|Rezension| Teufelsloch – Christoph Heiden

Trotz regionalem Bezug nicht mein Fall…

 

 

51PZ4cMgG0LVerlag: Emons

Broschur: 10,90 Euro
Ebook: 8,49 Euro
Erscheinungsdatum: 07.10.2014
304 Seiten
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„Vanessa Fiebig war weder schön noch intelligent. Männer würden sie als geil bezeichnen, entschied Linda. Doch musste ihr das Geile während der letzten Tage abhandengekommen sein. Zwei Tage Trauer hatten einen Tempel der Lust in eine Ruine verwandelt.“ (S. 123)

 

Worum geht´s?

Ein Mann schlägt einen anderen halb tot und verschwindet – alle glauben an eine Flucht. Wenig später muss die Kriminalinspektion Jena feststellen, dass der Täter selbst zum Opfer wurde: Man findet ihn mit durchgeschnittener Kehle und einem in die Haut geritzten Zeichen. Henry Kilmer, Kommissar der KPI Jena, droht sich in dem Fall zu verlieren. Zu oft stehlen sich Opfer und Täter in seine Träume. Zu sehr bedrängen ihn die Geister seiner eigenen Vergangenheit …

 

Cover und Titel

Sowohl die Covergestaltung als auch der Titel lassen schon erahnen, dass es sich bei diesem Buch um einen Krimi handelt. Um aber auch den letzten Zweifel der potentiellen Käufer auszuschließen, trägt das Buch auch noch den Untertitel „Kriminalroman“. Der Titel klingt bedrohlich, auch wenn man sich nichts Konkretes unter dem „Teufelsloch“ vorstellen kann. Beim Lesen wird klar, dass es sich hierbei um einen Schauplatz des Geschehens handelt. 
Die Covergestaltung finde ich an sich durch ihre Schlichtheit optisch ansprechend, weiß allerdings nicht, was sie konkret mit dem Inhalt des Krimis zu tun hat. Ein Backstein-Gebäude spielt meines Erachtens keine entscheidende Rolle in der Geschichte.

 

Mein Eindruck

Ein Krimi, dessen Schauplatz meine Heimatstadt Jena ist – das klang vielversprechend. Obwohl ich nicht die typische Krimi-Leserin bin, hat mich Christoph Heiden mit der Inhaltsbeschreibung von „Teufelsloch“ neugierig gemacht.

Die Geschichte beginnt mit einem Prolog, der vorerst in keinem Zusammenhang mit dem auf dem Klappentext skizzierten Plot steht. Er hat mich deshalb – auch aufgrund seines leicht mystischen Inhalts – leicht verwirrt und ich war froh, dass der eigentliche Plot dann wie ein herkömmlicher Krimi aufgebaut war.

Untergliedert ist die Geschichte in fünf Teile, die jeweils aus einzelnen Kapiteln bestehen, die mit dem jeweiligen Wochentag überschrieben sind. Unterbrochen wird dieser Erzählstrang dann immer mal wieder durch kursive Einschübe, die den Faden des Prologs wieder aufnehmen und erst zum Ende hin eine Verbindung zum eigentlichen Plot ergeben. Mir persönlich waren diese Einschübe zu viel Verwirrung. Sie haben nicht zum Spannungsaufbau beigetragen, sondern eigentlich nur ein großes Fragezeichen in meinem Kopf hinterlassen.

Ein großes Problem hatte ich auch mit den Protagonisten: Während die Herrschaften allesamt ziemlich von ihren sexuellen Bedürfnissen getrieben agieren, erfüllen die Damen der Geschichte jegliches Klischee: Da gibt es Henrys Kollegin Linda, für die ihr Job nur ihr Job ist und die ansonsten ein – in Henrys Augen – langweiliges Familienleben führt. Als Kontrastprogramm hierzu fungiert die Zeugin Vanessa: Typ „Sexbombe“. Das obige Zitat sagt eigentlich alles… Und dann gibt es da noch die Bibliotheksmitarbeiterin Jasmin: Typ „graues Mäuschen“, aber am Ende doch interessant. Keine der Figuren war authentisch oder zumindest sympathisch, was mir leider den ganzen Krimi verdorben hat.

Wer auf den regionalen Bezug dieses Krimiswert legt, wird nicht enttäuscht: Immer wieder schickt Christoph Heiden seine Protagonisten an bekannte Orte Jenas, erwähntStraßennamen, bekannte Gebäude oder Gegenden. Als Einheimischer erkennt man alles sofort wieder und hat die Szenerien vor Augen. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass die Erwähnung dieser Details auf Leser, die sich in Jena nicht auskennen, eher ermüdend wirkt, da sie letztlich für die Handlung kaum eine Rolle spielen – außer vielleicht dastitelgebendeTeufelsloch.Das Ende war für mich durch absichtlich falsch gelegte Fährten des Autors nicht vorhersehbar, was für einen guten Krimi ja schon mal ausschlaggebend ist, lässt für meinen Geschmack aber zu viele Details offen: Zwar wird der Kriminalfall gelöst, aber das Rundherum – die persönlichen Probleme des Ermittlerduos beispielsweise – bleiben ungeklärt. Ich hatte das Gefühl, dass sich der Autor durch die vielen Einschübe und Nebenhandlungen in seinem Krimi übernommen hat und deshalb wohl ein 500 Seiten Krimi daraus geworden wäre, wenn er bemüht gewesen wäre, alle Fragen am Ende aufzulösen.

 

Mein Fazit: „Teufelsloch“ ist wohl ein Männer-Krimi. Mich haben die blutleeren männlichen Protagonisten und deren vulgäre Sprache sowie die klischeehaften weiblichen Charaktere davon abgehalten, Freude an dem eigentlich spannenden Plot zu haben. Deshalb kann ich diesen Krimi trotz des interessanten Jena-Bezugs nicht weiterempfehlen.

 

Bewertung2

Vielen Dank an den Autor und den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar.