|Rezension| Drei auf Reisen – David Nicholls

Eine Geschichte über den Kampf die große Liebe nicht zu verlieren

 

Drei auf ReisenVerlag: Kein & Aber
Gebundene Ausgabe: 22,90 Euro
Ebook: 18,99 Euro
Erscheinungsdatum: 30.09.2014
544 Seiten
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„Unsere Biografien sind so untrennbar miteinander verwoben, dass wir beide auf fast jeder Seite vorkommen. Wir kennen die Antworten, weil wir dabei ware, und so ist es schwer, sich die Neugier zu erhalten, und ich schätze, Nostalgie nimmt irgendwann ihren Platz ein.“ (S. 60)

 

„Vom evolutionären Standpunkt aus dienen die meisten Gefühle  – Angst, Begierde, Zorn – irgendeinem praktischen Zweck, doch Nostalgie ist etwas vollkommen Unnützes. Aussichtsloses, denn es ist die Sehnsucht nach etwas, was für immer verloren ist, und in diesem Moment war ich mir ihren absoluten Sinnlosigkeit bewusst.“ (S. 335)

Worum geht´s?

Nach dem Bestseller über das Finden der großen Liebe nun eine Geschichte darüber, wie man sie nicht wieder verliert. Eines Nachts verkündet Connie dem darauf absolut unvorbereiteten Douglas, dass nach über 20 Jahren glücklicher Ehe nun der ideale Zeitpunkt für eine Trennung und einen Neuanfang gekommen sei jetzt, wo auch ihr Sohn Albie bald ausziehe. Doch die bereits geplante gemeinsame grand tour durch Europas bedeutendste Städte wollen sie dennoch machen. Douglas hofft, seine Frau auf dieser mal wunderbaren, mal katastrophalen Reise zurückzugewinnen und zugleich die Beziehung zu seinem Sohn zu vertiefen ein ambitioniertes Unterfangen, das allenfalls durch akribische Planung zu erreichen ist.

 

Cover und Titel

Das Cover von „Drei auf Reisen“ ist nicht so ganz mein Geschmack, was allen voran an der Hintergrundfarbe orange liegt, die ich so gar nicht mag. Andererseits passt der Roman dadurch natürlich hervorragend zum Vorgänger-Roman „Zwei an einem Tag“, der ebenfalls ganz in orange gehalten ist. Das restliche Covermotiv ist sehr dezent gestaltet, was mir wiederum gut gefällt. Der Fokus liegt auf dem Titel, der durch blaue Scherenschnitte der drei Protagonisten eingerahmt wird. Dies ist übrigens auf dem Cover der Originalausgabe ähnlich, die mir durch den roten Farbton aber wesentlich besser gefällt. Diese passt optisch allerdings wieder nicht zum Vorgänger, was schade ist, da die deutschen Ausgaben so wenigstens eine schöne Einheit im Bücherregal bilden.
Und wie immer gefällt mir der Originaltitel wieder ein bisschen besser als jener der deutschen Ausgabe. Im Englischen lautet der Titel schlicht: „Us. A novel“ – sehr minimalistisch und doch so passend. „Drei auf Reisen“ passt natürlich auch zum Inhalt des Romans, zumal man den Titel wörtlich (drei Familienmitglieder befinden sich auf einer gemeinsamen Reise) als auch im übertragenen Sinne (die Reise zu sich selbst) verstehen könnte.

 

