|Rezension| Nur wer fällt, lernt fliegen – Anna Gavalda

Anna Gavalda überrascht vor allem sprachlich!

 

Verlag: Hanser
Gebundene Ausgabe: 19,99 Euro
Ebook: 14,99 Euro
Erscheinungsdatum: 28.07.2014
192 Seiten
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„Das war übrigens das einzige Mal, dass er ausgerastet ist, er dachte, sein Rückenmark hätte was abgekriegt, und die Vorstellung, wie ziemlich beste Freunde zu enden, hat ihn dermaßen entsetzt, dass er mich endlos zugelabert hat, ich sollte ihn doch in diesem Loch zurücklassen oder sein Leben beenden.“ (S. 3)

Worum geht´s?

Billie und Franck sind beim Bergwandern in Frankreich in eine Felsspalte gestürzt. Während er bewusstlos in ihren Armen liegt, versucht sie mit aller Kraft wach zu bleiben und erzählt ihre Geschichte: Sie, Billie, wuchs in einer Wohnwagensiedlung auf, er, Franck, lag wegen seiner Homosexualität im ständigen Clinch mit seinem bürgerlich-reaktionären Vater. Nichts scheint die beiden zu verbinden, bis sie zwei Hauptrollen im Schultheater bekommen. Trotzdem spricht alles gegen ein Happy End: Sie bleibt sitzen, er muss ins Internat, es folgen Abstürze und Schicksalsschläge. Aber Billie und Franck geben nicht auf. In Paris finden sie sich wieder – und Billie stellt ihr Leben auf Reset. Dann wird das Glück schon kommen.

 

Cover und Titel

Der Titel hat mich sofort neugierig gemacht und gefällt mir richtig gut. Poetisch, aber nicht kitschig und typisch für Anna Gavaldas Bücher.
Auch das Cover passt zur Autorin und dem Stil ihrer älteren Werke. Auch wenn es im ersten Moment nichts mit dem Inhalt (ein Mann und eine Frau liegen in einer Felsspalte) zu tun hat, macht die Gestaltung des Covers im Nachhinein absolut Sinn. Daumen hoch für Cover und Titel!

 

Mein Eindruck

Ich war so gespannt auf Anna Gavaldas neuen Roman. Ich liebe vor allem ihre älteren Werke, war von den letzten beiden etwas enttäuscht und deshalb umso neugieriger, ob sie mich dieses Mal wieder begeistern kann. Ich nehme es gleich vorweg: es ist ihr wieder gelungen! Ab der ersten Seite war ich von der Geschichte um Billie und Franck gefesselt. Völlig überraschend war für mich die schonungslose, offene (Umgangs-)Sprache, mit der die Autorin ihre Ich-Erzählerin Billie ausstattet. Mir hat das unglaublich gut gefallen, da man dadurch den Eindruck gewinnt, man lese eine Autobiografie. Stichwort: Authentizität!

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt: zum einen in der Gegenwart (Billie und Franck liegen in der Felsspalte) und zum anderen in der Vergangenheit (Billie reflektiert über ihr Leben, wobei sie sich darauf konzentriert wie sie Franck kennengelernt hat). Den Wechseln zwischen den beiden Ebenen kann man gut folgen. Sie bauen zusätzliche Spannung auf, weil man immer wissen will, wie es mit Franck weitergeht, der verletzt und bewusstlos im Jetzt in der Felsspalte liegt. Genauso will man aber mehr über Billie erfahren, die stets mit einer großen Portion Sarkasmus von ihrer nicht einfachen Kindheit erzählt. Und nein! Auch wenn hier das Thema „schwierige Kindheit“ im Mittelpunkt steht, ist dies keiner dieser klischeebelandener Familienromane!
Während ich am Anfang noch verwirrt war, in welcher Beziehung Billie und Franck stehen, bleiben am Ende keine Fragen mehr offen. Apropos Ende: ich fand es toll! Es war weder klischeehaft, noch zu deprimierend. Mehr will ich nicht verraten.

Mein Fazit:
Anna Gavalda begeistert in „Nur wer fällt, lernt fliegen“ durch eine authentische, spannende Geschichte, sympathisch sarkastische Protagonisten und eine offene und zugleich gefühlvolle Sprache. Ganz klare Leseempfehlung!

 

bewertung5

Vielen Dank an den Hanser Verlag für dieses Rezensionsexemplar!