|Rezension| Ewig und eins – Adriana Popescu

Leider kein ewiges Leseerlebnis, dafür ein einzigartiges!

 

 

91NU60qyWOLVerlag: Piper
Taschenbuch: 9,99 Euro
Ebook: 8,99 Euro
Erscheinungsdatum: 11.05.2015
320 Seiten
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„Wenn ich etwas in den letzten Jahren gelernt habe, dann ist es das: Es gibt für das Leben kein Drehbuch. Nieamnd schreibt uns Happy Ends, niemand erlöst uns aus einer unangenehmen Situation mit dem Auftritt eines geliebten Protagonisten, niemand passt auf uns auf – und alles ist möglich. Vor allem das Unglück. Es ist sogar wahrscheinlicher.“ (S. 37)

 

 

Worum geht´s?

Die erste große Liebe vergisst man nie … Sie dachten, ihre Freundschaft wäre für immer. Doch dann kam das Leben. Nach sieben Jahren Funkstille sehen sich Ben, Jasper und Ella auf einem Klassentreffen wieder. Als die Feierlichkeiten zu Ende gehen, beschließen die drei, noch weiter zusammen um die Häuser zu ziehen. Wie damals. Nur für eine Nacht. Doch noch immer sind viele Fragen offen, und je später es wird, desto schneller schlägt Ellas Herz – bis ein paar über die Jahre hinweg gerettete Worte es brechen lassen. Vielleicht für immer.

 

Cover und Titel

Auch wenn ich diesen Roman gelesen hätte, wenn er einen total langweiligen, nichtssagenden Titel tragen würde, einfach weil er aus der Feder einer Autorin stammt, die mich bisher immer mit ihren Büchern begeistern konnte, hat es Adriana Popescu mit diesem Titel geschafft mich noch neugieriger auf das Buch zu machen als ich ohnehin schon war und die Messlatte in Sachen „außergewöhnlich schöner Titel“ mit „Ewig und eins“ verdammt hoch gelegt. Dieser Titel lässt dem Leser einerseits so viel Raum für Spekulationen, andererseits spiegelt er den Inhalt 1:1 wieder.

Was das Cover betrifft – welches zweifellos auch sehr schön ist und in seiner Farbgebung perfekt harmoniert – gibt es meines Erachtens trotzdem noch Luft nach oben. Gerade weil dieser Roman sehr von den darin verarbeiteten starken Symbolen lebt, hätte ich mir gewünscht, diese auf dem Cover wiederzufinden. Klar, die drei posierenden Scherenschnitte verraten dem neugierigen Buchinteressierte sofort, dass es sich um eine Dreier-Geschichte mit einer Frau und zwei Männern handelt. Rückblickend erkennt man als Leser hier eine Szene aus dem Buch wieder.

 

Mein Eindruck

Anders als bei der „Lieblingsmomente“-Reihe ist der Handlungszeitraum in „Ewig und eins“ auf einen Abend bis zum nächsten Morgen beschränkt. Immer wieder bin ich fasziniert wie es Autoren schaffen einen ganzen Roman über eine solch kurze Zeitspanne zu schreiben und eins kann ich vorweg nehmen: Adriana Popescu gelingt das meisterlich! Kein Wort ist zu viel – vielmehr traut man sich gar nicht weiterzulesen, da eben umso schneller das Ende dieser Nacht naht und damit auch das Ende des Romans, wobei diese Geschichte doch am liebsten ewig (und eins) andauern soll.

Zum Verlauf des Plots will ich gar nichts weiter sagen, da man alles was man dazu wissen muss in der Inhaltsbeschreibung erfährt. Vielmehr will ich betonen, was diesen Roman so besonders macht:

  1. Dieser Roman hat die perfekte Humor-Tiefgang-Mischung. Während gerade das erste Drittel der Geschichte mit vielen witziger Szenen und Dialoge gespickt ist, gewinnt die Geschichte zunehmend an Tiefgang ohne dabei ihre grundsätzliche Leichtigkeit einzubüßen.
  2. Adriana Popescu lässt den Leser förmlich durch die Seiten schweben. Das liegt zum einen am Aufbau des Plots: Der Spannungsbogen wird kontinuierlich gespannt. Einerseits will man unbedingt wissen was dazu geführt hat, dass die drei besten Freunde sich nach dem Abi aus den Augen verloren haben, andererseits hat man bis zuletzt keinen blassen Schimmer wie die drei nach dieser einen Nacht auseinandergehen werden.
  3. Gerade Leser in meinem Alter (28) +/- 5 Jahre werden sich in vielen Teilen der Geschichte wiederfinden, sei es allein durch die Erwähnung von Mixtapes, Polaroids oder dem wundervollen Damien Rice.
  4. Auch wenn ich selbst keinen großen Bezug zur Stadt Stuttgart habe, kann ich mir gut vorstellen, dass dieses Buch sich für Stuttgarter Leserinnen (ich unterstelle jetzt einfach mal eine vorwiegend weibliche Leserschaft) anfühlt wie „nach Hause kommen“. Einzelne Orte und Plätze werden so detailliert beschrieben, dass man sie auch als ortsfremder unmittelbar vor Augen hat. Wie muss das erst sein, wenn man diese Orte wirklich kennt?
  5. Dies ist kein herkömmlicher Liebesroman, sondern vielmehr eine Geschichte über die Definition von Freundschaft: Was zeichnet eine Freundschaft aus? Wo liegen die Grenzen zwischen Freundschaft und Liebe? Können Gefühle von einem ins andere übergehen?
  6. Symbole, Symbole, Symbole! Ich habe einfach eine Schwäche für Symbole in der Literatur und auch Adriana Popescu schafft in „Ewig und eins“ ein immer wiederkehrendes Symbol, das auf den Titel rekurriert (bzw. umgedreht), das sich förmlich in meinen Kopf gebrannt hat und ich nun wohl ewig (!) mit diesem Roman in Verbindung bringen werden.
  7. Das Ende der Geschichte ist einerseits für Leser, die offene Enden nicht mögen, befriedigend, lässt aber andererseits auch noch Raum die eigenen Vorstellungen zu entfalten. Für mich war es perfekt!
  8. Ein Wort, das man eigentlich zur Beschreibung jedes Aspekts dieses Romans verwenden müsste, ist Authentizität. Diese ist meines Erachtens die größte Stärke von Adriana Popescu. Als Leser nimmt man ihr jede Figur, jedes Wort, jede Geste und jeden Schauplatz sofort ab ohne auch nur im geringsten zu hinterfragen, ob es sich hier um eine fiktive Geschichte handelt. Ihre Protagonisten werden zu Freunden, mit denen man liebt, leidet und lacht.

 

Mein Fazit: „Ewig und eins“ ist ein absolute Leseempfehlung für Stuttgarter, Mittzwanziger, Lebenskünstler, Zweifler, Adriana Popescu Anhänger und eigentlich für absolut jeden, der eine mitreißende Geschichte über das Erwachsenwerden, unerfüllte Träume und verschwommene Grenzen von Liebe und Freundschaft lesen möchte.
P.S. Es sind nicht ohne Grund genau 8 Punkte, die diesen Roman in meinen Augen einzigartig machen 😉

bewertung5

Vielen Dank an den Piper Verlag und die Autorin für dieses wunderbare Buch, das ich signiert auf der Loveletter Convention erhalten habe.

 

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