|Rezension| Sie – Turgay Yagan

Auch nicht viel besser als „Er“…

 

Sie - Turgay Yagan

Verlag: TT
Taschenbuch: 12,90 Euro
Ebook: 8,99 Euro
Erscheinungsdatum: 07.10.2014
236 Seiten
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„Ich schickte ihn weg und die Gefühle blieben da und gefüttert von der Sehnsucht, wuchsen sie in ihren Verstecken. Und nun sind sie da, überall.“ (S. 234)

Worum geht´s?

Zwei Menschen, zwei Leben, eine Stadt: Hamburg 2013. Die Wege der jungen Anwältin Laura Janssen und des deutschtürkischen Journalisten Okan Baran kreuzen sich durch Zufall. Mit dieser Begegnung beginnt für Laura eine Reise von einer Ballettaufführung, über ihren Alltag und die Liebe bis zu sich selbst. Eine Liebesgeschichte, die Menschen, Kulturen, den Alltag und das Leben verknüpft.

 

Cover und Titel

Für sich gesehen finde ich Cover und Titel recht unspektakulär. Ich mag zwar, dass der Titel plakativ im Vordergrund steht, aber die Zeichnung der Frau hätte meines Erachtens nicht sein müssen. Zusammen mit dem zweiten Roman „Er“ ergeben beide Cover natürlich ein sehr harmonisches Bild, zumal man sich mit blau („Er“) und pink („Sie“) an die stereotype Farbverteilung im Hinblick auf männlich/weiblich gehalten hat. Schön finde ich, dass diese Farbgestaltung sich nicht nur auf dem Schutzumschlag, sondern auch in der Farbe des Hardcovers wiederfindet.

 

Mein Eindruck

Nachdem mich „Er“ so gar nicht überzeugen konnte, war ich wirklich gespannt, wie nun die Perspektive der Frau von einem männlichen Autor dargestellt wird. Wie schon an der Überschrift erkennbar ist, hat mir „Sie“ etwas besser gefallen als „Er“. Das lag zum Einen daran, dass mir die Ich-Erzählerin Laura etwas sympathischer war als Okan. Zum Anderen musste ich doch tatsächlich an mancher Stelle im Buch über Lauras Sarkasmus schmunzeln. Ansonsten muss ich leider fast alle meiner Kritikpunkte, die ich schon in meiner Rezension zu „Er“ erwähnt habe, wiederholen. Zu Beginn fällt gleich wieder der wenig anspruchsvolle Schreibstil auf: Ein Hauptsatz nach dem nächsten. Gefühlt ist in diesem Roman kein Satz länger als zwei Zeilen.
Die Handlung ist logischerweise die gleiche wie in „Er“ und Lauras Sicht auf die Dinge leider genauso kitschig, was ja schon bei „Er“ mein Hauptkritikpunkt war. Die Geschichte ist einfach nur überfrachtet mit Klischees: erster Kuss in Venedig; erfolgreiche, heiße Anwältin, die nicht ernst genommen und von allen Männern angebaggert wird; eine Stewardess, die ständig Sex mit Piloten hat; ein spießiger Juristen-Lover und getoppt wird das Ganze dann noch von einer höchst dramatischen Erzählung eines 2.Weltkriegs-Schicksals. Letzteres ist dann die Parallele zum Umschwung von Liebesgeschichte zur politischen Geschichte, den es auch in „Er“ gibt.
Dazu kommt, dass Lauras Gedanken zum Teil auch noch unsinnig sind. ACHTUNG SPOILER: An einer Stelle heißt es zum Beispiel „Und ich merkte, dass Okan zu lieben die richtige Entscheidung war.“ Seit wann entscheidet man sich wen man liebt? In einem anderen Roman könnte man das für einen tiefsinnigen, ironischen Gedanken halten, weil man eben nicht entscheiden kann, wen man liebt. Aber in „Sie“ ist das wohl eher nicht der Fall.  Obwohl sie dann doch Zweifel packen an Okans Status als Traummann (und das zurecht), verwirft sie diese am Ende der Geschichte und sucht vielmehr den Fehler bei sich. Der tolle Okan hat natürlich nichts falsch gemacht. Vielmehr war die Dame ja nur unzufrieden mit sich selbst. Ja nee, is klar. SPOILERENDE
Mein Fazit: „Er“ konnte mich leider nicht überzeugen. „Sie“ hat mir durch eine zumindest nicht unsympathische Protagonistin etwas besser gefallen. Dennoch würde ich den Roman nicht weiterempfehlen, da die Geschichte nicht das bietet, was der Klappentext verspricht. Deshalb auch nur 2,5 von 5 Punkten. 3 Punkte bedeutet in meinen Augen: Kann man lesen, muss man aber nicht. Hier trifft leider nur Letzteres zu. Schade! Die Idee der einen Geschichte in zwei Romanen hat mir nämlich wirklich gut gefallen.

Bewertung2

Vielen Dank an den TT Verlag für dieses Rezensionsexemplar!