|Rezension| Kein Ort ohne dich – Nicholas Sparks

Sparkling!

 

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Verlag: Heyne
Gebundene Ausgabe: 19,99 Euro
Ebook: 8,99 Euro
Erscheinungsdatum: 09.03.2015 (TB)
544 Seiten
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“ ‚Woran denkst du?‘ Er lief ein paar Schritte, bevor er antwortete. ‚An alles Mögliche.‘ ‚Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du dazu neigst, ziemlich unbestimmt zu antworten?‘ ‚Stört dich das?‘, entgegnete er. ‚Weiß ich noch nicht.‘ Sie drückte seine Hand. ‚Ich geb dir dann Bescheid.‘ “ (S. 135)

Worum geht´s?

Nach einem schweren Unfall auf einer einsamen Straße schwebt der 91-jährige Ira zwischen Leben und Tod. In seinen Halluzinationen erscheint ihm seine verstorbene Frau Ruth, und gemeinsam erinnern sie sich an die großen Stationen in ihrem dramatischen, aber auch sehr glücklichen Eheleben. Parallel wird die romantische Liebesgeschichte eines jungen Paares erzählt: Eher gegen ihren Willen hat sich die Studentin Sophia in den sympathischen Rodeoreiter Luke verliebt. Denn wie soll eine gemeinsame Zukunft zwischen einer weltoffenen Kunsthistorikerin und einem provinziellen Rancher funktionieren, der auf wilden Bullen reitend Kopf und Kragen riskiert? Doch dann treffen die Liebenden der unterschiedlichen Generationen an einem schicksalhaften Tag aufeinander, und plötzlich gibt es neue Hoffnung…

 

Cover und Titel

Titel und Cover des neuesten Romans von Sparks sind typisch für Romane des Autors. Das Cover ist hübsch, typisch amerikanisch, hat aber nichts mit dem Inhalt zu tun. Gleiches gilt für den Titel. Wenn man mich 3 Monate nachdem ich einen Sparks-Roman gelesen habe, fragt, wie der hieß, kann ich nie eine Antwort geben, weil ich mir die Titel einfach nicht merken kann, da in meinen Ohren jeder gleich klingt: „Kein Ort ohne dich“, „Mein Weg zu dir“, „Das Leuchten der Stille“ etc. – alles schöne Titel, aber eben ohne Bezug zum Inhalt, weshalb ich sie mir einfach nicht merken kann. Der Originaltitel „The longest ride“ passt durch seine Doppeldeutigkeit viel besser zum Inhalt, da er sich auf beide Erzählungen im Roman beziehen lässt. Ich sehe allerdings ein, dass eine deutsche Übersetzung („Der längste Ritt“ bzw. „Die längste Fahrt“) ein wirklich unpassender Titel wäre. Auch das Originalcover ist viel besser auf den Inhalt abgestimmt als das deutsche Cover. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass die abgebildeten Cowboystiefel nicht jede deutsche Leserin (ich unterstelle mal eine vorwiegend weibliche Leserschaft) anspricht.

 

