|Rezension| Mitternachtsweg – Benjamin Lebert

Nicht nur sprachlich ein ganz besonderes Buch!

 

copyright: Hoffmann&Campe

copyright: Hoffmann & Campe

Verlag: Hoffmann & Campe
Gebundene Ausgabe: 18,00 Euro
Ebook: 13,99 Euro
Erscheinungsdatum: 12.08.2014
240 Seiten
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„In den letzten Jahren war es ihm immer wichtiger geworden, wie eine Geschichte begann. Das galt für das ganze Leben. Im Anfang fand man den Schlüssel zur Moral einer jeden Geschichte. Nicht an ihrem Ende, wie in den Märchen.“ (S. 15)

Worum geht´s?

„Wann immer wir von einer großen Liebe erzählen, erzählen wir letztlich eine Spukgeschichte.“ Benjamin Lebert erzählt von einer Liebe im Rhythmus der Gezeiten – und von der Faszination, die die Rätsel der Vergangenheit uns aufgeben. Johannes Kielland ist ein junger Historiker, der seit seiner Kindheit ein leidenschaftlicher Sammler von Berichten über mystische Begebenheiten ist. Nun wird eine der Geschichten, die er ausgegraben hat, plötzlich lebendig. Die Frau eines in Sylt gestrandeten Toten wendet sich an ihn und erzählt ihm die Geschichte einer mysteriösen Beziehung und eines geheimnisvollen Handschuhs. Immer tiefer verstrickt sich Kielland in das fremde Schicksal, und die Wahrheit, nach der er sucht, erscheint unergründlich und trügerisch.

 

Cover und Titel

Cover und Titel implizieren die Einzigartigkeit dieser Geschichte. Einfach wunderschön! Dieses düstere Blau, die angedeutete stürmische See und der Titel, der so kryptisch ist (Was soll ein Mitternachtsweg sein?) und dadurch neugierig auf den Inhalt des Buches macht. Besonders gut gefällt mir auch, dass der Titel sich eher dezent in das Coverbild einfügt und nicht in Schriftgröße 50 auf dem Cover prangt.

 

Mein Eindruck

Beim Lesen des Klappentextes hat man schon die Vermutung, dass diese Geschichte anders ist als die anderen. Dieser Eindruck bestätigt sich immer stärker je mehr man in die Geschichte eintaucht. Mit einer wirklich einzigartigen Schreibstil, der jede Buchseite zu einem Lesegenuss macht und wohl am besten mit ruhig und ausgefeilt beschrieben werden kann, erzählt Benjamin Lebert eine Geschichte, die einerseits durch ihre Komplexität, andererseits durch ihre Tiefe besticht. Trotz dieser Komplexität, die vor allem durch Rückblenden, die nicht wirklich als solche angezeigt sind, erschaffen wird, wird der Lesefluss nicht gestört und „Mitternachtsweg“ liest sich so spannend wie ein Krimi. Es ist schwer in Worte zu fassen, aber obwohl die Geschichte oberflächlich wie eine Mischung aus Märchen und Krimi wirkt, ist es gerade die versteckte Tiefgründigkeit, die sie zu etwas ganz Besonderen macht.
Wie schon die Farbgebung des Covers impliziert, schafft der Autor mit seinen Worten eine melancholische, düstere Atmosphäre, in deren Mittelpunkt Sylt und die Nordsee mit ihren Gezeiten steht. Obwohl ich noch nie auf Sylt war, habe ich nun ein ziemlich präzises Bild der Insel in meinem Kopf, das ich Benjamin Leberts eindringlichen Beschreibungen der Szenerie zu verdanken habe.
Obwohl das Ende der Geschichte nicht wirklich als offen bezeichnet werden kann, waren für mich noch viele Fragen unbeantwortet, so dass man sich auch nach der Lektüre noch mit dieser Geschichte auseinandersetzt und versucht sie einzuordnen: Ist sie nun Fiktion, ein Märchen oder gibt es doch eine logische Erklärung für all das Mysteriöse?
Mein Fazit: Das Erstaunliche an „Mitternachtsweg“ ist, dass es so spannend ist wie ein Krimi, so dramatisch wie eine Liebesgeschichte und sprachlich so schön wie ein Gedicht. Die Geschichte ist so einzigartig, dass man sie nie mehr vergisst, wenn man sie einmal gelesen hat. Chapeau, Benjamin Lebert!

bewertung5

Vielen Dank an die liebe Karla von Hoffmann & Campe für dieses Rezensionsexemplar!