|Rezension| New York Diaries. Claire – Ally Taylor

„Sex and the city“ meets „Bridget Jones“

 

img_9177Verlag: Knaur
Taschenbuch: 9,99 Euro
Ebook: 9,99 Euro
Erscheinungsdatum: 04.10.2016
320 Seiten
Kaufen? Taschenbuch oder Ebook

„Manchmal hoffe ich, dass unsere Beziehung nur einen Dornröschenschlaf eingelegt hat, aber wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht daran. Viel wahrscheinlicher ist, dass wir vor einer ganzen Weile füreinander gestorben sind und dass unsere zwei Leben, die so lange wie eine Kordel verflochten waren, sich wieder zu zwei einzelnen Strängen getrennt haben.“ (S.33)

 

Worum geht´s?

Chaotisch, sexy und hochromantisch: Das sind die New York Diaries!
Im Herzen von New York City steht das Knights Building, ein ziemlich abgelebtes Wohnhaus. Etwas schäbig und daher nicht ganz so teuer, ist es perfekt für Frauen, die frisch in die Stadt gekommen sind, um ihre Träume zu jagen oder vor ihrer Vergangenheit zu fliehen. Weg vom College oder der Universität, weg von der Familie, weg von der alten Liebe, die nicht gehalten hat … bereit für alles, was jetzt kommt.
Auch Foodkritikerin Claire Gershwin kommt als Suchende in die aufregendste Stadt der Welt. Innerhalb kürzester Zeit hat sich ihr Status von „in einer Beziehung, lebt in London und hat einen tollen Job“ zu „Single, arbeits- und obdachlos“ geändert. Claire ist viel zu pleite, um sich ein eigenes Appartement leisten zu können, deswegen zieht sie kurzerhand in den begehbaren Kleiderschrank ihrer Freundin June, die im Knights Building wohnt. Doch werden sich hier ihr Träume und Hoffnungen erfüllen?

 

Cover und Titel

Ich liebe New York und ich liebe das Cover der „New York Diaries“! Die Idee die Skyline der Stadt in ihrem Schriftzug abzubilden, finde ich großartig. Durch die großen Lettern, die im Fokus des Covers stehen, wird man als New York Fan natürlich automatisch angefixt. Damit ist der Schauplatz der Geschichte sogleich offensichtlich und durch den Zusatz „Claire“ wird auch gleich deutlich, dass es sich um einen Roman aus der Sicht einer Frau handelt und das es vermutlich mehrere Bände gibt. Der schwarze Hintergrund verleiht dem Ganzen außerdem eine gewisse Eleganz. Damit heben sich die „New York Diaries“ nicht nur durch den Titel sondern auch durch ihr Cover ganz klar ab von den üblichen Frauenromanen mit küssenden Protagonisten als Covermotiv.

 

Mein Eindruck

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich wohl nicht zu diesem Roman gegriffen hätte, wenn er nicht von Ally Taylor geschrieben worden wäre. Meine Leserseele hat einfach genug von diesen typischen Frauenromanen mit viel Romantik, happy End und Großstadt-Flair. Da Ally Taylor alias Anne Freytags Schreibstil aber derart überzeugend ist, dass sie auch ein Telefonbuch lesbar machen könnte, musste ich den ersten Band der New York Diaries, der sich um die arbeitslose, frisch getrennte Claire dreht, lesen.

 

Anders als in den herkömmlichen Liebesromanen, die ich den letzten Monaten laß, ist die Protagonistin nicht blutjung, sondern schon Mitte 30, womit ich quasi mitten drin bin in der Zielgruppe dieses Romans. Claire ist eine Mischung aus Carrie Bradshaw und Bridget Jones: liebenswert chaotisch, auf eine natürliche Weise gutaussehend und auf der Suche nach dem „Was will ich eigentlich?“ und nebenbei natürlich auch auf der Suche nach dem richtigen Mann. Ich mochte den Fokus auf diesem „Ich bin über 30, Single, arbeitslos und obdachlos“-Problem, weil es genau diese Sorgen sind, die viele Männer und Frauen nach einem jähen Beziehungsende, dass eben oft auch andere „Enden“ (Wohnung, Job,…) zur Folge hat, haben.

 

Erzählt wird aus Claires Ich-Perspektive, ergänzt durch hervorgehobene Tagebucheinträge, die den Leser ein noch intensiveres Eintauchen in Claires Gedanken ermöglichen. Mir hat dieses Stilmittel mit den Tagebucheinträgen besonders gut gefallen. Zum einen wird man an die eigenen Einträge aus der Jugend erinnert, in denen man gnadenlos ehrlich seine Gefühle von der Seele schreibt und über die man sich Jahre später kaputtlacht. Claire schreibt natürlich erwachsener, aber dennoch sind diese typischen launenhaften „Heute so, morgen so“ Einträge auch bei ihr vorhanden.

