|Rezension| Tu es. Tu es nicht. – S.J. Watson

Ein Pageturner mit enttäuschendem Ende…

 

Übersetzung: Ulrike Wasel/ Klaus Timmermann
Originaltitel: Second Life
Broschur: 14,99 Euro
Ebook: 13,99 Euro
Erscheinungsdatum: 23.07.2015
480 Seiten
Kaufen? Broschur oder Ebook

 

 

„Mir wird mit plötzlicher Klarheit bewusst, dass wir Masken tragen, wir alle, ständig. Wir präsentieren der Welt und einander eine Fassade, eine Version von uns selbst. Wir zeigen stets ein anderes Gesicht, je nachdem, mit wem wir zusammen sind und was die jeweilige Person von uns erwartet. Selbst wenn wir allein sind, ist unser Gesicht bloß eine Maske, die Version von uns, die wir gern wären.“ (S. 319)

 

Worum geht´s?

Sie liebt ihren Mann. Und ist besessen von einem Fremden.
Sie ist eine gute Mutter. Und würde ihre Familie aufgeben.
Sie weiß, was sie tut. Und gerät außer Kontrolle.
Sie lebt zwei Leben. Und kann beide verlieren.

Julia führt ein scheinbar gesichertes Leben mit Mann und Sohn in London. Da wird ihre Schwester brutal ermordet. Julia begibt sich auf eine gefährliche Suche – und gerät unaufhaltsam in den Sog des Verbrechens und der Vergangenheit.

 

Cover und Titel

Bei Covergestaltung und Titelgebung von „Tu es. Tu es nicht.“ hat sich der Verlag ganz offensichtlich an S.J. Watsons Debüt-Thriller „Ich.darf.nicht.schlafen“ orientiert. Das hat zwar die positive Folge, dass beide Bücher im Regal unmissverständlich einander zugeordnet werden können, andererseits steht dadurch vor allem das Covermotiv fernab jeglichen Zusammenhangs mit dem Inhalt des Buches.

Wie auch schon bei „Ich.darf.nicht.schlafen“ steht hier ganz klar der Titel im Vordergrund, während der gelbe Hintergrund und der blaue Schmetterling (beides hat nichts mit dem Inhalt zu tun) nur schmückendes Beiwerk sind. Der Titel klingt etwas holprig, gibt aber einen wesentlichen Aspekt des Inhalts – nämlich die Hin- und Hergerissenheit der Protagonistin – wider. Trotzdem empfinde ich sowohl den Originaltitel „Second Life“ (Zweites Leben) und vor allem auch das Originalcover viel passender zur Geschichte.

 

Mein Eindruck

Mit seinem „Ich.darf.nicht.schlafen“ hatte mich S.J. Watson absolut für sich und überhaupt das Psychothriller-Genre, vor dem ich mich bis dato immer verschlossen hatte, begeistern können. Umso gespannter war ich auf „Tu es. Tu es nicht.“, dessen Klappentext eine ähnlich nervenaufreibende Geschichte versprach.

Wie auch schon bei seinem Debüt hat mich der Autor bereits nach den ersten Seiten durch eine interessante Protagonistin und einen leichten, fesselnden Schreibstil förmlich in die Geschichte gesogen. Julia ist ein sehr zwiegespaltener Charakter, den man nicht so leicht sympathisch oder unsympathisch finden kann. Genau diese innere Zerrissenheit macht in meinen Augen diese Geschichte aus. Ihr bis dato in geregelten Bahnen verlaufendes Leben als Ehefrau und Mutter wird durch den gewaltsamen Tod ihrer Schwester schwer erschüttert. Sie kann sich nicht mit der Tatsache abfinden, dass ihre Schwester, zu der sie zuletzt kein gutes Verhältnis hatte, einen scheinbar sinnlosen Tod zum Opfer gefallen ist und stürzt sich immer tiefer in die Suche nach dem Täter, die letztlich den eigentlichen Plot ausmacht, der insgesamt in fünf Teile und diese wiederum in mehrere Kapitel untergliedert ist. Ihre Handlungen wirken manchmal irrational und für den Leser nicht nachvollziehbar, was in meinen Augen die Spannung nur noch mehr erhöht hat, weil man im Laufe der Geschichte auf Erklärungen für dieses Handeln hofft.

Für mich bietet dieser Thriller außerdem genau das richtige Maß an Spannung (viel) und brutalen Szenen (wenig). Ich habe mich gut unterhalten gefühlt ohne mich je zu ekeln oder Angst vor dem Weiterlesen zu haben.

Der Autor verarbeitet in seiner Geschichte, die zunächst so einfach konstruiert scheint (Frau versucht den Mord an ihrer Schwester aufzuklären), gleich mehrere spannende Themen wie Internetdating und auch Alkoholsucht, wobei er bei ersterem gekonnt die Verlockungen und Gefahren aufzeigt. Auch die Gefühle eines trockenen Alkoholikers werden – soweit ich das beurteilen kann – sehr ernsthaft und authentisch dargestellt. Immer wieder ist man dieser Verlockung ausgesetzt, die einen mal absolut kalt lässt und in einer anderen Situation fast um den Verstand bringt. Immer mehr baut sich im Laufe der Geschichte eine beängstigende Stimmung auf, die auf den letzten 100 Seiten ihren Höhepunkt findet und leider, leider in einem äußerst unbefriedigenden Ende gipfelt. Dieses wirkte zu bemüht, zu konstruiert und was eigentlich noch schlimmer ist: Es ist auch noch ein offenes Ende.

Mein Fazit: Mit „Tu es. Tu es nicht.“ lässt S.J. Watson zwar wie auch schon bei „Ich.darf.nicht.schlafen“ den Leser durch die Seiten fliegen, enttäuscht aber letztlich durch ein zu konstruiertes und noch dazu offenes Ende, das meiner Meinung nach in diesem Genre gar nichts zu suchen hat. Deshalb fällt es mir trotz des guten Schreibstils des Autors und einer sehr differenzierten Darstellung seiner Protagonistin Julia schwer, hier eine Leseempfehlung auszusprechen. Schade!

 

Bewertung3

Vielen Dank an meine liebste Lotta von Lottas Bücher, die mir dieses Leseexemplar überlassen hat.

 

Weitere Rezensionen zum Buch:

La vie de Navi | Lesendes Katzenpersonal | Mordsbücher | Thrillertantes Bücherblog

  • Lottas Buecher

    Hallöchen meine Liebe,
    ich freue mich sehr, dass dir das Buch ein paar spannende Lesestunden bereiten konnte, auch wenn das Ende nicht nicht überzeugen konnte. Ich finde es immer echt schade, wenn man ein bisschen quasi durchfrisst und dann ist das Ende so, dass es einem eigentlich das ganze Buch versaut. Es sollte so etwas wie ein Alternativende geben. xD

    Liebst, Lotta