|Rezension| Margos Spuren – John Green

Kann mit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ mithalten!

 

Übersetzung: Sophie Zeitz
Originaltitel: Paper Towns
Gebundene Ausgabe: 16,90 Euro
Ebook: 9,99 Euro
Erscheinungsdatum: 27.07.2015
336 Seiten

 

 

„Pinkeln ist wie ein gutes Buch – wenn man mal angefangen hat, ist es sehr, sehr schwer aufzuhören.“ (S. 198)

 

Worum geht´s?

Schon als kleiner Junge war Quentin in die schöne, impulsive Margo verliebt – und schon damals war sie ihm ein Rätsel: Niemand konnte so mutig und entschlossen sein wie sie, niemand wirkte so unnahbar. Nachdem Quentin Margo bei einem nächtlichen Rachefeldzug geholfen hat, verschwindet diese urplötzlich und hinterlässt geheimnisvolle Spuren. Quentin ist verwirrt: Sind die Spuren für ihn? Soll er die Suche aufnehmen? Doch dann verfolgt er jeden Hinweis und befindet sich plötzlich auf einer Reise voller Abenteuer, irgendwo zwischen Roadmovie, Detektiv- und Liebesgeschichte. Der dritte Roman des vielfach ausgezeichneten Autors aus den USA.

 

Cover und Titel

Das Cover von „Margos Spuren“ ist wie alle Romane von John Green, die bisher im Hanser Verlag erschienen sind, ein echter Hingucker und fügt sich noch dazu großartig in die Reihe ein, da es farblich vor allem hervorragend zur Hardcover-Ausgabe von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ passt. Beide Cover haben einen blauen Hintergrund und sind ähnlich gestaltet. Im Mittelpunkt stehen Autorenname und Titel und im unteren Bildrand sind ein paar Zeichnungen von den Dingen, die diesen Roman ausmachen. In diesem Fall: ein Familienvan, ein typischer amerikanischer Store und im Hintergrund eine (evtl. verlassene Siedlung).  Dieser Spagat zwischen individuellem Covermotiv, das trotzdem zu den bisherigen Romanen passt, gelingt dem Verlag meisterlich.

Der Titel „Margos Spuren“ macht neugierig und passt zum Inhalt. Obwohl ich normalerweise eine Verfechterin des Originaltitels bzw. dessen Übersetzung bin, geht dieser abgewandelte Titel hier in Ordnung, da der Originaltitel „Paper Towns“ auf dem deutschen Buchmarkt vermutlich nicht ankommen würde, da sich niemand etwas darunter vorstellen kann.

 

Mein Eindruck

Da „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ganz weit oben auf meiner Liste der ewigen Top 10 ist, habe ich mich nur widerwillig an „Margos Spuren“ gewagt, weil ich Angst vor einer Enttäuschung hatte. Andererseits war ja schon das auf „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ abgestimmte Cover ein positives Vorzeichen 🙂

Von Anfang an konnte John Green mich wieder mit seinem großartigen Schreibstil überzeugen, der schon seinen Bestseller „TFIOS“ für mich als eines der herausragendsten Jugendbücher überhaupt klassiert hat. Bei „Eine qie Alaska“ konnte mich der Schreibstil übrigens nicht ganz so überzeugen, was aber möglicherweise auch an der Übersetzung (es war keine Hanser Ausgabe) gelegen hat. John Green schafft es wie kein anderer seine Figuren einerseits als authentische Jugendliche zu gestalten, andererseits aber so viel Klugheit in seinen Sätzen zu verpacken, dass man gar nicht mehr mit dem Markieren fertig wird und sich am liebsten alle merken würde. Dieses besondere Talent macht „Margos Spuren“ zu einem anspruchsvollen Jugendroman, der auch mich als Erwachsene zu keiner Zeit geistig unterfordert oder gelangweilt hat.

Seine Protagonisten Quentin und Margo sind keine stereotypen Charakter, sondern Jugendliche mit Eigenarten, Fehlern und zumindest was Margo betrifft auch manch nicht gerader liebenswürdiger Eigenschaft. Aber genau deshalb ist es so spannend sie auf ihrem Roadtrip zu begleiten. Q ist einfach von Natur aus liebenswert und Margo durch ihr selbstbewusstes, abenteuerlustiges Auftreten und ihre geheimnisvolle Art total interessant. Aber auch Radar und Ben – Quentins Freunde – sind tolle Nebencharaktere, die durch ihre witzigen Kommentare und Dialoge den sonst eher schwermütigen Charakter der Geschichte auflockern.

Insgesamt lässt sich der Plot kaum mit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ vergleichen. Das hier ist keine Geschichte über Krankheit und die erste Liebe, wobei die erste Liebe natürlich auch hier eine Rolle spielt. Es ist vielmehr eine Geschichte über einen Roadtrip, der die Jugendlichen nicht nur durch Halb-Amerika sondern vor allem auf die Suche zu sich selbst führt. Dabei beginnt der Plot sehr rasant, wird in der Mitte eher ruhig und melancholisch und nimmt zum Ende hin wieder erheblich an Tempo zu.  Auch wenn die Geschichte den Leser an vielen Stellen zum Nachdenken anregt und insgesamt viele Anspielungen, Metaphern und Weisheiten parat hält, konnte sie mich emotional nicht so berühren wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, was ich aber nicht als Manko empfinde, da eben jeder durch seine persönliche Situation von anderen Dingen emotional beeindruckt wird.

Hervorheben muss ich noch, dass ich es großartig finde wie John Green Walt Whitmans berühmtes Gedicht „Grashalme“ in die Geschichte einfließen lässt. Das zeigt nur einmal mehr die Komplexität von John Greens Können.

Das Ende von „Margos Spuren“ hat mir gut gefallen. Okay, es war kein „Wow, was für ein Ende!“-Ende, sondern eher ein Ende, das mich zufriedengestellt hat, weil es genau das richtige Maß zwischen offenem Ende und Happy Ende bietet.

Mein Fazit: „Margos Spuren“ lässt sich nur schwer mit John Greens Welterfolg „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ vergleichen. Nichtsdestotrotz beweist der Autor mit diesem Roman einmal mehr sein schriftstellerisches Können und überzeugt mit viel Tiefsinnigkeit, eigenwilligen Charakteren und einem spannenden Roadtrip auf ganzer Linie. Ganz klare Leseempfehlung!

 

bewertung5

Vielen Dank an Lotta von Lottas Bücher für die tolle Leserunde und an die Hanser Literaturverlage für dieses Leseexemplar.

 

Weitere Rezensionen zum Buch:

Buchlabyrinth | Dreaming in Libraries | LeseLust & LeseLiebe | Meine Bücherwelt | Wonderworld of Books | Wortmalerei |

  • Lottas Buecher

    Hallöchen meine liebste Evi,
    da hat dir das Buch aber eindeutig besser gefallen als mir. :/ Ich war leider ein bisschen enttäuscht, weil alles irgendwie so langsam war. ZzZZz.. der Anfang war toll und auch so der Roadtrip dann, aber zwischendrin hätte ich mir mehr Action gewünscht. Mehr Kribbeln oder so.. ach ich weiß auch nicht. :/

    Liebst, Lotta
    PS: Hab dich natürlich verlinkt. 😉