|Rezension| Romeo & Romy – Andreas Izquierdo

Belanglose und vorhersehbare Story

 

Broschur: 14,99 Euro
Ebook: 12,99 Euro
Erscheinungsdatum: 11.04.2016
491 Seiten
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„Selbst ein durch und durch wissenschaftlicher Geist muss zugeben, dass der Hinweis auf eine pure Anhäufung von unglücklichen Zufällen eine wirklich fade Erklärung für ein Phänomen ist, das so vielen Menschen im Leben widerfährt. Unglück scheint unwiderstehlich für noch mehr Unglück: Immer eilt es heran, um ein Desaster möglichst noch zu verschlimmern.“ (S. 392)

 

Worum geht´s?

Romy könnte eine große Schauspielerin sein, aber niemand sieht sie, denn sie ist nur die Souffleuse. Aber auch das nicht lange, denn nach einem harmlosen Flirt mit Hauptdarsteller Ben, dessen einzige schauspielerische Glanzleistung sein Auftritt als »Frischedoktor« in einem Waschmittelspot ist, wird sie gefeuert. Und Ben kurz nach ihr.
Romy kehrt zurück in ihr winziges Dorf, um dort ihr Erbe anzutreten. Hier leben nur noch Alte. Und die haben sich in den Kopf gesetzt, rasch das Zeitliche zu segnen, denn auf dem Friedhof sind nur noch zwei Plätze frei. Wer da zu spät kommt, muss auf den Friedhof ins Nachbardorf. Und da gibt es – wie jeder weiß – nur Idioten.
Romy schmiedet einen tollkühnen Plan: Sie will mit den Alten ein elisabethanisches Theater bauen. Aus der gammeligen Scheune hinter ihrem Hof. Und mit ihnen Romeo und Julia auf die Bühne bringen. Sie haben kein Geld, keine Erfahrung, aber einen Star: Der »Frischedoktor« soll Regie führen! Ben ist begeistert: Regisseur! Das könnte unter Umständen der erste Job werden, den er nicht voll gegen die Wand fährt …

 

Cover und Titel

Das Cover dieses Romans passt durch seinen romantischen Hauch, die verspielte Schriftart und dezente Gestaltung perfekt in mein Beuteschema. Der auf Shakespeares „Romeo & Julia“ anspielende Titel „Romeo & Romy“ verheißt eine schöne Liebesgeschichte, die vermutlich irgendetwas mit dem namensgebenden Stück zu tun hat. Als Shakespeare-Fan hat mich das natürlich sofort neugierig gemacht. Fakt ist allerdings: Ja, das Theaterstück „Romeo & Julia“ spielt eine wesentliche Rolle in diesem Roman, bei dem es sich allerdings nicht um einen Liebesroman handelt. Die Liebesgeschichte wird hier nur am Rande thematisiert, so dass ich diesen Titel für unglücklich halte, da er falsche Erwartungen weckt. 

Mein Eindruck

Bei diesem Roman hätte ich von Anfang an auf mein Bauchgefühl hören sollen. Der Klappentext hatte mich nicht wirklich angesprochen, Titel und Cover hingegen schon. Außerdem hatte ich bisher so viel Gutes von Andreas Izquierdos Romanen gehört, so auch von seinem neuesten „Romeo & Romy“, weshalb ich einfach nicht widerstehen konnte.

Nach den ersten Seiten war ich noch frohen Mutes, dass ich den Zugang zur Geschichte schon noch finden werde. Alles begann sehr langsam und irgendwie schwerfällig. Scheinbare Belanglosigkeiten werden lang und breit beschrieben und die Charaktere waren so sehr überzeichnet, dass sie auf mich zu konstruiert wirkten. Leider zog sich dieses Muster bis zum Ende des Romans durch. Ich habe mich zwischenzeitlich ungefähr 100 Mal gefragt, ob Andreas Izquierdo das alles ernst meint oder das eine bitterböse Satire ist. Da ich nach ewig langen knapp 500 Seiten zu dem Schluss komme, dass dies wohl keine Satire ist, weiß ich wirklich nicht, was diese Geschichte eigentlich ist. Es ist keine Liebesgeschichte wie der Titel vermuten lässt, vielmehr ist es eine Geschichte über eine Dorfgemeinschaft und deren Bewohner. Der Klappentext macht zwar deutlich, dass es sich hier um einen Unterhaltungsroman und nicht um eine soziologische Studie des Dorfmilieus handelt, aber diese überspitzte, unauthentische Story konnte mich in keinster Weise unterhalten.

Auch solch eine Geschichte könnte ihren Reiz haben, wenn sie doch wenigstens authentisch wäre. Aber diese hier trieft nur so vor Klischees und überspitzt schrulligen Charakteren, die mich bis auf wenige einfach nur genervt haben. Allen voran die Protagonisten Romy alias „Täubchen“, die in Naivität kaum zu übertreffen ist und ein Frauenbild verkörpert, das übel aufstößt, wenn man bedenkt, dass dieser Roman aus der Feder eines Mannes stammt. Ich bin ganz bestimmt keine Emanze, aber in diesem Roman sind die Geschlechterrollen derart stereotyp – da wird es einem manchmal wirklich übel.

Der Schreibstil des Autors ist an sich durchaus angenehm und durch lange Sätze auch etwas anspruchsvoll. Würde er sich nicht mit unzähligen Beschreibungen belangloser Sachverhalte aufhalten, könnte man daran durchaus Geschmack finden.

Bis zuletzt habe ich bei dieser Geschichte noch auf eine Wendung oder doch zumindest ein überraschendes Ende gehofft – Fehlanzeige. Das Ende war okay, aber eben vorhersehbar und nichts besonderes.

 

Mein Fazit: „Romeo & Romy“ bietet Stoff für eine originelle Geschichte, die allerdings an Banalität kaum zu übertreffen ist. 300 Seiten weniger und dafür etwas mehr Feingefühl für die Charaktere hätten diesem Roman gut getan. Ich kann diesen Roman nicht weiterempfehlen, da er mich erst gelangweilt und dann nur noch aufgeregt hat.

 

Bewertung2

 

Vielen Dank an den Insel Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

 

Weitere Rezensionen zum Buch:
  • Lotta

    Hallöchen meine liebste Evi,
    nun das Buch steht immernoch ungelesen bei mir im Regal und ich glaube, es wird auch nicht mehr dazu kommen, dass ich es lesen werde nachdem ich deine Rezension gelesen haben. Ich vertraue nun mal zu sehr auf das, was du so von dir gibst..xD Und wir sind einfach zu gleich bei so vielen Büchern.. ich kann dieses Buch nicht mehr lesen. Ich werde es in liebevolle Hände weitergeben. ^^

    Danke für deine ehrliche Rezension.

    Liebst, Lotta

    • booksinmyworld

      Liebste Lotta,

      du fandest ja den „Club der Traumtänzer“ von ihm so gut, richtig? Irgendwie schwärmt auch jeder so von ihm und ich hatte vermutlich deshalb auch große Erwartungen. Aber es war einfach nur gähnend langweilig und noch dazu sehr aus der Luft gegriffen… Vielleicht liest du mal rein bevor du es verschenkst. Es wird bereits auf den ersten 20 Seiten ziemlich deutlich, was ich mit langatmig meine… Aber manch einem gefällt das ja auch. Nur mein Ding war es nicht.

      Liebste Grüße
      Evi