|Rezension| Die seltsame Berufung des Mr Heming – Phil Hogan

Britischer Humor in Perfektion!

 

51m+ItFl55LVerlag: Kein & Aber
Gebundene Ausgabe: 19,99 Euro
Ebook: 15,99 Euro
Erscheinungsdatum: 01.07.2014
367 Seiten
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 „Und ich muss bekennen, ich bin keineswegs perfekt, auch wenn ich Ihnen, dem  straffen Erzählfluss zuliebe, bisher vielleicht den Eindruck von hoher Effektivität vermittelt habe, ganz so, als würde ich zielstrebig von erfolg zu Erfolg eilen. Ich muss wohl nicht eigens betonen (tue es an dieser Stelle aber trotzdem), dass ich Ihnen die Schilderungen ausufernder Vorbereitungen erspart habe und vor allem auch die langen Phasen des Nichstuns . in denen ich nicht beschwingt die nächste Hürde nahm, sondern geschlagen den Rückzug antreten musste“ (S. 120)

 

Worum geht´s?

Dem Immobilienmakler William Heming sollte man sich auf keinen Fall anvertrauen, so einnehmend er auch ist. Kaum hat er einen Verkaufsvertrag abgeschlossen, lässt er den Schlüssel duplizieren und schleicht sich in Abwesenheit der Bewohner nicht nur in deren Häuser – wo er mit Vorliebe alles begutachtet, seinen Hunger stillt, aber gerne auch mal etwas repariert -, sondern er schleicht sich vor allem in deren Leben. Sein Hobby wird immer riskanter, seine Taktik immer ausgefeilter, seine Obsession immer dominanter – bis es zum ersten Toten kommt. Und Mr Heming sich verliebt. Ein absolut fesselnder, psychologisch raffinierter Roman voller rabenschwarzem Humor.

Cover und Titel

Sowohl Cover als auch der merkwürdige Titel haben mich sofort neugierig gemacht. Was hat es mit Mr Heming und seiner seltsamen Berufung auf sich? Dem Verlag ist es wirklich gut gelungen, dieses Buch aus der Masse herausstechen zu lassen. Während das Originalcover doch eher düster ist und den Eindruck eines Krimis vermittelt, impliziert das Cover der deutschen Ausgabe vor allem eines: dass es sich um ein unterhaltsames Buch handelt.

Mein Eindruck

Mr Heming erzählt dem Leser aus seiner Perspektive von seinem Leben. Angefangen bei seiner Kindheit, in der er bereits das Bedürfnis hat, seine Mitmenschen aus einem Versteck heraus in deren Alltag zu beobachten und so an deren Leben teilzuhaben, schildert er seinen Aufstieg zum erfolgreichen Immobilienmakler- ein Job, der wie für ihn gemacht ist, da er so seiner Leidenschaft nahezu ungehindert fröhnen kann: er kopiert sich die Hausschlüssel seiner Klienten und hat dadurch uneingeschränkten Zugang zu deren Häusern und Privatleben.

Phil Hogans Protagonist hat definitiv psychopathische Züge und trotzdem neigt man dazu mit ihm zu sympathisieren, da er dem Leser seine Leidenschaft, Leute heimlich in ihrer Wohnung zu beobachten, plausibel zu erklären versucht. Er vermittelt nicht den Eindruck eines perversen Voyeurs, sondern eher den eines normalen Menschen mit einem makaberen Hobby. Es ist wirklich faszinierend wie es Phil Hogan gelingt, den besonderen Charakter seines Protagonisten herauszuarbeiten. Obwohl ich weiß, dass das was Mr Heming mit seinen Mitmenschen treibt nicht nur kriminell sondern krankhaft ist, gelingt es mir nicht, ihn dafür zu verurteilen. Im Gegenteil: immer wenn ich das Buch wieder aufschlug war ich neugierig auf den Mist, den er wohl jetzt wieder verzapft. Dadurch, dass Mr Heming mich als Leserin direkt mit einem förmlichen „Sie“ anspricht, liest sich das Buch wie eine Beichte- obwohl Mr Heming natürlich überhaupt nichts zu beichten hat, da er ja alles aus (seines Erachtens) plausiblen Gründen tut.
Neben dieser großartigen Charakterstudie punktet dieses Buch vor allem durch eines: den typisch britischen schwarzen Humor. Einfach herrlich! Dieser verleiht der Geschichte trotz des eigentlich ernsthaften und leicht grusligen Themas eine locker-leichte Note, die sehr unterhaltsam ist. Wenn man diese Art von Humor nicht mag, wird man auch keinen Gefallen an Mr Heming finden. Einziges Manko: Die Geschichte konnte mich nicht richtig fesseln, weshalb ich 1 Woche für die Lektüre gebraucht habe. Trotzdem hat mich dieses Buch sehr, sehr gut unterhalten- nur das „Ich muss unbedingt weiterlesen“-Gefühl hat gefehlt.

Mein Fazit: Phil Hogan präsentiert mit seinem Buch eine von der ersten bis zur letzten Seite gut durchdachte, skurrile und raffinierte Charakterstudie, die vor allem durch den stets präsenten schwarzen Humor besticht. Für Fans des typisch britischen Humors ist „Die seltsame Berufung des Mr Heming“ der pure Lesegenuss. Absolut empfehlenswert! Und Angst vor Immobilienmaklern habe ich jetzt trotzdem nicht 🙂

Bewertung4

Vielen Dank an Kein&Aber für dieses Rezensionsexemplar!