|Rezension| Novemberhimmel – Marleen Reichenberg

Erstens kommt es anders…

Novemberhimmel

Verlag: Amazon Publishing
Taschenbuch: 19,99 Euro
Ebook: 2,49 Euro
Erscheinungsdatum: 10.09.2014
312 Seiten
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„Man konnte sich mit höflichen Gesten und nichtssagenden Floskeln beinahe mehr wehtun, als wenn man sich gegenseitig anbrüllte (…).“ (S. 267)

Worum geht´s?

Die sechsundzwanzigjährige Laura hat sich nach einer sehr schlechten Erfahrung in Liebesangelegenheiten mit ihrem ruhigen, vorhersehbaren Singleleben arrangiert. Beruflich ist sie erfolgreich, aber große Gefühle und Dramen finden nur in ihrer Lektüre statt. Das ändert sich, als sie zufällig den charismatischen Nick kennenlernt, der starkes Interesse an ihr zeigt und davon überzeugt ist, die Frau seines Lebens in ihr gefunden zu haben.
Trotz anfänglicher Zweifel verliebt sie sich in ihn. Die beiden heiraten relativ rasch. Laura ahnt nicht, dass ihre Liebe zu ihm sie durch alle Höhen und Tiefen und an die Grenzen ihrer Belastbarkeit führen wird, denn Nick ist nicht nur der stets gutgelaunte, zärtliche und fürsorgliche Traummann, den er nach außen hin verkörpert …

 

Cover und Titel

Der Titel „Novemberhimmel“ hat mich gleich neugierig gemacht – ist er doch eher untypisch für einen Liebesroman, weil man bei diesem Titel automatisch an etwas Düsteres und nicht an eine romantische Lovestory denkt. Das Cover hingegen greift zwar den Himmel aus dem Titel wieder auf, steht ansonsten aber meines Erachtens in einem starken Kontrast zu meinen Vorstellungen, die ich durch den Titel vom Buch habe. Insgesamt wirkt das Cover durch das sich umarmende Pärchen, bei dem die Frau im Vordergrund steht und den blauen Himmel (den ich nicht als Novemberhimmel einordnen würde) fast ein bisschen kitschig. Mein Geschmack ist es jedenfalls nicht.

 

Mein Eindruck

… und zweitens als man denkt. Genauso widersprüchlich wie Cover und Titel auf mich wirkten, verhält es sich auch mit der Geschichte selbst.
Der Einstieg in die Geschichte der 26-jährigen Laura fiel mir durch den angenehmen Schreibstil der Autorin sehr leicht. Man kann dem Plot, der schnell an Fahrt aufnimmt, gut folgen. Während sich das erste Drittel der Geschichte wie eine typische Liebesgeschichte ohne … liest, ist das zweite Drittel meines Erachtens der mit Abstand spannendste Teil. Denn während man nach den ersten 100 Seiten denkt: „Okay, sie haben sich gefunden und geheiratet. Was passiert denn jetzt noch?“, geht es danach eigentlich erst richtig los. Denn hier treten die auf dem Klappentext angedeuteten Schwierigkeiten mit Lauras frisch gebackenen Ehemann Nick auf. Diese schildert die Autorin sehr authentisch und mitreißend. Ganz automatisch leidet man als Leser mit Laura mit, spürt ihre Verzweiflung fragt sich: Wie würde ich an Lauras Stelle handeln?
Das letzte Drittel konnte mich hingegen wieder nicht richtig überzeugen: Die Auflösung des Ganzen war mir zu oberflächlich und wieder nah an der Kitschgrenze- passend zum Covermotiv.
Was mir bei „Novemberhimmel“ gefehlt hat, waren richtige Charaktere: Obwohl die Geschichte aus Lauras Perspektive erzählt wird und man deshalb meinen sollte, zumindest ihr Charakter wäre dem Leser nahe, war sowohl sie als auch Nick für mich auf gewisse Weise blutleer. Sie hatten kaum Eigenarten, die sie charakterisierten und auch optisch habe ich bis zuletzt keine Vorstellung konkrete Vorstellung von ihnen. Damit gingen bei mir leider auch die Emotionen verloren. Auch wenn mich die Geschichte gefesselt hat, habe ich bis auf den Mittelteil kaum mit den Figuren gefühlt. Der Funke sprang einfach nicht über. Es darf an dieser Stelle allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass die Autorin es kurz vor dem Schluss noch schafft, den Leser vollends auf eine falsche Fährte zu führen. Dieser Überraschungsmoment, als sich das Ganze auflöst, hat mir gut gefallen.

Mein Fazit: „Novemberhimmel“ ist ein unterhaltsamer Roman, der von den klassischen Liebesgeschichten abweicht. Der Plot ist wesentlich tiefgründiger als es das Cover vermuten lässt. Trotz der ganzen Dramatik im Mittelteil des Buches hat mich der Plot aufgrund der charakterschwachen Figuren leider nicht berührt, weshalb es für mich in die Kategorie „Kann man lesen. Muss man aber nicht.“ gehört.

Bewertung3

Vielen Dank an die Autorin Marleen Reichenberg für dieses Rezensionsexemplar!