|Rezension| Drei mal wir – Laura Barnett

Mühseliger Einstieg, der sich allerdings lohnt

 

51Yk25JD0ELVerlag: Kindler
Originaltitel: The Versions of Us
Übersetzung: Judith Schwaab
Gebundene Ausgabe: 19,95 Euro
Ebook: 16,99 Euro
Erscheinungsdatum: 11.03.2016
496 Seiten
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„Die Wahrheit war, dass Jim tatsächlich glücklich war. Nicht auf eine vordergründige, oberflächliche Weise – gestelltes Kodak-Lächeln vor blauem Himmel-, sondern tief empfunden. Diese Art Glück war weniger ein Zustand als eine Form von Aufrichtigkeit, das Gefühl essenzieller Richtigkeit.“ (S.286)

 

Worum geht´s?

Das erfolgreichste belletristische Debüt des Jahres 2015 in England: ‚Drei mal wir‘ ist ein reicher Roman über die Was-wäre-wenn-Momente des Lebens. Darüber, wie ein Augenblick über unser Leben entscheiden kann. Und es ist ein Plädoyer für die Liebe – auch wenn man sie nicht immer gleich erkennt.
Eva und Jim sind neunzehn und Studenten in Cambridge, als ihre Wege sich 1958 zum ersten Mal kreuzen. Eine Fahrradpanne führt die beiden zusammen. Was dann passiert, wird den Rest ihres Lebens bestimmen.
Wir folgen drei unterschiedlichen Versionen ihrer Zukunft, zusammen und getrennt. Sehen Eva dabei zu, wie sie eine berühmte Schriftstellerin wird. Und Jim, wie er für die Kunst seinen Beruf als Anwalt hinter sich lässt. Wir sehen Partner kommen und gehen, reisen mit ihnen nach London, New York und Los Angeles. In all den Jahren nimmt ihre Liebe immer wieder ungeahnte Wege, von den ersten drei Treffen bis hin zum Finale: Drei Liebesgeschichten, ein Paar.

 

Cover und Titel

Das Cover von „Drei mal wir“ sticht durch seine außergewöhnliche Optik unter den üblichen Liebesromanen sofort ins Auge. Der hellgrüne Hintergrund und die comicartige Zeichnung zweier Menschen und eines Hundes hebt sicht von den normalerweise eher rosa-rot gehaltenen, romantischen Liebesromancovern ab.

Die dargestellte Szene bezieht sich auf den Beginn der Geschichte beider Protagonisten und passt deshalb wunderbar zum Roman. Auch der Titel „Drei mal wir“ ist absolut stimmig zur Geschichte und angelehnt an den Originaltitel „The Versions of Us“.

Besonders hervorheben möchte noch die generell sehr liebevolle Gestaltung dieses Buches. Nicht nur der Schutzumschlag ist eine Augenweide, sondern auch der Buchdeckel, auf dem florale Muster und der Titel gedruck ist und das „Innenleben“ des Romans ist durch florale Zeichnungen, verschiedenfarbige Überschriften einfach wunderschön anzuschauen.

 

Mein Eindruck

Bei diesem Roman hat mich nicht nur das Cover sondern vor allem der Fakt, dass in dieser Geschichte die „Was wäre wenn“-Frage im Fokus steht, angesprochen.

 

Erzählt wird in drei parallel verlaufenden Plots die Geschichte von Eva und Jim. Dabei wechseln die Perspektiven immer wieder. Mal steht Eva im Mittelpunkt, mal Jim. Das hohe Tempo, der Wechsel der Perspektiven und der verschiedenen Handlungsstränge hatte zur Folge, dass ich anfangs große Schwierigkeiten hatte, jedem Plot zu folgen. Ich musste mich mindestens 100 Seiten lang sortieren, um in jede Geschichte gleichermaßen reinzufinden. Das war ein wenig mühselig, aber dennoch lohnenswert. Denn man begleitet Eva und Jim durch ihr ganzes Leben – und das in drei Varianten.

 

In einem angenehm flüssigen Erzählstil führt Laura Bennett durch die 3 verschiedenen Lebensentwürfe der Protagonisten. Dabei ist jeder einzelne Handlungsstrang perfekt durchdacht und in sich stimmig. Obwohl die Protagonisten immer dieselben sind, gelingt es der Autorin, dass man sie mal mehr und mal weniger sympathisch findet. Je nachdem wie ihr Leben verläuft, entwickelt man sich natürlich auch in eine andere Richtung. Das Besondere an den 3 Handlungssträngen: Bis zum Schluss und auch danach kann man unmöglich urteilen, welche Version der Lebensentwürfe von Eva und Jim nun der richtige, der glücklichte ist. Jeder hat seine Höhen und Tiefen und genau hier liegt wohl auch die „Moral von der Geschicht“: Egal wie man sich im Leben entscheidet: Einfach wird es nie. Das Besondere an den drei Versionen ist, dass die Autorin verschiedene Ereignisse im Leben beider gewählt hat, die in jeder Version gleich sind und so die Geschichten wieder miteinander verknüpfen.

 

Mir hat die Vielfalt der Themen in diesem Roman unglaublich gut gefallen. Laura Bennett schreibt derart lebensklug und frei von großen Dramen oder Klischees über die Liebe, dass ich hinter der Autorin eine lebenserfahrende 80-Jährige vermutet habe und keine junge 33-Jährige. Es ist wirklich erstaunlich mit welcher Präzision und Ernsthaftigkeit sie die Probleme in einer Ehe, mit dem Single-Dasein im fortgeschrittenen Alter, die Schwierigkeiten einer Patchwork-Familie oder der Umgang mit einer schweren Krankheit thematisiert.

 

Mein Fazit:
In „Drei mal wir“ zeigt Laura Barnett mit viel Feingefühl, Klugheit und frei von Klischees, dass egal wie man sich entscheidet, das Leben nie einfach verläuft. Auch wenn es zu Beginn nicht einfach ist den drei Handlungssträngen aufgrund des hohen Tempos zu folgen, lohnt es sich, dran zu bleiben, weil die Geschichte(n) von Eva und Jim nicht nur dazu führen, dass man die eigenen Lebensentscheidungen überdenkt, sondern auch dazu, dass man den Glauben an die Liebe nicht verliert.

 

Bewertung4

 

Vielen Dank an den Kindler Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

 

Weitere Rezensionen zum Buch:
  • Lotta

    Wow! 😀 Evi,
    das ist tatsächlich die aller erste positive Rezension, die ich zu diesem Buch lesen. Ich bin ein bisschen geschockt. 😀 😀 Aber ich glaube, dass es irgendwie so dein Stil ist. Das ist eben nichts für so jemanden wie mich. Ich brauche eben doch eher leichtere Lektüre und nichts, wo man dran bleiben muss. 😉

    Liebst, Lotta