|Rezension| Die Wahrheit – Melanie Raabe

Die Wahrheit über dieses Buch

 

41ClvJye6ZLVerlag: btb Verlag
Broschur: 16,00 Euro
Ebook: 12,99 Euro
Erscheinungsdatum: 29.08.2016
448 Seiten
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„Ich denke, dass Liebe kein Zustand ist und auch kein Gefühl. Liebe ist ein Organismus. Mit Hunger und Durst. Ein Lebewesen, das wachsen und schrumpfen, krank werden und gesunden, das einschlafen und sterben kann.“ (S.183)

 

Worum geht´s?

Vor sieben Jahren ist der reiche und zurückgezogen lebende Geschäftsmann Philipp Petersen während einer Südamerikareise spurlos verschwunden. Seither zieht seine Frau Sarah (37) den gemeinsamen Sohn alleine groß. Doch dann erhält Sarah wie aus heiterem Himmel die Nachricht, dass Philipp am Leben ist. Die Rückkehr des vermeintlichen Entführungsopfers löst ein gewaltiges Medieninteresse aus. Sarah hat zwiespältige Gefühle, nach all der Zeit verständlich. Sie hat eine harte Zeit hinter sich. Gerade war sie dabei, sich von der Vergangenheit zu lösen. Ihr Ehemann taucht, wenn man so will, zur Unzeit auf. Was wird werden? Gibt es eine gemeinsame Zukunft? Sie ist auf alles vorbereitet, nur auf das eine nicht: Der Mann, der aus dem Flugzeug steigt, ist nicht der, als der er sich ausgibt. Es ist nicht ihr Ehemann. Es ist ein Fremder – und er droht Sarah: Wenn sie ihn jetzt bloßstelle, werde sie alles verlieren: ihren Mann, ihr Kind, ihr ganzes scheinbar so perfektes Leben …

 

Cover und Titel

Der einprägsame Titel „Die Wahrheit“ fällt sofort ins Auge und macht vor allem deshalb neugierig, weil sich dahinter alles mögliche verbergen kann.

Beim Covermotiv dachte ich sofort an eine Frau, die sich die Haare abgeschnitten hat, aber der Klappentext gibt schon einen Hinweis darauf, dass es sich hier wohl eher um einen Mann handelt. Ich finde das grau gehaltene Cover sehr ästhetisch und ansprechend. Allerdings wird es dem Plot meines Erachtens nicht gerecht, das ein verändertes Aussehen hier war eine Rolle, aber eben nicht die zentrale Rolle spielt.

 

Mein Eindruck

Seit ihrem Thriller-Debüt mit „Die Falle“ ist Melanie Raabe in aller Munde und ich habe seither wirklich ausschließlich Positives gehört und gelesen. Deshalb habe ich mich auch auf „Die Falle“ gestürzt, obwohl ich gar nicht so oft Thriller lese. Aber die Story, die der Klappentext verspricht, hat mich sofort angesprochen. Ein verschwundener Ehemann, der nach Jahren wieder auftaucht und nicht der ist, als der er sich ausgibt.

Melanie Raabe erzählt „Die Wahrheit“ überwiegend aus der Perspektive der Protagonistin Sarah. Durch detaillierte Beschreibungen ihrer Gedanken fiel es mir sehr leicht, mich in sie hineinzuversetzen. Spätestens als sie am Flughafen steht und ihren verschollenen Ehemann erwartet, ist ihre Aufregung und Angst förmlich auf mich über gegangen.

 

Überhaupt hat Melanie Raabe ein überzeugendes Erzähltalent. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass jeder Satz wohlgeformt, aber nicht konstruiert ist. Ich flog durch die Seiten und dies nicht nur weil ich auf der Suche nach der Wahrheit war, sondern weil Melanie Raabe mich mit ihrer Art zu Schreiben „eingelullt“ hat. Trotzdem gab es etwa ab der Mitte der Geschichte einige Ungereimtheiten bzw. unlogische Zusammenhänge, die mich stutzig gemacht haben. Ich hatte mir aber nichts weiter gedacht, weil ich hoffte, dass diese Fragen sich am Ende in Wohlgefallen auflösen. Leider war das nicht der Fall.

 

Sarah ist allerdings eine glaubwürdige Protagonistin. Ich kann nicht behaupten, dass sie mir besonders sympathisch war, aber sie war auf jeden Fall authentisch. Eine Frau und Mutter mit Stärken und Schwächen, deren Handlungen man nicht immer gutheißen muss, aber zumindest nachvollziehen kann. Vor allem ihre Ängste als ihr Ehemann sich als „Fremder“ herausstellt, konnte ich gut nachempfinden.

 

Anders verhält es sich mit „dem Fremden“ – so wird Sarahs vermeintlicher Ehemann bezeichnet, aus dessen Sicht auch einige kurze Kapitel erzählt werden. Er bleibt bis zuletzt undurchdringbar, mysteriös und fremd. Sicher ist das in einem gewissen Maße auch so gewollt, aber mir haben einfach mehr Fakten und Hintergründe gefehlt, um das Ende als gut zu befinden. Ohne diese war das Ende dieses Thrillers und damit die Auflösung des Ganzen einfach nur ein „wtf“-Moment. Ich konnte es einfach nicht glauben, dass das jetzt wirklich das Ende sein soll. Es hat sich zwar ab und zu angedeutet, aber ich dachte, das wäre eine absichtlich falsch gelegte Fährte. Der Schluss war einfach viel zu konstruiert, unlogisch und unglaubhaft. So war er nach einem wirklich spannenden Plot eine große Enttäuschung, was auch dazu führt, dass ich diesen Thriller nur bedingt weiterempfehlen kann.

 

Mein Fazit:Wer – wie ich – keine blutrünstigen, gruseligen Thriller mag – sollte unbedingt zu „Die Wahrheit“ greifen. Melanie Raabe bietet mit ihrem 2. Buch einen Thriller light, der durch einen ansprechenden Schreibstil und einen spannenden Plot überzeugt. Lediglich das Ende hat mich enttäuscht, weil es – um auf das Cover anzuspielen – zu sehr an den Haaren herbeigezogen ist. Das ist vor allem deshalb schade, weil der Plot so viel Potenzial für eine bessere Auflösung der Geschichte bietet. „Die Falle“ werde ich aber trotzdem noch lesen, weil mich Melanie Raabes Art zu Schreiben vollends überzeugt hat.

 

Bewertung3

 

Vielen Dank an die das Bloggerportal und den btb Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

 

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