|Rezension| Nur ein Tag (Teil1) – Gayle Forman

Über die Liebe auf den ersten Blick und ihre Folgen

 

9183CaJNeRLVerlag: S. Fischer
Originaltitel: Just One Day
Übersetzung: Stefanie Schäfer
Broschur: 14,99 Euro
Ebook: 12,99 Euro
Hörbuch: 19,95 Euro
Erscheinungsdatum: 22.03.2016
432 Seiten
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„Als er mich endlich auf den Mund küsst, wird alles seltsam ruhig, wie der Moment der Stille zwischen Blitz und Donner. Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf. Bäng!“ (S.106)

 

Worum geht´s?

Allysons Leben ist genau wie ihr Koffer – überlegt, geplant und ordentlich gepackt. Doch am letzten Tag ihrer dreiwöchigen Europatour lernt sie Willem kennen. Als freier, ungebundener Schauspieler ist er all das, was die 18jährige Allyson nicht ist, und als er sie einlädt, mit ihm nach Paris zu kommen, trifft sie spontan eine für sie untypische Entscheidung. Sie ändert ihren Plan und geht mit ihm. Allyson erlebt einen Tag voller Abenteuer und Romantik, Freiheit und Nähe – bis Willem am nächsten Morgen nicht mehr da ist.

Ein überwältigendes Buch über Liebe, Identität und die Zufälle des Schicksals.

 

Cover und Titel

Das Cover dieses Romans ist auf den ersten Blick als Liebesroman zu erkennen: die zerbrochene Herzhälfte auf rotem Hintergrund macht klar, um welche Art von Geschichte es sich hier handelt. Der kleine Scherenschnitt einer jungen Frau verrät aus wessen Perspektive die Geschichte erzählt wird und der kleine Eiffelturm am unteren Bildrand verrät den Handlungsort. 

Mir gefällt die Gestaltung des verspielten Covers ausgesprochen gut. Sie passt zur romantischen Geschichte und hebt sich von den üblichen Jugendromanen mit dem Antlitz beider Protagonisten ab.  Zusammen mit dem zweiten Teil „Und ein ganzes Jahr“ ergibt das Cover eine schöne Einheit.

Der Titel „Nur ein Tag“ ist ebenfalls sehr passend zum Inhalt, der im wesentlichen durch einen erlebten Tag bestimmt wird und macht den Leser neugierig. Er ist außerdem die Übersetzung des Originaltitels „Just one day“.

Mein Eindruck

Von Gayle Forman habe ich bereits „Wenn ich bleibe“ gelesen und da mir diese Geschichte nachhaltig im Kopf blieb, wollte ich mir ihren neuesten Roman, bei dem es sich dieses Mal um eine klassische Coming-of-Age Geschichte handelt, nicht entgehen lassen.

An sich war der Einstieg in die Geschichte leicht. Durch die Ich-Erzählerin Allyson ist gleich zu Beginn eine gewisse Nähe gegeben. Allerdings brauchte ich eine ganze Weile, eigentlich sogar fast bis zur Hälfte des Buches, bis die Geschichte mich so richtig begeistern konnte. Der Grund dafür liegt wohl im Charakter der Protagonistin, die zu Beginn das typische Mauerblümchen-Streber-Mädchen verkörpert. Ihre Naivität und Bravheit gingen mir etwas auf die Nerven. Willem war mir da um einiges lieber – vermutlich aber auch, weil er als „mysteriöser Fremder“ dargestellt wird und man eigentlich nicht viel über ihn erfährt.

Davon mal abgesehen entwickelt Gayle Forman eine schöne, zarte Liebesromanze vor der Kulisse von Paris, die vor allem durch witzige Dialoge und romantische Gefühle punktet. Aber am meisten hat mir ihr jähes Ende und alles was darauf folgt, gefallen. Durch Willems Verschwinden durchlebt Allyson verschiedene Phasen und verändert sich immer mehr, was sie mir zugänglicher machte. Ich mochte den zweiten Teil der Geschichte deshalb wesentlich lieber. Zudem wird es ab Willems Verschwinden erst richtig spannend. Nicht nur Allysons Wandel fesselt den Leser, sondern natürlich auch die Frage, ob die beiden sich noch einmal wiedersehen. Ab dem zweiten Teil ist der Verlauf der Geschichte außerdem nicht mehr so vorhersehbar wie im ersten Teil, was der Geschichte zusätzlich Spannung verleitet.

Gayle Formans Schreibstil und auch dessen Übersetzung ist einfach wunderbar: Mit viel wörtlicher Rede und einfachen Sätzen ist die Geschichte nah am Leser. Vor allem aber hat sie ein unvergleichliches Talent mit scheinbar harmlosen Worten kleinen Gesten eine große Bedeutung zu verleihen. Besonders an diesem Roman sind außerdem die Bezüge zu Shakespeares Werken, die immer mal wieder auftauchen und diesem Jugendroman eine besondere literarische Note verleihen.

Das Ende des Romans ist einfach nur fies – und das meine ich durchaus positiv. Einerseits dachte ich „WTF? Das kann sie doch jetzt nicht machen?“, andererseits musste ich vor mich hingrinsen, weil sie wirklich an keinem spannenderen Punkt enden konnte. So hat man natürlich unweigerlich das Bedürfnis sofort zu Band 2 „Und ein ganzes Jahr“ zu greifen, um zu erfahren ob und wie es mit Will und Allyson weitergeht.

 

Mein Fazit: „Nur ein Tag“ beginnt wie eine typische Jugend-Liebesromanze und überrascht dann durch eine Zäsur und einen unerwarteten Verlauf. Mit einem richtig fiesen Cliffhanger am Ende sorgt die Autorin außerdem dafür, dass man sofort zu Band 2 greifen muss, was ich nun umgehend tun werde. Fans von Coming-of-age Geschichten sollten sich diesen Roman nicht entgehen lassen.

 

Bewertung4

 

Vielen Dank an die S. Fischer Verlage für dieses Rezensionsexemplar.

 

Weitere Rezensionen zum Buch:
  • Lotta

    Hallöchen Evi
    mir ging es genauso wie dir. Ich war vom Verlauf der Geschichte total überrascht und dann dieser Cliffhanger. So unfair.. und ich habe das Buch wohlgemerkt schon im Dezember gelesen gehabt und musste bis März (!!) auf den zweiten Teil warten. Nicht nett.
    Ich denke, dass dir Willems Part noch besser gefallen wird als der von Ally, aber ich bin sicher, du wirst das Eshort genauso dringend brauchen wie ich. ^^

    Liebst, Lotta

    • booksinmyworld

      Liebste Lotta,

      also erstmal: Nur gut, dass ich dank dir weiß, dass es ein Eshort gibt. Das hätte ich sonst gar nicht mitbekommen.
      Der Cliffhanger ist echt ultra fies und ich bin so gespannt auf Willems Sicht, zumal ich ihn an sich ja auch viel interessanter fand als Ally.

      Liebe Grüße
      Evi