|Rezension| Porträt einer Ehe – Robin Black

Sehr spannendes psychologisches Porträt einer Ehe

 

Originaltitel: Forgiving
Übersetzung: Brigitte Heinrich
Gebundene Ausgabe: 19,99 Euro
Ebook: 15,99 Euro
Erscheinungsdatum: 24.05.2016
320 Seiten
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„In einer Ehe laufen oft zwei Gespräche nebeneinander ab. Das, das man gerade führt, und das, das man gerade nicht führt. Manchmal weiß man nicht einmal, wann dieses zweite, stillschweigende, begonnen hat“. (S.41)

 

Worum geht´s?

Gibt es ein Geheimnis für das Bewahren der Liebe?

Augusta und Owen sind von der Großstadt Philadelphia aufs Land gezogen, wo sie ein ruhiges, einsames Leben führen, Gus als Malerin, Owen als Schriftsteller. Doch ihre Verletzungen konnten sie nicht zurücklassen: Die Malerin hatte eine Affäre, die zwar vorüber ist, aber Gus hat ihrem Mann alles gestanden, und nun versuchen beide, ihre Ehe zu retten. Als in das Nachbarhaus eine neue Mieterin einzieht, ändert sich das stille, isolierte, vorsichtige Leben des Paars. Gus freundet sich mit der geschiedenen Britin Alison schnell an, sie ist ebenfalls Malerin, und Schritt für Schritt wird das Beziehungsgeflecht zwischen den drei Nachbarn enger und vertrauter, aber auch komplizierter. Und spätestens als die junge Nora, Alisons Tochter, eintrifft, droht die Situation zu eskalieren …

 

Cover und Titel

Das Cover dieses Romans passt eigentlich gar nicht in mein Beuteschema. Man sieht lediglich ein Stück gezeichneten Wald und im Hintergrund, Titel und Autorenname im Vordergrund. Das Cover wirkt durch die dunklen Farben etwas melancholisch und auch ein bisschen langweilig.

Der Titel hingegen hat mich sofort angesprochen, denn bei „Porträt einer Ehe“ dachte ich sofort an einen psychologischen Roman über die Abgründe einer Ehe, den der Klappentext schließlich auch versprach. Der Originaltitel lautet übrigens „Forgiving“ („Vergeben“) – auch sehr passend, aber ich glaube, er hätte mich nicht so neugierig auf den Inhalt gemacht wie der deutsche Titel. Insofern hat der Luchterhand Verlag alles richtig gemacht 🙂

 

Mein Eindruck

Bei diesem Roman ist mir etwas passiert, was mir bisher beim Lesen noch nie passiert ist. Ich habe das gleich zu Beginn vorweg genommene Ende während des Lesens vergessen. Verrückt, oder?

Viele Leser mögen es nicht, wenn ein Roman mit dem Ende beginnt. Da könnte man doch meinen, dass gar keine Spannung aufkommen kann, wenn man weiß, wie die Geschichte ausgeht. Robin Black hat es allerdings geschafft, dass mich die letzten Seiten des Romans fassungslos gemacht haben, obwohl ich das Ende eigentlich schon kannte. Aber jetzt mal von vorn:

Augusta und Owen sind ein Künstler-Ehepaar (sie Malerin, er Schriftstellerin), die nach einer Affäre Augustas, die sie ihrem Mann gebeichtet hat, in die absolute Einöde in den Wald (Covermotiv!) ziehen, als Versuch eines Neuanfangs. Beide haben sich mit ihrem neuen Leben arrangiert, aber immer noch schwebt viel Ungesagtes zwischen den Beiden, was die Beziehung im Verborgenen belastet. Als sie plötzlich in ihrer Einöde eine Nachbarin bekommen, kommt nicht nur ihre traute Zweisamkeit ins Wanken.

Erzählt wird aus Augustas Perspektive. Man könnte  Robin Black vorwerfen, dass es dann ja nur ein einseitiges Porträt sein kann und vielleicht stimmt das auch. Aber ich verspreche: Auch der männliche Part der Ehe kommt nicht zu kurz. Robin Black gelingt es durch einen sehr ansprechenden Schreibstil ein faszinierendes und umfassendes Porträt einer Ehe, bei dem der Fokus auf der Gegenwart liegt, zu zeichnen, das mich von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert hat. Sie hat ein gutes Gespür dafür die Feinheiten einer Ehe authentisch darzustellen. Robin Black zeigt auf welche Macht die ungesagten Worte in einer Ehe haben, wie unterschiedlich Betrogener und Betrügerin mit dem Seitensprung umgehen und dass auch wenn die Beziehung oberflächlich harmonisch scheint, man im Inneren schon meilenweit voneinander entfernt sein kann.

Leser in langjährigen Beziehungen, ob nun verheiratet oder nicht, werden sich in vielen geschilderten Details des Umgangs der Eheleute miteinander wiederfinden. Und vielleicht dabei auch ein bisschen erschrecken. Die Authentizität der Geschichte ist einerseits faszinierend, andererseits auch bedrückend. Definitiv ist dieser Roman unglaublich gut erzählt, was vor allem daran liegt, dass die Autorin zwar sehr beobachtungsstark und detailliert erzählt, dabei aber sehr direkte Worte findet, sich nicht in blumigen Formulierungen verliert.

Wie schon zu Beginn erwähnt, tut es dem Spannungsbogen keinen Abbruch, dass das Ende vorweggenommen wird. Ich habe es schlicht vergessen und saß am Ende dieses Romans einfach nur fassungslos vor dem Buch.

 

Mein Fazit:
„Porträt einer Ehe“ ist genau das was der Titel verspricht: Ein traurig schönes, unglaublich klug erzähltes Porträt einer (Künstler-)Ehe, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und am Ende sprachlos zurückgelassen hat. Robin Blacks Blick für Details gepaart mit einer sehr direkten Sprache ist die perfekte Mischung für ein außergewöhnliches Lesevergnügen. Diese Autorin muss man sich merken! Lesen, lesen, lesen!

 

bewertung5

 

Vielen Dank an den Luchterhand Literaturverlag für dieses Rezensionsexemplar.

 

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