|Rezension| Lügentanz – Ivonne Keller

Mit der Protagonistin auf der Suche nach der Wahrheit…

 

 

Lügentanz - Ivonne Keller Verlag: Knaur
Taschenbuch: 9,99 Euro
Ebook: 9,99 Euro
Erscheinungsdatum: 04.05.2015
464 Seiten
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Worum geht´s?

„Liebst du mich noch?“ Als Michaela Michalsen ihrem Mann David diese Frage stellt, rechnet sie nicht mit einem „Nein“. Oder gar damit, dass er sich von ihr trennen will. Liegt es am Schock über seine Antwort, dass ihr die Erinnerung an ein wichtiges Telefonat fehlt, bei dem es um ihre eigene Tochter ging? Oder kehren die Aussetzer zurück, die sie schon vor zwölf Jahren im Griff hatten? Spielt ihr Mann ein falsches Spiel? Will er sie loswerden? In den Wahnsinn treiben?

 

Cover und Titel

Nachdem ich „Hirngespenster“ – Ivonne Kellers Debütroman – nur aufgrund der Cover-Titel-Kombination gekauft und gelesen habe, ist dem Verlag auch mit „Lügentanz“ wieder gelungen, mich allein aufgrund des Titels und des Covers derart neugierig auf diesen Roman zu machen, dass ich gar nicht anders konnte als ihn zu lesen. „Lügentanz“ impliziert bereits, dass es sich hier nicht seichte Unterhaltungslektüre handelt. Gleichzeitig macht er in Kombination mit diesem wunderschönen Cover deutlich, dass es kein blutrünstiger Thriller ist.

Dieses Covermotiv ist für mich eines der Highlights des Lesejahres 2015- ich liebe die klare, unverschnörkelte Schrift von Autorenname und Titel und natürlich vor allem die Abbildung der Rückansicht eines Mädchens, deren erwachsene Silhouette das Mädchen dezent überlagert. Dies fiel mir allerdings erst nach dem Lesen auf und die tiefgreifende Bedeutung dieses Motivs wird einem auch erst nach dem Lesen klar. Allein für die Optik bekommt dieser Roman auf jeden Fall schon mal volle Punktzahl.

 

Mein Eindruck

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir aufgrund ihres Aufbaus nicht ganz leicht, da die Autorin ihre Handlung auf drei Zeitebenen und zwei Perspektiven verteilt, die aus der 3.Person-Sicht geschildert werden.

Da ist zum einen die Gegenwart, in der die Protagonistin Michaela an ihrem Geburtstag von ihrem Mann zu hören bekommt, dass er sie nicht mehr liebt. Parallel gibt es die Geschichte um die Mitzwanzigerin Lena, wobei beide Frauen sich recht bald kennenlernen und sich so ihre Geschichten miteinander verknüpfen. Zwischendurch gibt es immer wieder (nicht deutlich als solche gekennzeichnete) Rückblenden auf Michaelas und auch auf Lenas Vergangenheit. Als dritte Handlungsebene kommen schließlich noch E-Mails hinzu, die auf ca. einen Monat nach der Gegenwarts-Haupthandlung datiert und von Bea an ihre beste Freundin Michaela gerichtet sind. Diese E-Mails haben mich am meisten verwirrt, da ich sie erst ab ca. 2/3 des Buches irgendwie in die Handlung einordnen konnte. Durch ihren Inhalt bauen sie aber trotzdem zusätzliche Spannung auf, weil man sie eben zunächst nicht einordnen kann und unbedingt weiterlesen will, um hinter den Sinn zu kommen bzw. das große Ganze zu entdecken.

Überhaupt gelingt es Ivonne Keller meisterlich den Leser mit angehaltenem Atem an diese Geschichte zu fesseln. Es sind nicht nur die unterschiedlichen Erzählebenen und -perspektiven, auf denen sich die Spannung begründet, sondern auch die Tatsache, dass man auch als Leser nicht weiß, was Wahrheit, was Lüge und was Einbildung ist.

Ihre Protagonistinnen sind beide sehr komplexe Charaktere, die man nicht von Anfang an durchschauen kann. Obwohl sie nach außen wirken wie die Frau von nebenan oder die Kommilitonin aus der Uni, sind ihre Psychen so komplex und gerade deshalb so interessant. Während Lena sich größtenteils während der Geschichte kaum verändert, der Leser sie jedoch mit jedem kleinen Puzzleteil, das hinzu kommt, besser versteht, entwickelt sich Michaela als Figur in eine ganz andere Richtung als sich zu Beginn vermuten lässt.

Ebenfalls hervorhebenswert ist Ivonne Kellers Schreibstil, der zwar bildhaft, aber nicht ausschweifend ist und durch viele Dialoge eine authentische Handlung erzeugt, die durch ein wirklich gutes Ende abgeschlossen wird, das gerade so viel verrät, dass die Neugier des Lesers befriedigt wird, andererseits so viel offen lässt, dass man auch noch einen zweiten Teil ergänzen könnte. Ich hätte nichts dagegen 🙂

 

Mein Fazit: „Lügentanz“ punktet durch eine sowohl originelle als auch unheimlich authentische Story, bei der man durch einen ungewöhnlichen Aufbau und einem flüssigen Schreibstil die Protagonistin nur allzu gern auf der Suche nach der Wahrheit in diesem riesigen Lügenmeer begleitet. Für mich ist Ivonne Keller eine Garantin für spannende, ungewöhnliche Geschichten mit viel psychologischer Raffinesse. Ganz klare Leseempfehlung!

bewertung5

Vielen Dank an Droemer Knaur für dieses Rezensionsexemplar.

 

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