|Rezension| Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt – Nicola Yoon

Ein besonderer Jugendroman, den man nicht vergisst!

 

Du neben mirVerlag: Dressler
Originaltitel: „Everything, Everything“
Übersetzung: Simone Wiemken
Gebundene Ausgabe: 16,99 Euro
Ebook: 13,99 Euro
Erscheinungsdatum: 17.09.2015
336 Seiten
„Manchmal lese ich meine Lieblingsbücher von hinten nach vorne. Ich fande mit dem letzten Kapitel an und lese rückwärts, bis ich beim ersten angekommen bin. Wenn man verkehrt herum liest, wechseln die Charaktere von Hoffnung zu Verzweiflung, von Selbsterkenntnis zu Selbstzweifeln. Liebesgeschichten beginnen damit, dass Paare Liebende sind und zu Fremden werden. Gestorbene Lieblingsfiguren erwachen wieder zum Leben.
Wenn mein Leben ein Buch wäre, würde sich beim Rückwärtslesen nichts ändern.“ (S. 178)

Worum geht´s?

Am Anfang war ein Traum. Und dann war Leben! Wenn ihr Leben ein Buch wäre, sagt Madeline, würde sich beim Rückwärtslesen nichts ändern: Heute ist genau wie gestern und morgen wird sein wie heute. Denn Madeline hat einen seltenen Immundefekt und ihr Leben lang nicht das Haus verlassen. Doch dann zieht nebenan der gut aussehende Olly ein – und Madeline weiß, sie will alles, das ganze große, echte, lebendige Leben! Und sie ist bereit, dafür alles zu riskieren.

 

Cover und Titel

„Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ ist ein wundervoller Titel, der jeden Liebesroman-Fan sofort neugierig macht – so auch mich. Das Cover an sich hat mich gar nicht angesprochen. Diese vielen kleinen Zeichnungen, in deren Mitte die ersten 3 Worte des Titels prangen, sind für meinen Geschmack einfach zu bunt und nicht aussagekräftig, sofern man den Inhalt des Romans nicht kennt. Hat man die Geschichte zu Ende gelesen, entdeckt man viele Details des Plots in den einzelnen Zeichnungen wieder. Zusammen mit dem Hintergrund, der aus einem linierten Papier besteht, erhält der potentielle Leser bereits einen Hinweis darauf, dass Zeichnungen und Notizen keine unbedeutende Rolle in diesem Roman spielen.

Positiv muss auch noch angemerkt werden, dass sich das Cover an das Originalcover annähert. Es ist ja eher selten, dass bei den deutschen Übersetzungen die Covermotive beibehalten werden. Der Originaltitel „Everything, everything“ wurde komplett verworfen, vermutlich weil eine 1:1 Übersetzung einfach ein ungünstiger Titel wäre. Mit „Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ ist dem Dressler Verlag aber ein hervorragender deutscher Titel gelungen.

 

Mein Eindruck

Auch wenn mich das Cover dieses Buches gar nicht angesprochen hat, haben der Titel und der Klappentext es um so mehr. Ganz anders als das bunte Cover es vermuten lässt, erwartet den Leser mit Nicola Yoons Debüt eine emotionale und mitreißende Geschichte über die erste Liebe, die sich nicht nur durch starke Protagonisten sondern vor allem durch originelle Zeichnungen auszeichnet.

Die Gestaltung dieses Romans muss an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden: In regelmäßigen Abständen ergänzen wundervolle, teilweise wirklich witzige Skizzen die Erzählung, die – wie man aus der Danksagung erfährt – aus der Feder von Nicola Yoons Mann stammen. Ich habe tatsächlich noch nie einen Roman gelesen, der durch derart treffende Zeichnungen so wunderschön gestaltet ist. Außerdem wird der Fließtext auch durch E-Mail-Protokolle und Tagebucheinträge ergänzt, die die Authentizität der Geschichte zusätzlich unterstützen.

Der Einstieg in die Geschichte gelingt vor allem durch den angenehmen Schreibstil der Autorin und eine interessante Protagonistin mühelos. Ich war sofort gefangen von Madeline, aus deren Sicht erzählt wird, und den Umständen ihres eintönigen Lebens, das sie aufgrund einer Krankheit seit 18 Jahren in ihrem Zimmer verbringt. Durch ihre Liebe zu Büchern, die immer wieder thematisiert wird, fühlte sich der Büchernerd in mir sofort zu Hause.

Der Verlauf der Geschichte ist an sich nicht besonders originell: Madeline lernt ihren neuen Nachbarn Olly kennen, es knistert gewaltig, aber Madelines Krankheit steht ihrem Glück im Weg. Das Ende wiederum kam für mich sehr überraschend – auch wenn ich in einigen anderen Rezensionen gelesen habe, dass es mehr als vorhersehbar war. Ich habe es nicht vorhergesehen und finde es deshalb sehr gelungen. Den vom Verlagsmarketing angestellten Vergleich des Romans mit den Geschichten von John Green und Jojo Moyes halte ich dennoch für etwas gewagt, da vor allem John Green bezüglich Emotinalität und sprachlichem Anspruch nochmal eine andere Messlatte ist.

Was schade ist: Durch die Zeichnungen, Protokolle, etc. rast man derart durch die 350 Seiten, dass das Lesevergnügen leider nur ein sehr kurzes ist. 50-100 Seiten mehr Inhalt hätten der Geschichte definitiv nicht geschadet.

Mein Fazit: Ob nun vorhersehbares Ende oder nicht: Jugendroman-Liebhaber sollten sich diesen besonderen Roman, der vor allem durch die abwechslungsreichen Ergänzungen in Form von Zeichnungen, Protokollen, etc. und eine sympathische Protagonistin besticht, nicht entgehen lassen. „Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ ist genau was der Titel vermuten lässt: eine fesselnde und romantische Geschichte über das Erwachsenwerden und die erste Liebe, die den Leser daran erinnert, das eigene (vergleichsweise unkomplizierte) Leben zu schätzen. Ich freue mich schon jetzt auf die weiteren Romane der Autorin.

 

bewertung5
Vielen Dank an den Dressler Verlag und Katja von der Netzwerk Agentur Bookmark für dieses Leseexemplar.