|Rezension| Wir können alles sein, Baby – Julia Engelmann

Hat mich nicht so berührt wie „Eines Tages, Baby“…

 

Wir können alles sein, BabyVerlag: Goldmann
Taschenbuch: 7,00 Euro
Ebook: 5,99 Euro
Erscheinungsdatum: 19.10.2015
94 Seiten
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„Für dich bin ich nur ein Freibad,

das täglich für dich Zeit hat.

Für mich bist du heimlich Heimat,

ohne dich bin ich so einsam,

noch mehr als vor deiner Zeit.“

(S. 54)

Worum geht´s?

Mit »One Day« gelang Julia Engelmann ein sensationeller Poetry-Slam-Erfolg, der als Internetphänomen Millionen begeisterte und auch als Buch zum Bestseller wurde. Ihr ganz eigener Sound und ihre ganz eigene Sprache sind es, die die Herzen so berühren. In ihrem neuen Buch stellt sie erneut eine stimmungsvolle Playlist poetischer Texte über Träume und Liebe zusammen, über Wünsche und Freisein, aber auch über Loslassen und Traurigkeit. Julia Engelmann schreibt einfühlsam und bewegend davon, dass wir das Leben nicht verschlafen sollen, sondern was verändern, die Welt auf den Kopf stellen, ja, einfach mal Handstand machen – alles, was es braucht, ist ein bisschen Mut. Denn »wir können alles sein, Baby«!

 

Cover und Titel

Mit dem Cover haben sich Verlag und Autorin am ersten Band der Poetry Slam-Texte „Eines Tages, Baby“ orientiert, wodurch beide Büchlein ein wunderbares Duo im Bücherregal darstellen. Auch hier ziert wieder eine süße Strichmännchen-Zeichnung der Autorin das Cover, in dessen Mittelpunkt der Titel, der wiederum die Überschrift einer ihrer Poetry Slam Texte ist, steht. „Wir können alles sein, Baby“ passt damit wiederum hervorragend zu Julia Engelmanns Debüt „Eines Tages, Baby“.

 

Mein Eindruck

Nachdem ich von Julia Engelmanns Erfolgs-Slam „Eines Tages, Baby“ förmlich hingerissen war und mich auch das gleichnamige Büchlein mit noch mehr solcher wundervollen Texte begeistern konnte, kam ich an „Wir können alles sein, Baby“ natürlich nicht vorbei.
Auch hier schreibt Julia Engelmann wieder über die Gedanken und Sorgen einer Mitt-Zwanziger-Generation: über die Liebe, das Erwachsenewerden, darüber seinen eigenen Weg zu finden. Während ich beim ersten Buch nach jedem Gedicht gedacht habe „Ja, genau! Ja, du sagst es!“, dachte ich nun häufig beim Lesen „Ja, ist doch okay. Wir haben es verstanden.“ Auch wenn ihre Texte immer noch viele interessante Gedanken beinhalten, fühlte ich mich von ihnen teilweise eher belehrt, nicht unterhalten. Ich hatte öfter den Eindruck, dass die Autorin sich mit ihren Texten im Kreis trägt und der Gedanke „Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst“ immer wieder präsent war. Gerade die Vielfältigkeit und Authentizität ihrer ersten Texte habe ich bei „Wir können alles sein, Baby“ vermisst.

 

Nichtsdestotrotz verpackt die Slammerin ihre Themen in unbestritten schöne, kreative Zeilen und allein für dieses Talent Worte derart poetisch wiederzugeben, verdient sie den allergrößten Respekt und Anerkennung. Trotzdem ist der Funke bei mir dieses Mal leider nicht immer übergesprungen, auch wenn Texte wie „Achillesvers“, der schon bei der Titelgebung bezeugt wie unglaublich kreativ Julia Engelmann ist, mich sehr berührt haben. Vielleicht ist hier auch der berühmte „Schluss-Mach“-Spruch: „Es liegt nicht an dir, es liegt an mir.“ angebracht. Möglicherweise sind die Texte genauso gut wie im ersten Band, nur fühle ich mich aufgrund meiner persönlichen Umstände nicht mehr angesprochen, weil ich dieser Generation nicht mehr angehöre.

 

Mein Fazit: Julia Engelmann schreibt in „Wir können alles sein, Baby“ wie auch schon in ihrem Debüt über Liebe, über das Erwachsenwerden, sich treu zu bleiben und seine Ziele zu verfolgen über Wünsche, Träume und den richtigen Moment und beweist einmal mehr ihr Talent mit Worten umzugehen. Insgesamt haben mich die Texte allerdings nicht so berührt wie in „Eines Tages, Baby“ und der teilweise fast belehrende Tenor war mir an manchen Stellen zu hervorstechend. Aber allein für Slam-Texte wie „Achillesvers“ hat es sich gelohnt, dieses Buch zu lesen.

 

Bewertung3

 

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