Mein Eindruck

Da ich bisher ausnahmslose alle Romane von Nicholas Sparks gelesen habe, war „Kein Ort ohne dich“ natürlich ein absolutes Muss für mich. Da Ende des Monats die Verfilmung in die deutschen Kinos kommt, wurde es jetzt höchste Zeit sich den 544 Seiten Wälzer vorzunehmen. Ich kann doch schließlich nicht unvorbereitet ins Kino gehen. 🙂
Was mir an diesem Roman, dessen Inhalt in der Kurzbeschreibung schon sehr detailliert zusammengefasst wird, ausgesprochen gut gefallen hat, sind die beiden parallel laufenden Erzählstränge. Aus wechselnden Perspektiven wird einerseits die Lebens- und Liebesgeschichte des 91-Jährigen Iras erzählt, andererseits aus der Sicht von Luke und Sophia deren Kennen- und Liebenlernen. Während des Lesens grübelt man fast bis zum Ende des Romans was die beiden Geschichten eigentlich miteinander zu tun haben. Immer wieder versucht man Querverweise zu entdecken – aber Fehlanzeige. Sparks gelingt es dadurch meisterlich die Spannung aufrecht zu erhalten. Der Spannungsbogen wird aber nicht nur aufgrund dieses unergeklärten Zusammenhangs aufrechterhalten, sondern auch innerhalb der Geschichten. Während man bei Luke und Sophia neugierig ist, ob ihre Liebe trotz ihrer so unterschiedlichen Lebensentwürfe eine Chance hat, ist es bei Ira eher die Sorge, ob er den Autounfall überlebt.
Nicholas Sparks‘ Schreibstil ist gewohnt unaufgeregt und doch fesselnd. Was genau ihn ausmacht, lässt sich schwer in Worte fassen. Er ist weder besonders gefühlsbetont, noch besonders nüchtern. Unaufgeregt trifft es wohl am besten. Die Dialoge sind zum Teil humorvoll, zum Teil schon fast kitschig – es ist einfach eine abwechslungsreiche Mischung, die Nicholas Sparks Romane so lesenswert machen.
Erwähnt werden muss noch die sehr gute Recherchearbeit, die Sparks wohl im Vorfeld von „Kein Ort ohne dich“ geleistet hat: die zwei großen Themen Bullenreiten und Kunst, die in diesem roman eine große Rolle spielen, werden sehr explizit und authentisch beschrieben (soweit ich das als Bullenreiten- und Kunstbanause beurteilen kann).
Wirklich überraschend war für mich das Ende. Auch wenn man im Groben ahnen kann inwieweit sich beide Erzählstränge zum Schluss miteinander verbinden, habe ich dieses Ende, mit dem Sparks wirklich ein Coup gelandet hat, nicht vorausgesehen. Klar, es ist vielleicht alles ein bisschen zu dick aufgetragen, aber nichtsdestotrotz nicht vorhersehbar und darauf kommt es meines Erachtens an.
Einen kleinen Kritikpunkt gibt es trotzdem noch: Sparks hat es mit einigen Vorgängerromanen wie „Mein Weg zu dir“ oder „Wie ein einziger Tag“ geschafft mich zu Tränen zu rühren. Diese blieben bei „Kein Ort ohne dich“ aus, weshalb ich insgesamt auch ein Pünktchen abziehen muss.
Mein Fazit: „Kein Ort ohne dich“ ist ein typischer Sparks- ein Wohlfühl-Liebesroman, den man aufgrund des angenehmen Schreibstils des Autors trotz seiner 544 Seiten in kürzester Zeit verschlingt und mit einem zufriedenen Seufzen den Buchdeckel zuklappt. Das Besondere an diesem Plot sind die beiden parallel verlaufenden Erzählstränge, die zusätzlich Spannung aufbauen. Nun freue ich mich sehr auf die Verfilmung.

Bewertung4

Vielen Dank an den Heyne Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

  • Lottas Buecher

    Hallöchen meine herzallerliebste Evi,
    und tata da ist auch schon die Antwort auf meine Frage wie dir das Buch gefallen hat. 😀 Verrückt!
    Ich habe ja als das Buch rauskam versucht das Hörbuch zu hören, aber ich konnte dem Sprecher einfach nicht zuhören. Der hat so geschmatzt beim Reden. Es hat mich wahnsinnig gemacht! Oo

    Ich habe mir damals vorgenommen das Buch zu lesen und habe es bisher nicht gemacht, will es aber vor Kinostart eigentlich schon noch gerne nachholen. Wobei ich es schon bei mehreren Sparks Büchern andersrum gemacht habe. Erst Film dann Buch. Hat mir bisher immer gefallen. 🙂
    Mal sehen wie rum, aber nach deiner Rezension wird wohl kein Weg daran vorbeiführen das Buch zu lesen. :*

    Liebst, Lotta