|Rezension| Eigentlich Liebe – Anne Sonntag

Bisher liebte ich eigentlich nur den Freytag – jetzt auch Sonntag!

 

Eigentlich Liebe - Anne Sonntag

copyright: Piper Verlag

Verlag: Piper
Taschenbuch: 8,99 Euro
Ebook: 7,99 Euro
Erscheinungsdatum: 13.10.2014
288 Seiten
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„Ich kann keine klaren Entscheidungen treffen, geschweige denn harte. (…) Ich stecke den Kopf lieber in den Sand und packe mich in weiche Watte, statt den Schmerz der Konsequenzen zu riskieren. Als wäre das ein geschickter Schachzug, als hätte ich der Entscheidung damit ein Schnippchen geschlagen. Klar, ich will das Leben, aber eben ohne den Schmerz, ohne die Tränen. Deswegen entscheide ich meistens lieber gar nicht. Gelitten habe ich trotzdem, gelebt allerdings nur bis zum dritten Gang, weil ich zu mehr einfach nicht den Mut hatte.“ (S. 201)

Worum geht´s?

Verliebt, verlobt, verheiratet? Nicht bei den drei Freundinnen Hanna, Clara und Vero. Als wäre unglücklich, verlassen und betrogen nicht schon schlimm genug, steht auch noch eine Traumhochzeit an, bei der sie weder Braut noch Brautjungfern sind. Spannend wird es allerdings beim Blick auf die Gäste­liste, denn einige äußerst attraktive Männer sorgen für jede Menge Herzklopfen und absolutes Gefühlschaos – und am Ende stellt sich eigentlich nur noch die Frage: Wer gehört hier eigentlich zu wem?

 

Cover und Titel

Cover und Titel lösen bei diesem Buch zwiespältige Gefühle in mir aus. Den Titel „Eigentlich Liebe“ finde ich eigentlich ganz schön, wenn auch für sich allein stehend nicht besonders aussagekräftig. Hat man den Roman gelesen und kann so den Bezug zum Inhalt herstellen, stellt man fest: es hätte kein anderer Titel sein dürfen.

Aber das Cover… (Anne verzeih mir!) Nun ja… Ich finde es viel zu klischeehaft und noch dazu unpassend zum Inhalt. Die Darstellung des Titels im pinkfarbenen Kreis halte ich ja noch für gelungen: die Schriftart ist toll und der pinkfarbene Kreis sticht sofort ins Auge. Aber das Paar auf dem Cover- was soll das darstellen? Okay, von der schicken Kleidung und dem Ring am Finger der Frau könnte man auf das Hochzeitspaar schließen, aber das spielt in der Geschichte eigentlich keine bedeutende Rolle. Gerade weil es in dem Roman um drei Freundinnen geht (von denen im Übrigen keine die abgebildete Dame sein könnte), hätte ich es schön gefunden, wenn der Verlag versucht hätte, dies in irgendeiner Form abzubilden. Aber so wie das Cover jetzt ist, erinnert es mich eher an einen sehr klischeebeladenen seichten Liebesroman.

 

Mein Eindruck

Obwohl ich ein wirklich großer Fan von Anne Freytag bin, die sich hinter dem Pseudonym Anne Sonntag versteckt, war ich doch – abgeschreckt von dem Cover – ein bisschen skeptisch, ob dieser Roman wirklich etwas für mich ist. Vielleicht mag ich ja nur Frau Freytag und nicht Frau Sonntag. Trotzdem war klar, dass ich „Eigentlich Liebe“ einfach lesen musste, allein weil ich den Sprachstil der Autorin einfach liebe.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive der drei Freundinnen Hanna, Vero und Clara erzählt, was einerseits dazu führt, dass man sich in alle drei Figuren gleichermaßen hineinversetzen kann, andererseits den Spannungsbogen erhöht, weil die Autorin eigentlich an jedem Kapitelende einen kleinen Cliffhanger einbaut, der den Leser dazu nötigt, die Seiten geradezu zu verschlingen. Obwohl ich meist überfordert bin, mir Namen zu merken, gelang es mir hier schon nach den ersten drei Kapiteln, die drei Mädels zu unterscheiden, weil die Autorin ihnen sehr authentische und zugleich besondere Charaktere verleiht.
Was dieses Buch zu etwas besonderem macht, ist nicht die Geschichte an sich, die (eben typisch für einen Liebesroman) ziemlich vorhersehbar ist. Es sind vielmehr die unterschiedlichen Charaktere der Freundinnen: Die drei sind grundverschieden, stehen an unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben (Single, in einer Beziehung, frisch betrogen) und haben doch eines gemeinsam: Durch die Begegnung mit einem bis dato unbekannten Mann (drei unterschiedliche Männer) beginnen sie ihr bisheriges Leben zu hinterfragen und sind dabei nicht immer ehrlich zueinander und vor allem zu sich selbst, was ein großes Hochzeits- und Gefühlschaos zur Folge hat. Mir persönlich hatte es ja Vero am meisten angetan- ich konnte mit ihr am meisten mitfühlen, wobei auch die anderen beiden viel Potential zum „in sie Hineinversetzen“ boten.
Typisch für die Autorin würzt sie diese Geschichte mit einem intelligenten Humor, prickelnder Erotik und großen Gefühlen und macht „Eigentlich Liebe“ so zu einem unterhaltsamen Frauenroman, den man ohne Weiteres in einer Nacht verschlingen kann. Ich tue mich schwer diesen Roman in die Kategorie „Chick Lit“ einzuordnen, auch wenn er äußerlich vermutlich dort hineingehört. Aber verglichen mit anderen Romanen dieses Genres, ist „Eigentlich Liebe“ doch eigentlich viel mehr als ein Chick Lit-Roman.
Mein Fazit: „Eigentlich Liebe“ ist eine fesselnde, romantische, witzige und gefühlvolle Liebesgeschichte, die sich zum einen durch die ausdrucksstarken Charaktere, zum anderen durch die parallele Erzählung von gleich drei Lovestorys von den üblichen Liebesromanen abhebt. Bisher liebte ich eigentlich nur den Freytag – jetzt auch Sonntag! Danke, Anne!

bewertung5

Ein herzliches Dankeschön an Piper  für dieses Rezensionsexemplar!

  • Lottas Buecher

    Hallöchen Schwesterherz,
    was für ein grandioses Schlusswort. 😀 Du bist ja ein wahrer Wortakrobat oder wie sagt man?
    Ich bin eigentlich ganz deiner Meinung. Es war ein wirklich tolles Buch, aber es haben mir ein paar Überraschungsmomente gefehlt. Es war toll zu lesen, aber leider ein bisschen vorhersehbar. Trotzdem würde auch ich das Buch jedem empfehlen, der gerne Frauenromane liest. 😀
    Es ist einfach ein Must read für dieses Genre.
    Liebst, Lotta