|Rezension| Ich lass dich nicht los – Madeleine Reiss

Ein wirklich guter Pageturner!

 

 

51152D8xp5LVerlag: Goldmann
Übersetzung: Karin Diemerling
Originaltitel: Someone to watch over me
Taschenbuch: 9,99 Euro
Ebook: 8,99 Euro
Erscheinungsdatum: 20.07.2015
352 Seiten
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Worum geht´s?

„Ich hab dich lieb, jeden und jeden Tag.“ Unzählige Male hat Carrie diesen Satz zu ihrem fünfjährigen Sohn Charlie gesagt, so auch an jenem Sommertag an der Küste von Norfolk, als ein langer Schatten auf ihr Leben fiel: Sie hatte nur für einen Moment die Augen geschlossen, und als sie sie wieder aufschlug, war Charlie fort. Auch drei Jahre später bestimmt dieses traumatische Ereignis noch Carries Leben, als sie zufällig die alleinerziehende Mutter Molly kennenlernt. Doch noch können die beiden Frauen nicht ahnen, dass an jenem Tag am Strand eine Verbindung entstanden ist, die ihrer beider Schicksal bestimmen wird …

 

Cover und Titel

„Ich lass dich nicht los“ ist ein Roman, der mir durch sein schönes Cover sofort ins Auge gestochen ist. Der abgebildete Titel im Vordergrund und passend daszu der in einem Glas gefangene Schmetterling im Hintergrund, das von Männer(?)-Händen verschlossen gehalten wird, vermitteln gleich den Eindruck eines Spannungsromans. Da man allein vom Titel auch auf einen seichten Liebesroman schließen könnte, macht der Goldmann Verlag mit diesem Cover deutlich, dass es sich bei „Ich lass dich nicht los“ nicht um eine Wohlfühl-Romanze handelt. Besonders gut gefällt mir auch die grüne Farbgebung von Hintergrund, Autorenname und Titel – da diese drei damit ein schönes Gesamtbild ergeben.

Beim deutschen Titel hat man sich nicht am Originaltitel „Someone to watch over me“ orientiert, was diesem Roman meines Erachtens gut tut, da der Originaltitel noch mehr vom Inhalt verrät als die deutsche „Übersetzung“. Beide Titel sind zweifelos passend zum Inhalt, aber der deutsche Titel lässt dem Leser noch mehr Raum für eigene Spekulationen, was mir gut gefällt.

 

Mein Eindruck

Nachdem ich hintereinander drei Bücher gelesen habe, die mittelmäßig bis schlecht waren, habe ich mir – recht skeptisch – „Ich lass dich nicht los“ vorgenommen, in der Hoffnung, dass mich dieses Buch vor der Leseflaute bewahrt. Tja, was soll ich sagen? Ich habe es an zwei Abenden durchgelesen – das sagt ja wohl schon einiges aus.

Mittels eines sprachlich sehr ansprechenden Prologs, der nicht viel verrät, aber dennoch die leicht düstere Grundstimmung der Geschichte andeutet, schafft es Madeleine Reiss den Leser schon nach einer Seite neugierig auf den Plot zu machen. Die eigentliche Story hat zwei Handlungsstränge, die nur zunächst nur locker miteinander verbunden sind und am Ende ein großes Ganzes ergeben. Erzählt wird einerseits aus der Perspektive von Carrie, deren fünfjähriger Sohn Charlie bei einem Ausflug zum Strand spurlos verschwindet. Die Autorin schildert die Hilflosigkeit und Verzweiflung einer Mutter in solch einer schrecklichen Situation derart authentisch, dass ich mit den Tränen zu kämpfen hatte. Die Geschichte setzt drei Jahre nach Charlies Verschwinden ein als Carrie versucht beruflich neu durchzustarten und irgendwie mit dieser Ungewissheit was ihrem Sohn wohl zugestoßen ist zu leben.

Der zweite Handlungsstrang wird aus der Perspektive von Molly erzählt – eine alleinerziehende Mutter, die versucht ihrem Sohn Max auch nach der Trennung von desse Vater ein schönes Leben zu ermöglichen. Erscheint zunächst alles harmonisch und unkompliziert, wird recht bald deutlich, dass irgendetwas nicht stimmt, worüber die Autorin den Leser nach und nach mittels Rückblenden aufklärt.

Es ist so schwierig dieses Buch zu beschreiben ohne zu viel vom Inhalt zu verraten, zumal man es nicht eindeutig einem Genre zuordnen kann. Es ist sowohl ein Liebesroman, als auch ein Drama und Thriller mit Mysteryelementen. Allein daran wird deutlich: Der Plot ist originell und allein schon deshalb lesenswert. Er ist durch einen wirklich angenehmen Schreibstil und einen wahnsinnig guten Spannungsbogen, der einen das Buch vor allem im letzten Drittel nicht mehr aus der Hand legen lässt, ein wahrer Pageturner. Vor allem gelingt es Madeleine Reiss den Leser immer wieder durch unvorhersehbare Wendungen oder Enthüllungen zu überraschen, so dass die Geschichte letztlich einen ganz anderen Verlauf nimmt als zu Beginn vermutet und in einem wirklich gelungenen, höchst dramatischen Ende gipfelt.
Mein Fazit: „Ich lass dich nicht los“ ist ein wahnsinnig intensiver Pagerturner, der vor allem durch seinen Genre-Mix und authentische Charaktere überzeugt. Gerade wer nicht der stringente Liebesroman- oder Thrillerleser,  sondern offen für die Vermischung der Genres ist, wird von dieser Story ebenso begeistert sein wie ich. Ein wirklich beeindruckendes Debüt von Madeleine Reiss! Ich kann es kaum erwarten ihren nächsten Roman zu lesen.

 

bewertung5

Vielen Dank an den Goldmann Verlag und das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar.

 

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