|Rezension| Tage mit Leuchtkäfern – Zoe Hagen

Anders als erwartet, aber trotzdem überzeugend.

 

Tage-mit-LeuchtkäfernVerlag: Ullstein
Broschur: 13,00 Euro
Ebook: 9,99 Euro
Erscheinungsdatum: 14.03.2016
192 Seiten
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„Ich glaube, ich hasse meine Mutter. Ich kann gerade nicht fassen, dass ich dir das wirklich schreibe, hassen ist so ein starkes Wort. Aber ich glaube, es stimmt. Ich hasse meine Mutter. Ich hasse sie dafür, dass sie mir gottverdammte Blaubeerpfannkuchen macht, und dafür, dass diese Mühe einzig ihrer Selbstdarstellung dient. Ich hasse sie dafür, dass sie mich dazu bringt, so für sie zu empfinden. Und ich hasse sie, weil hassen manchmal so viel leichter fällt.“ (S.14)

 

Worum geht´s?

»Das Leben ist ein Privileg«, sagte ich. »Das Leben ist ein Privileg?«, fragte Noah erstaunt. »Ja«, sagte ich. Noah zog die Luft ein, ein Lächeln umspielte seine Lippen. Er drehte sich zu Fred und den anderen um und fragte: »Wo zum Henker hast du denn den kleinen Gandhi hier her?«

Du bist einsam und unglücklich, dein Leben wie ein falscher Film, der an dir vorbeiläuft. Bis du neue Freunde triffst. Gut, die sind alle ein bisschen verrückt, sie nennen sich »Der Club der verhinderten Selbstmörder«. Aber sie geben dir Halt und sind wie Leuchtkäfer in deiner bodenlosen Traurigkeit. Denn du hast nur das eine Leben.

 

Cover und Titel

Das Cover dieses Romans hat mich sofort angesprochen. Durch seine lilafarbenen Hintergrund sticht es sofort ins Auge. Die Farbgebung wirkt etwas düster, was durch den Wegweiser im oberen Bildabschnitt und den Scherenschnitt einer jungen Frau, die auf einem der Pfeile sitze, noch verstärkt wird.

Der Titel „Tage mit Leuchtkäfern“ macht neugierig, da man sich darunter nichts konkretes vorstellen kann. Hat man den Roman gelesen, stellt man fest, wie perfekt der Titel zur Geschichte passt.

 

Mein Eindruck

Nachdem ich den Klappentext des Buches gelesen hatte, hatte ich bestimmte Vorstellungen von diesem Roman. Diese Vorstellungen passten zunächst nicht zum Einstieg in die Geschichte.

DIe Protagonistin Antonia schreibt Briefe an Gott. Die Brief-Form des Romans hat mich dabei gar nicht gestört. Im Gegenteil. Ich mag Brief-Romane sehr. Allerdings hat mich die Tatsache, dass Antonia an Gott schreibt, etwas verstört, weil ich selbst kein gläubiger Mensch bin. Aber das ist Antonia auch nicht. Zumindest nicht im klassischen Sinne. Deshalb konnte ich mich dann doch mit der Anrede „Lieber Gott“ anfreunden.

Antonia schildert dem „lieben Gott“ all ihre Gefühle und Gedanken, die sie keiner realen Person anvertrauen will. Dabei geht es um die schwierige Beziehung zu ihren Eltern, nicht vorhandene Freunde, neue Freunde, aber im Wesentlichen um die Tatsache, dass sie unglücklich ist und wie sich dieser Zustand ändern lässt. Mehr möchte ich über den Inhalt nicht verraten. Nur so viel: Die Geschichte nimmt nach anfänglichen Startschwierigkeiten überraschend Fahrt auf, die Spannung steigert sich und gipfelt in einem völlig überraschendem Ende, das ich sehr gelungen fand.

Neben dem besonderen Verlauf der Geschichte, sind aber auch die Charaktere in „Tage mit Leuchtkäfern“ sehr speziell. Während ich mit Antonia erst warm werden musste, haben mich die anderen Charaktere auf Anhieb überzeugt. Jeder hat seine Eigenarten, entspricht keinem Stereotyp und ist auf seine Weise liebenswert.

Dem Schreibstil der Autorin merkt man an, dass Zoe Hagen eine Poetry Slammerin ist. Zwar schreibt sie überwiegend in Prosa, aber man findet auch gelegentlich einige lyrische Passagen. Und überhaupt ist ihre Art zu Erzählen sehr speziell: Sie nutzt viele kurze Sätze und verleiht den einzelnen Texten so mehr Authentizität. Einerseits hat man dadurch das Gefühl ein wahrhaftiges Tagebuch zu lesen, in dem die Autorin schreibt wie es ihr in den Kopf kommt. Andererseits sind die Sätze aber oft derart poetisch und klug – kein Vergleich zu dem banalen Alltagsschilderungen einer typischen 17-Jährigen.

Insgesamt liest sich „Tage mit Leuchtkäfern“ trotz des speziellen Schreibstils (oder vielleicht eher wegen) sehr flüssig, so dass man schneller als einem lieb ist am Ende angekommen ist.

 

Mein Fazit:
„Tage mit Leuchtkäfern“ ist eine Hommage an gute Freunde und das Leben. Zoe Hagen erzählt hier auf sehr berührende Weise eine kurzweilige Geschichte, die durch einen überraschenden Verlauf und besondere Charaktere überzeugt. Lediglich der Beginn war etwas schleppend und am Ende hätte dieser Roman gerne noch 100 Seiten mehr umfassen können.

 

Bewertung4

 

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

 

Weitere Rezensionen zum Buch:
  • Liebe Evi,
    danke, für deine Rezension.
    Bei mir subt das Buch noch.
    Aber ich werde es bald mal in Angriff nehmen.
    Liebe Grüße,
    Ramona

  • Lotta

    Liebe Evi,
    ich habe das Buch ziemlich haargenau so empfunden wie du. Am Anfang ging es ein wenig schleppend los und ich konnte auch nicht so richtig etwas mit den Briefen an Gott anfangen, aber umso weiter die Geschichte fortschreitet umso besser hat sie mir gefallen und dann auf einmal: ENDE. What? Ich hätte auch sehr gerne noch sehr viel mehr Seiten gehabt, denn ich mochte den Schreibstil von Zoe Hagen sehr gerne.

    Liebst, Lotta