|Rezension| Ich wollte immer nur dich – Anne Wiegner

Spannende Story mit enttäuschendem Ende

 

 

51D9zBX0rjLVerlag: Forever
Ebook: 3,99 Euro
Erscheinungsdatum: 06.03.2015
430 Seiten
Kaufen? Verlag 

 

 

„Es ist ein seltsames Phänomen mit den Erinnerungen. Sie zerfallen in Bruchstücke und die Zeit sortiert sie aus. Zurück bleiben nur die goldglänzenden, die hin und wieder durch die dicken Schichten der folgende Jahre blitzen und von denen man glaubt, wenn man sie weider freigelegt hat, sie ergäben das vollständige Bild.“ “ (S.643f.)

 

Worum geht´s?

Johannas Leben ist zum Stillstand gekommen: Job, Familie, Beziehung – alles Routine, keine Höhen, keine Tiefen, nur glattpoliertes Gleichmaß. Sie ist Mitte vierzig, abgeklärt und hält Träumen für reine Zeitverschwendung. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Ihr Mann verlässt sie und sie macht sich auf die Suche nach ihrer Jugendliebe, dem charismatischen Paul, der bereits vor zwanzig Jahren ihr Leben gründlich durcheinander gewirbelt hat. Schon bei ihrem ersten Treffen ist alles wieder da: dieser unerklärliche Zauber der Studententage, die Anziehung, das Verlangen. Kopfüber stürzt sich Johanna in ein leidenschaftliches Abenteuer, in dem sie nachholt, was sie in den Jahren ihrer Ehe versäumt hat. „Alte Liebe rostet nicht“, sagt Paul lachend. „Das klingt nach Happy End“, antwortet Johanna. Vor lauter Glück merkt sie nicht, dass Paul ein Mann voller Geheimnisse ist und trifft eine folgenschwere Entscheidung …

Cover und Titel

Der Titel „Ich wollte immer nur dich“ hat mich neugierig gemacht, obwohl er schon sehr stark in die Kitsch-Kategorie fällt. Zum Glück hat man diesen durch ein blumiges Cover quasi neutralisiert. Wäre auf dem Cover auch noch ein halbnacktes Paar zu sehen, hätte mich der Roman vermutlich nicht angesprochen. Damit unterscheidet es sich außerdem von vielen anderen Liebesromanen und sticht ins Auge. Der Nachteil an diesem blumigen Cover: Es hat nichts mit dem Inhalt des Romans zu tun.

Aber der Klappentext verspricht eine spannende Liebesgeschichte, die sich von dem üblichen „Kriegen sie sich am Ende oder nicht?“ unterscheidet.

 

Mein Eindruck

Der Titel „Ich wollte immer nur dich“ hatte mich in Verbindung mit dem Klappentext neugierig gemacht. Als mein E-Reader dann 750 zu lesende Seiten anzeigte, war ich kurzzeitig etwas demotiviert- zumal auf der Verlagsseite doch von 430 Seiten die Rede war. Trotzdem habe ich mich auf das Buch eingelassen, was mir vor allem dadurch leicht fiel, dass die Protagonistin Johanna von Anfang an sehr authentisch und keinesfalls konstruiert wirkte. Als Leser hatte man das Gefühl eine Freundin auf ihrem Weg zu begleiten – der Roman wirkte fast biografisch und nie wie eine fiktive Geschichte. Überhaupt legt die Autorin Anne Wiegner den Fokus auf Johannes Gefühlswelt und eher weniger auf die Handlung an sich. Das macht es leicht, sich in sie hineinzuversetzen. Pauls Charakter ist weniger durchsichtig, aber dafür sehr spannend konstruiert – er ist kein „Allerweltsmann“, sondern eine Persönlichkeit, die es erst zu durchschauen gilt.
Unterteilt ist der Roman in drei Teile, die jeweils in einzelne kürzere Kapitel untergliedert sind. Überwiegend wird dabei über Johanna erzählt, wobei es etwa ab der Mitte des Buches die Geschichte gelegentlich auch andere Personen für einzelne Kapitel im Fokus stehen. Lobend erwähnen muss ich an dieser Stelle, dass die Autorin sich bei der Erzählform gegen die Ich-Perspektive entschieden hat. Vielmehr schreibt sie in der 3. Person, was meines Erachtens das Niveau eines Romans leicht anhebt. Ihr Schreibstil ist angenehm, sehr detailliert, nicht überfordernd, wobei manche Formulierungen ein bisschen zu bemüht bzw. kitschig wirken. Aber insgesamt hatte ich einen sehr positiven Eindruck von Anne Wiegners Art zu Schreiben – sonst hätte ich sicher auch keine 750 Seiten gelesen.
Interessant ist außerdem, dass die Geschichte so konstruiert ist, dass der Leser mehr weiß als die Protagonistin. Man könnte also vermuten, dass man auch den Ausgang der Geschichte eher vorausahnt als Johanna. Der Autorin gelingt es aber gut, die Spannung dennoch bis zuletzt aufrecht zu erhalten, auch wenn die vielen Nebenstränge der Handlung manchmal ein bisschen ermüdend waren. Und dann kommt das Ende und ich starrte auf die letzte Seite und dachte mir „Was? Das war alles? 750 Seiten für DAS?“. Meine Enttäuschung über dieses unspektakuläre Ende war wirklich groß, denn nachdem Anne Wiegner so einen ausufernden Plot abgeliefert hat, habe ich mir wirklich ein anderes Ende erhofft.
Mein Fazit: „Ich wollte immer nur dich“ unterscheidet sich von vielen anderen Liebesromanen durch eine originelle Geschichte, die viel Potential bietet. Anne Wiegners Stärke liegt in der Darstellung einer authentischen Protagonistin, die man gern auf ihren Liebesirrungen und -wirrungen begleitet. Hauptkritikpunkte sind die vielen Nebenschauplätze der Handlung sowie ein für meinen Geschmack unbefriedigendes Ende. „Ich wollte immer nur dich“ ist ein unterhaltsamer Liebesroman aus der Kategorie „Kann man lesen. Muss man aber nicht.“.

Bewertung3

Vielen Dank an Anne Wiegner und Forever by Ullstein für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

 

  • Lottas Buecher

    Hallöchen liebste Evi,
    hm.. das ist schade, dass das Buch nicht so überzeugend war. :/ Aber ich glaube mir wäre das dann auch zu lang, wenn so viele Nebenschauplätze und so etwas drin sind, ist es ja kein Wunder, dass das Buch über 400 Seiten hat.. Wenn dazu dann auch noch ein nicht so prickelndes Ende kommt.. Nein. Dieses Buch werde ich ganz sicher nicht lesen. Danke fürs davor bewahren. ^^

    Liebst, Lotta