|Rezension| Die Zeit, die Zeit – Martin Suter

„Die Zeit ist wie eine Krankheit. Man erkennt sie nur an ihren Symptomen.“

 

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 Verlag: Diogenes
Taschenbuch: 10,90 Euro
Ebook: 9,99 Euro
Erscheinungsdatum: 23.10.2013
304 Seiten
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„Aber tröstlicher als der Glaube an die Unabänderlichkeit des Schicksals ist das Wissen um seine Abänderlichkeit.“ (S. 100)

Worum geht´s?

Ist es verrückt, wenn einer glaubt, die Zeit lasse sich »zurückdrehen«? Es ist verrückt, denkt Peter Taler anfangs, als er das Vorhaben des alten Knupp begreift, der ihm gegenüber wohnt. Denn der möchte etwas denkbar Unmögliches möglich machen.

 

Cover und Titel

Mit den Diogenes Covern ist es wie mit Bayern München- entweder man liebt sie oder man hasst sie. Ich gehöre zur ersten Fraktion (nur was das Cover betrifft!), da ich ihre weiße Schlichtheit mag und das Coverbild immer ein wenig abstrakt ist und nicht so plakativ wie bei der üblichen Unterhaltungsliteratur. Kennt man aber den Inhalt, wird klar, was sich der Verlag bei dem Bild gedacht hat. Kennt man ihn nicht, lässt die abgebildete Frau mit  Zigarette im Mund nicht besonders viele Rückschlüsse auf den Inhalt des Buches zu.
Mit dem Titel verhält es sich ähnlich: einfache Worte deren Gesamtheit doch wieder abstrakt ist und nicht viel über den Inhalt verrät. Typisch für Suter (ähnliche Titel: „Der Koch“, „Lila, Lila“, „Business Class“)…

 

Mein Eindruck

„Die Zeit, die Zeit“ ist mein 3. Roman von Martin Suter, der mich wie auch die vorherigen beiden nicht nur gut unterhalten, sondern auch nachhaltig beeindruckt hat. Es gibt Romane, die liest man, befindet sie für gut, weiß aber nach 2 Wochen nicht mehr, um was es eigentlich ging. Mit Suters Romanen ist mir das noch nicht passiert, da seine Geschichten immer derart originell sind und von der ersten bis zur letzten Seite bis ins kleinste Detail durchdacht, dass sie stets im Gedächtnis bleiben.

Mit diesem Roman schafft der Autor einen Mix aus Thriller, Liebesgeschichte, philosophischer Abhandlung und Zeitreiseroman, der allein aufgrund dieser aufregenden Mischung faszinierend und lesenswert ist. Wie der Titel schon verrät, steht die Zeit als solche im Zentrum des Romans. Die Hauptfiguren Taler und Knupp wünschen sich beide nichts mehr als die Zeit zu einem bestimmten Zeitpunkt, der ihnen alles genommen hat, was das Leben für sie lebenswert gemacht hat, zurückzudrehen. Talers Nachbar Knupp ist der Überzeugung, dass dies möglich ist und obwohl Taler zunächst mehr als skeptisch ist, klammert er sich doch an diesen Hoffnungsschimmer. Einige unerwartete Wendungen fesseln den Leser wie bei einem Thriller an die Geschichte und dann wiederum sind es die leisen, nachdenklichen Töne, die einen innehalten lassen.

Auffällig ist die distanzierte Haltung des Erzählers zu den Protagonisten, die er beide oft nur beim Nachnamen nennt. Damit wird eine gewisse Emotionslosigkeit des Erzählers suggeriert, die dem Leser die Gelegenheit gibt, sich selbst ein umfassendes Bild über die beiden zu machen. Dies gelingt dem Leser vor allem Dank Suters überzeugenden und nahezu perfekt konstruierten Charakteren. Wie gewohnt, gelingt es ihm, Gefühle, Momente und Personen mit wenigen treffenden, unaufgeregten Worten in die Fantasie des Lesers zu transportieren.

Der Autor des Buches „Der Irrtum Zeit“ ist übrigens genau wie das Werk selbst reine Fiktion. Das Gleiche gilt für das oft erwähnte Buttonpond-Experiment. Martin Suter hat diese Dinge so überzeugend dargestellt, dass ich einfach danach googeln musste 🙂 Damit wäre nur ein weiteres Mal bewiesen welch ein Meister der Fiktion er ist.

Der richtige Knüller von „Die Zeit, die Zeit“ ist das Ende. Ich kann ja nichts verraten, aber diese Schlusspointe macht dieses Buch in meinen Augen zu einem wahren Meisterwerk und den letzten Satz werde ich wohl für immer im Kopf behalten.

Mein Fazit: „Die Zeit, die Zeit“ ist ein intelligenter Roman, der den Leser fordert, unterhält und nachdenklich stimmt. Suter überzeugt wieder durch Kreativität, überzeugende Charaktere, eine unaufgeregte Sprache und ein geniales Ende.

bewertung5

Danke, Carsten, für die tolle Empfehlung 😉