|Rezension| Ich kenne dich aus meinen Träumen – Clelie Avit

Originelle, romantische Liebesgeschichte

 

41wm9oCFW-LVerlag: Goldmann
Originaltitel: Je suis là
Übersetzung: Doris Heinemann
Taschenbuch: 8,99 Euro
Ebook: 7,99 Euro
Erscheinungsdatum: 16.05.2016
256 Seiten
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„Ihre Niedergeschlagenheit färbt auf mich ab. Ich bin der reinste Schwamm.“ (S.30)

 

Worum geht´s?

Elsa verspürt keine Kälte mehr, keinen Hunger, keine Angst. Sie liegt im Koma. Doch sie hört alles um sich herum. Hört, dass die Ärzte die Hoffnung aufgegeben haben und die Maschinen, die sie am Leben erhalten, abstellen wollen. Hört, dass sie auch für ihre Freunde und Familie eigentlich schon verschwunden ist. Bis eines Tages Thibault aus Versehen in ihr Zimmer platzt. Er beginnt mit ihr zu sprechen, ohne Antworten zu erwarten. Erzählt ihr von sich und dem Leben. Und er kommt wieder. Jeden Tag, da er sie in ihrem Zimmer besucht, wächst das Gefühl der Verbundenheit zwischen dem fremden Mann und dem schlafenden Mädchen. Denn Thibault sieht etwas, das alle anderen nicht mehr erkennen: Elsa ist noch da.

 

Cover und Titel

„Ich kenne dich aus meinen Träumen“ ist wieder mal einer dieser Romane, die mich auf den ersten Blick sofort angesprochen haben. Lieber Goldmann-Verlag, ihr habt mal wieder alles richtig gemacht 🙂 Ich mag die Farbgebung des Covers, weil sie sich von der üblichen Covergestaltung von Liebesromanen abhebt. Überhaupt ist das romantischste an diesem Cover die Schriftart des Titels – und genau das gefällt mir so. Keine sich küssenden Liebespaare und rote Herzchen, sondern einfach nur der Scherenschnitt eines weiblichen Kopfes – absolut ansprechend.

Der Titel „Ich kenne dich aus meinen Träumen“ ist passend zur Geschichte und lässt schon erahnen, dass man es hier mit einer Liebesgeschichte zu tun hat. Mich hat er spontan angesprochen und neugierig gemacht.

Mein Eindruck

Es gibt kaum etwas, dass ich so beängstigend finde, wie die Vorstellung im Koma zu liegen, alles um sich herum wahrzunehmen, aber sich nicht verständigen zu können. Genau in dieser Lage befindet sich die Protagonisten Elsa. Nach Monaten im Koma erwacht ihr Geist und sie hört wie die Ärzte und ihre Eltern darüber reden, ihre Geräte abzuschalten. Damit schafft Clelie Avit eine unglaublich spannende Ausgangssituation, die auf mich sofort eine unglaubliche Faszination ausübte.

Neben dem Hauptstrang, in dem es um die Annäherung von Elsa und Thibault geht, gibt es auch noch zwei Nebenhandlungen, die die Geschichte einerseits auflockern (Thibaults beste Freunde möchten ihn als Taufpaten für ihre kleine Tochter. Dafür muss er allerdings noch einige Tests überstehen.), andererseits noch mehr Tiefe verleihen (Thibaults Bruder liegt im gleichen Krankenhaus wie Elsa).

Obwohl dieser Roman mit seinen rund 250 Seiten ziemlich kurz ist und man ihm deshalb unterstellen könnte, nur an der Oberfläche zu kratzen, kann ich dies ganz und gar nicht bestätigen. Mit viel Feingefühl, Authentizität, aber auch einer guten Prise Selbstironie lässt die Autorin ihre Protagonisten zu Wort kommen. Man spürt ihre Verzweiflung, die Ausweglosigkeit ihrer Situation, zugleich aber auch ihre Hoffnung, dass Thibault – ein Fremder, der sich zufällig in ihr Krankenzimmer verirrt – spürt, dass Elsa noch da ist.

Die Kapitel wechseln regelmäßig zwischen Thibaults und Elsas Perspektive, was dem Leser nicht nur Abwechslung bietet, sondern vor allem ein Einfühlen in die Charaktere ermöglicht. Zu Elsa hatte ich sofort einen Zugang. Ich mochte ihre Stärke, ihre Selbstironie und wie sie die Menschen in ihrer Umgebung analysierte ohne sie sehen zu können. Thibault ist zwar auch ein sympathischer Charakter, war mir aber stellenweise zu perfekt. Gerade in der Nebenhandlung mit seinem besten Freund und dessen kleiner Tochter war mir das alles ein bisschen too much: ein Mann, der bisher zu Babys keinen Bezug hatte, kümmert sich aufopferungsvoll und mit allen Schikanen ganz allein um ein Baby? Das war für meinen Geschmack etwas unglaubwürdig. In der Beziehung zu seinem Bruder und zu Elsa fand ich Thibault allerdings authentisch und sympathisch.

Das Ende des Romans ist ziemlich offen, was mir persönlich besser gefällt als ein super romantisches happy love Ende. Ich fand es daher sehr gelungen. Außerdem hat mich der insgesamt eher melancholische und ruhige Ton der Geschichte sehr angesprochen.

 

Mein Fazit:
„Ich kenne dich aus meinen Träumen“ ist eine originelle und bewegende Geschichte, in der es weniger um große Gefühle als vielmehr um Hoffnung, Willensstärke und eine nahezu übersinnliche Verbindung zwischen zwei Menschen geht. Damit sind diese 250 Seiten ein schönes Buch für zwischendurch, das ich jedem Leser, der eine positive und hoffnungsvolle Geschichte lesen möchte, empfehlen kann.

 

 Bewertung4

 

 Vielen Dank an den Goldmann Verlag und das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar.

 

Weitere Rezensionen zum Buch:
  • Lotta

    Liebste Evi,
    ich hatte das Buch schon in der Hand und ich war auch kurz davor es zu kaufen (als es erschienen ist so um Pfingsten rum) für #jdtb, aber habs dann doch wieder weggelegt. Als ich dann bei Kitty, die eher negative Rezension dazu gelesen habe, war die Sache für mich eigentlich geritzt.. und jetzt das. Glaubst du, dass das Buch etwas für mich wäre? ^^

    Liebst, Lotta

  • Tatze

    Hey Evi 🙂

    eine tolle Rezension! Ich habe direkt Lust bekommen, das Buch zu kaufen, dabei bin ich mir gar nicht sicher, ob das was für mich ist 😀

    Liebste Grüße,
    Tati

    • booksinmyworld

      Hey liebe Tati,

      oh, das freut mich aber sehr. So soll’s sein. Hihi. Es ist wirklich ein schönes Buch zum Träumen.

      Ganz liebe Grüße
      Evi