihre Geschichte in Noten gepackt hat. Hinter einzelnen Kapitel gibt es die Links zu seiner Musik. Eine geniale Idee! Die Musik ist zwar nicht so ganz mein Geschmack, bildet aber mit dem Inhalt eine schöne Einheit und spiegelt die Emotionen der Charaktere wider. Man merkt, wie sehr sich der Musiker auf die Geschichte der Autorin eingelassen hast.

Der Plot an sich hat mir auch sehr gut gefallen: Lena und Robin, beide Mitte 20, ihre ganze Jugend über beste Freunde , treffen sich nach 5 Jahren Funkstille wieder und es knistert ganz gewaltig. Beide erinnern sich an ihre Träume, die sie mit 17 hatten und während Lena vieles von dem erreicht hat, was sie sich damals vorgestellt hat, hat Robins Leben einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Bis dahin hat mir die Geschichte richtig gut gefallen. Aber dann fing die Protagonistin an mir auf die Nerven zu gehen: sie war für meinen Geschmack einfach zu perfekt: tolles Aussehen, toller Job, macht immer alles richtig und gibt kluge Ratschläge. Ich konnte mich einfach nicht in sie einfühlen. Auch wenn sie einige Charakterzüge zu bieten hatte, die durchaus sympathisch waren (Leidenschaft für das Schreiben, als Teenie Fan der Backstreet Boys), war das Gesamtpaket für mich nicht stimmig. Am meisten hat mich ihr ständiges „Du musst dir deine Träume erfüllen!“ genervt. Grundsätzlich hat sie ja nicht Unrecht, aber die häufige Wiederholung des Themas hat in meinen Augen die schöne Idee des „halbblauen Himmels“ abgeschwächt. Robins Charakter fand ich hingegen glaubwürdig und sympathisch. Ich hätte mir gewünscht noch etwas mehr über seine Gedanken und Gefühle zu erfahren, aber da die Geschichte aus Lenas Sicht geschildert wird, war das schwer umsetzbar.  Auch Lenas beste Freundin Anne war ein toller Charakter: sie hat einen mitreißenden Humor und das Herz am rechten Fleck.

Durch viele Rückblicke in die Kindheit und Jugend der Protagonisten gelingt es Michelle Schrenk dem Leser die Beziehung zwischen Robin und Lena gut zu durchleuchten. Diese Wechsel zwischen Jetzt und Damals sind ihr gut gelungen und verleihen der Geschichte zusätzliche Spannung. Überhaupt ist der Erzählstil insgesamt fesselnd, aber mit der sprachlichen Umsetzung hatte ich manchmal meine Schwierigkeiten. Gerade die Dialoge waren mir an einigen Stellen zu platt.

Mein Fazit: „Unter halbblauem Himmel“ bietet eine schöne Liebegeschichte mit passendem Soundtrack, die durch zu viel Moralapostelei und sprachliche Defizite leider etwas von ihrem Potenzial verschenkt.

Bewertung3

Ein herzliches Dankeschön an Michelle Schrenk für das Rezensionsexemplar!