Mein Eindruck

Da David Nicholls Weltbestseller „Zwei an einem Tag“ in meinen Augen eine der schönsten Liebesgeschichten aller Zeiten ist, musste ich seinen neuesten Roman „Drei auf Reisen“ unbedingt lesen. Schon der Klappentext hat deutlich gemacht, dass man hier keine romantische Liebesgeschichte erwarten kann, sondern vielmehr eine Geschichte über den Kampf um die große Liebe.
Erzählt wir die Geschichte aus der Sicht des Ich-Erzählers Douglas, Ehemann von Connie, die ihn verlassen will und Vater von Albie, zu dem er den emotionalen Faden verloren hat. Ohne viel Vorgeplänkel wird der Leser von Beginn an mitten in die Geschichte gezogen: Connie eröffnet ihrem Mann mitten in der Nacht, dass sie sich vielleicht (!) von ihm trennen möchte. Für Douglas kommt dieser Offenbarung aus heiterem Himmel. Mit sehr viel Selbstironie, die mich immer wieder zum Lachen brachte, aber auch manchmal sehr ernst und  melancholisch lässt er den Leser an seinen Gefühlen und Reaktionen teilhaben. In kurzen Kapiteln, die immer mit dem entsprechenden Thema überschrieben sind, erzählt David Nicholls nicht nur von der Reise der Drei durch Europa, sondern durch Rückblenden auch von ihrer Vergangenheit. Der Leser erfährt wie sich Connie und Douglas kennengelernt haben, von den ersten Jahren ihrer Ehe, usw. Während ihr Verhalten in der Gegenwart manchmal irrational erscheint und man sich fragt „Was machst du da? Warum tust du das?“ versteht man die Protagonisten immer besser je mehr man von ihrer Vergangenheit erfährt.
Dies ist mal wieder ein Roman, bei dem ich gar nicht mehr fertig wurde tolle Zitate zu markieren. Immer wieder sinniert Douglas derart klug über die Ehe und das Leben im Allgemeinen, dass ich ihm ständig zurufen wollte „Genau! Du sagst es! Seh‘ ich genauso.“. David Nicholls spricht Wahrheiten aus ohne Klischees zu bedienen oder Phrasen zu dreschen. Doch „Drei auf Reisen“ ist nicht nur eine Geschichte über eine 25-jährige Ehe, sondern auch ein Reisebericht über eine Reise durch 9 europäische Städte. Wer die Städte selbst bereist hat, wird Vieles wiedererkennen und sich selbst als Tourist fühlen. Mittels sehr authentischer Beschreibungen der Szenerien hat man das jeweils eigentümliche Treiben in Städten wie Venedig, Madrid und Paris förmlich vor Augen.
Da Connie, selbst Künstlerin, ein großes Interesse für Kunst hat, von dem sie seit jeher auch Douglas überzeugen will, enthält dieser Roman viele, viele Passagen über Kunst jeglicher Art. Mich – als Kunstbanausin – hat das stellenweise gelangweilt. Für Kunstfans mag genau dieser Aspekt ein zusätzliches Schmankerl sein, aber für mich haben diese Abschnitte Kunsterziehung die Geschichte unnötig in die Länge gezogen. Dafür war das Ende wieder ein echter Knüller. Für mich wirklich unerwartet, hat es mich gerade deshalb 100% überzeugt.

 

Mein Fazit: Mit „Drei auf Reisen“ gelingt David Nicholls ein würdiger Nachfolger seines Weltbestsellers „Zwei an einem Tag“. Obwohl es wesentlich schwerer ist eine Geschichte über das Ende einer Ehe zu schreiben, als eine Liebesgeschichte, gelingt es dem Autor den Leser durch einen selbstironischen Ich-Erzähler und authentische Szenen einer Ehe auf 544 Seiten bestens zu unterhalten. Definitiv ein Roman, den man nicht so schnell vergisst.

Bewertung4

Vielen Dank an den Kein & Aber Verlag für das Rezensionsexemplar und die liebe Lotta von Lottas Bücher für das gemeinsame Lesen!

  • Lottas Buecher

    Hallöchen Liebes,
    ich weiß nicht, warum ich nicht so wahnsinnig begeistert war von diesem Buch.. Ich fand den Anfang wirklich wunderbar und ich musste auch oft schmunzeln und auch das Ende war einfach nur sehr gut gestaltet, aber alles zwischendrin war für mich so .. lang und so kunstbelastet, dass ich manchmal gar keine Lust hatte zu lesen. Es hätte für mich einfach noch ein bisschen fluffiger sein können.. Schade.

    Liebst, Lotta