|Rezension| Liebe ist was für Idioten. Wie mich. – Sabine Schoder

Dieser Roman ist etwas für Idioten. Wie mich.

 

Liebe ist was für IdiotenVerlag: Fischer
Taschenbuch: 12,99 Euro
Ebook: 9,99 Euro
Erscheinungsdatum: 23.07.2015
352 Seiten
Kaufen? Taschenbuch oder Ebook
„>Soll ich verschwinden?< >Nein! Ich mache mir Gedanken um dich. Du Idiot.< Die Ergänzung am Schluss lockt ein Lächeln aus ihm hervor. >Haben wir die Kosenamen übersprungen und sind schon bei den Beleidigungen?< >Wir haben Kino und Popcorn auch übersprungen.>“ (S. 103f.)

 

Worum geht´s?

Optimistisch gesehen ist Vikis Leben eine Vollkatastrophe. Da kann man schon mal aus Frust ein paar Tüten zu viel rauchen. Da kann es auch passieren, dass man nach einem Konzert mit dem Sänger der Band im Bett landet, obwohl man den eigentlich total bescheuert findet.

Wirklich.
Kein großes Ding.
So was passiert.
Aber ausgerechnet ihr?
Nein!
Ganz.
Sicher.
Nicht.

Oder vielleicht doch?

 

Cover und Titel

Bei diesem Jugendbuch hat mich der unglaublich originelle Titel, der in bunten Lettern auf dem Cover prangt, sofort angesprochen. Ich musste ganz automatisch lächeln, weil ich mich sofort angesprochen fühlte. Dieses Gefühl hält übrigens während der gesamten Lesezeit des Romans an.

Dass die Protagonistin Viki im unteren Bildrand auf den letzten vier Buchstaben liegt, fiel mir erst jetzt bei genauerer Betrachtung des Covers auf. Ich finde, sie wirkt ein bisschen älter als ich sie mir vorgestellt habe, aber es gibt wahrlich Schlimmeres. Insgesamt halte ich sowohl Cover als auch Titel für überaus gelungen.

 

Mein Eindruck

Erwartet habe ich bei diesem Cover und Klappentext einen humorvollen Liebes-Jugendroman. Bereits nach dem Prolog war klar: Dieses Buch ist viel mehr als ein klassischer seichter Jugendroman. Selten habe ich einen derart gelungenen Prolog gelesen, der den Leser die Augen aufreißen lässt und ihn zwingt erst einmal tief durchzuatmen bevor man in die eigentliche Geschichte einsteigt.

Sabine Schoders Protagonistin Viki – eine nur schwarze Klamotten tragende Elftklässlerin mit schwierigem familiären Background -, aus deren Perspektive erzählt wird, strotzt förmlich vor Selbstironie und Sarkasmus, weshalb sie mir nicht nur von Beginn an ständig ein Schmunzeln entlockte, sondern vor allem auch extrem sympathisch gemacht hat. Auch der verbale – sehr originelle – Schlagabtausch mit Jay, eben jenem im Klappentext erwähnten Leadsänger der Band, bringt den Leser ständig zum Lachen.

Und trotzdem ist dieser Roman eben kein leichter, witziger Jugendroman, da die Autorin ihn durch pointierte dramatische Szenen ebenso viel Ernsthaftigkeit verleiht. Teilweise bleibt einem durch heftige Umschwünge im Geschehen das Lachen beinahe im Halse stecken.  Aber gerade diese Mischung aus humorvollen und spannungsgeladenen, bewegenden Szenen macht „Liebe ist was für Idioten. Wie mich.“ aus.

Obwohl Sabine Schoder auch manches Klischee bedient (der Sänger einer Rockband ist unglaublich gutaussehend und interessiert sich für das graue oder in dem Fall schwarze Mäuschen), lässt sich ihr das leicht verzeihen, da sie schwierige Themen wie Drogenkonsum und Tod mit so viel Sensibilität und Tiefe verarbeitet, dass ihre stereotypen Charaktere die Geschichte etwas auflockern.

Auffällig ist außerdem wie wenig Beachtung dem Setting der Geschichte schenkt: Bis zuletzt weiß man als Leser nicht in welchem Land, geschweige denn in welcher Stadt die Geschichte spielt. Das spielt letztlich aber auch keine Rolle, weil der Fokus des Plots ganz klar auf den zwischenmenschlichen Interaktionen liegt. Damit wird schlicht auf überflüssige Informationen verzichtet, was dazu führt, dass man förmlich durch die Seiten rast und irgendwie traurig ist, dass dieser Roman nicht noch 100 Seiten länger ist.

Mein Fazit: „Liebe ist was für Idioten. Wie mich.“ ist alles andere als eine leichter Jugendroman über die erste Liebe. Vielmehr erzählt Sabine Schoder hier eine Geschichte über Freundschaft, Vertrauen und den Umgang mit dem Tod, die einem sehr nahe geht und der zugleich durch eine große Portion Humor an den richtigen Stellen die Schwere genommen wird. Ganz klare Leseempfehlung!

  • Neahs Bücherstube

    Hey,
    deine Rezension hat mich umso neugieriger auf das Buch gemacht. Ich denke: Jetzte MUSS ich es haben!!!
    Auf jeden Fall ist das eine sehr gelungene Rezension. Mach weiter so.

    Liebe Grüße
    Johanna von http://www.neahsbuecherstube.blogspot.de