 

Während in den bisherigen Romanen der Autorin eher leidenschaftliche Gefühle für beste Unterhaltung gesorgt haben, kommt in den „New York Diaries“ Ally Taylors unvergleichlicher Sinn für Humor bestens zum Tragen. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so viel beim Lesen gelacht habe. Es sind einfach so viele witzige und skurrile Szenen, bissige Dialoge oder teuflische Gedanken, die nicht nur dafür gesorgt haben, dass ich mich bestens unterhalten gefühlt habe, sondern auch dafür, dass ich diesen Roman innerhalb zweier Zugfahrten gelesen habe. Man hat das Gefühl, Ally Taylor schreibt genauso wie ihr alter ego Anne Freytag denkt und genau das macht diesen Roman mit seiner liebenswerten Protagonistin aus. Genauso wie einzigartig die Autorin über Gefühle schreibt. Mit den „Oceanside“-Romanen hat sie bereits bewiesen wie einfühlsam und anregend sie über die erste Liebe und den ersten Sex schreiben kann. Mit diesem Thema wird hier übrigens sehr erwachsen umgegangen: Sex ist da, wird klar benannt, aber ihm kommt keine wesentliche Bedeutung in der Geschichte zu. Vielmehr spielen Freundschaften, Familie, Liebe und eben die Suche nach Antworten auf die Frage „Was will ich aus meinem Leben machen?“ im Fokus.

 

Besonders toll fand ich außerdem auch den Schauplatz des Ganzen: New York bildet eine derart authentische Kulisse, dass Ally Taylor auch gut als Amerikanerin durchgehen könnte. Dieses besondere Flair der Stadt wird sehr bildlich und leidenschaftlich geschildert, so dass man am liebsten sofort in den nächsten Flieger zum J.F.K. Airport steigen möchte.
 

Mein Fazit:

Mit dem Auftakt der „New York Diaries“ gelingt Ally Taylor beste Unterhaltung für junge, nicht mehr ganz so junge und auch ältere Frauen, die die Nase voll haben von den typischen „armes junges Mädchen trifft bösen, gut aussehenden Jungen“-Geschichten. Hier geht es nicht um muskulöse Oberkörper, heißen Sex und die Schatten einer schrecklichen Vergangenheit, sondern vielmehr um eine Frau, die vor einer großartigen New Yorker Kulisse versucht sich selbst zu finden und der dabei jede Menge Witziges, Romantisches und Unvorhergesehenes widerfährt. Jeder, der wie ich die Nase voll hat von den typischen Frauen-/New Adult-Romanen, sollte sich dieses Buch schnappen.

 

bewertung5

 

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

 

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  • Denise H

    Hallo Evi

    Ich muss ehrlich zugeben, dass ich sehr skeptisch war, was diese Geschichte anbelangt! Bis vorhin bin ich diesem Buch regelrecht ausgewichen und trotz hohen Bewertungen, wollte ich es mir auf keinem Fall kaufen. Warum? Weil ich, wie du so schön schreibst, genug von der Klischeehaften Geschichte „junges Mädchen trifft auf reichen und gut aussehendem Bad Boy“ habe! Nun kommst du jedoch mit dieser Rezension daher, die ich nebenbei bemerkt verschlungen habe, und behauptest, dass dieses Buch nichts mit den 08/15 Erotikromanen zu tun hat. Mein Dilemma? Ich weiss jetzt nicht ob ich das Buch kaufen soll oder nicht 😉 Auf jeden Fall hast du mich neugierig gemacht und ich werde auf weitere, hoffentlich so gute, Rezensionen dazu ausschau halten.

    Ganz liebe Grüsse
    Denise

    • booksinmyworld

      Liebe Denise,
      ganz lieben Dank für deinen Kommentar, der mich ganz besonders freut, weil ich deine Meinung über dieses Buch vielleicht ein bisschen ins Schwanken gebracht habe 🙂

      Hast du denn schon mal was von Anne Freytag bzw. Ally Taylor gelesen? Sie schreibt einfach so, so, so gut, dass ich dir nur wärmstens empfehlen kann, dieses Buch zu kaufen und zu lesen, wenn du Lust auf ein richtig guten, unterhaltsamen Roman hast, der dich 100% mindestens 10x zum Lachen bringt. Ich schwöre!

      Liebe Grüße und nochmal: Schön, dass du da bist!
      Evi

      • Denise H

        Huhu Evi

        Ich habe von Anne Freytag „Mein bester letzter Sommer gelesen“ und auch wenn ich dir seitens des Schreibstils nur zustimmen kann, muss ich sagen, dass mich der Verlauf der Geschichte damals nicht zu 100% überzeugen konnte. Trotzdem möchte ich unbedingt weitere Bücher von ihr lesen und nach all deinen versprechen, überlege ich mir gerade, ob ich es nicht gleich bestellen soll ^^

        Ach wie schön, willkommen geheissen zu werden 🙂 ich werde dir dann auf jeden Fall über Twitter oder als Kommentar mitteilen, ob oder eher wenn ich New York Diaries gelesen habe und wie es mir gefallen hat!

        Ganz liebe Grüsse und einen schönen Sonntagabend noch
        Denise

  • Liebe Evi,
    wie schön, dass es dir auch gefallen hat! 🙂
    Liebe Grüße
    Ramona

    • booksinmyworld

      Ja, es war wirklich toll, auch wenn ich mich ein bisschen davor gefürchtet habe (weil ich das Genre eigentlich grad so über habe).
      Freut mich total, dass es dir auch so gut gefallen hat.

      Liebe Grüße
      Evi

  • Liebe Evi, eine ganz wunderbare Rezension 🙂
    Und ja, nur die Anne könnte uns auch mit einem Telefonbuch zum Lachen bringen.
    GLG

    • booksinmyworld

      Danke für das Kompliment, mein Herzblatt!

      Es fiel mir dieses Mal wieder echt schwer, die passenden Worte zu finden.