|Rezension| Die letzten Tage von Rabbit Hayes – Anna McPartlin

Noch nie ein zugleich so trauriges und lustiges Buch gelesen!

 

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Verlag: rororo
Taschenbuch: 12,00 Euro
Ebook: 9,99 Euro
Erscheinungsdatum: 20.03.2015
464 Seiten
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„‚Scheiße!‘, flüsterte sie und umklammerte das Lenkrad. ‚Scheiß am Stiel, miese Schweinescheiße, verfickte, verfluchte, verlauste Kackerkacke! Ach Mist!‘ Mollys Herz lag in Scherben und mit jedem ‚Scheiße!‘, das ihr über die Lippen kam, flogen die Splitter in alle Himmelsrichtungen.“ (S. 10)

 

Worum geht´s?

Erst wenn das Schlimmste eintritt, weißt du, wer dich liebt.
Stell dir vor, du hast nur noch neun Tage. Neun Tage, um über die Flüche deiner Mutter zu lachen. Um die Hand deines Vaters zu halten (wenn er dich lässt). Und deiner Schwester durch ihr Familienchaos zu helfen. Um deinem Bruder den Weg zurück in die Familie zu bahnen. Nur neun Tage, um Abschied zu nehmen von deiner Tochter, die noch nicht weiß, dass du nun gehen wirst …

 

Cover und Titel

Das Cover dieses Romans ist definitiv ein Eyecatcher. Der schwarze Hintergrund in Verbindung mit dem weißen Titel und dem bunten Blumenmuster fällt einem sofort ins Auge. Trotz der verspielten Schriftart und den pinkfarbenen Blumen wird allein durch den schwarzen Hintergrund Bezug auf den Inhalt, der nun mal kein fröhlicher Blümchen-Roman ist, genommen. Das gefällt mir ausgesprochen gut.
Der Titel „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ ist eine 1:1 Übersetzung des Originaltitels, wofür ich dem Rowohlt Verlag wirklich dankbar bin. Ein anderer Titel hätte einfach nicht gepasst.

 

Mein Eindruck

Nachdem ich von diversen Buchbloggern begeisterte Worte zu diesem Roman vernahm, konnte ich es kaum erwarten, „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ zu lesen, auch wenn ich aufgrund des Titels und des Klappentextes ein bisschen Angst vor einer sehr traurigen Geschichte hatte. Schließlich ist von vornherein klar, dass man hier nicht auf ein Happy End hoffen braucht.
Das Buch ist in Ober- und Unterkapitel gegliedert. Die Oberkapitel sind die einzelnen letzten Tage von Rabbit, die Unterkapitel gehören den einzelnen Charakteren im Buch. Zwischendurch gibt es noch kursiv hervorgehobene Blogbeiträge von Rabbit. Mit einem solchen Beitrag, in dem sie dem Krebs eine deutliche Kampfansage macht, beginnt der Roman. Allein in diesem kurzen Abschnitt wird klar, welch mutige und starke Persönlichkeit Rabbit ist, die eigentlich Mia heißt. Das macht es so leicht, ihr auf ihrem Weg zu folgen. Was mir außerdem besonders gut gefallen hat, ist ihr Atheismus – das war mir derart sympathisch, weil ich mich darin wiedergefunden habe. Ich bin so froh, dass dies keines dieser „Es ist der Wille Gottes“-Bücher ist. Dazu kommt, dass dieser Roman nicht nur eine Geschichte über die letzten 9 Tage der Protagonistin ist, sondern vor allem ist eine Geschichte über ihr Leben. Der Großteil des Plots spielt in der Vergangenheit. Der Leser wächst quasi mit Rabbit und ihrer Familie auf, erfährt viele Details über ihre Freunde und natürlich auch über ihre erste Liebe. Diese Abschnitte sind überwiegend humorvoll und bilden so einen guten Gegenpart zu den emotionalen Schilderungen der traurigen Gegenwart. Rabbits Familie spielt eine sehr große Rolle in der Geschichte – sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Ihre Reaktionen auf Rabbits niederschmetternde Diagnose könnten nicht unterschiedlicher sein und genau diese Ausdifferenziertheit der Emotionen ist Anna McPartlins große Stärke. Jede Figur hat ihre Eigenarten, ihre Probleme und geht anders mit dem Schmerz um.
Aber auch die Beschreibung von Rabbits letzten Tagen ist nicht nur traurig. Allein durch den oft so witzigen Schlagabtausch zwischen den Familienmitgliedern und nicht zu vergessen durch Rabbits dauerfluchende Mutter Molly, die mein persönliches Highlight dieser Geschichte war, halten sich das Lachen und Weinen während des Lesens die Waage. Auch wenn das Ende durch den Titel schon vorgegeben wird, hofft man bis zum Schluss auf ein Wunder, weigert sich förmlich davor das letzte Kapitel zu lesen. Aber als dann  das Unvermeidliche am Ende eintrat, musste ich tatsächlich nicht weinen, sondern lächeln. Es ist ein schöner, positiver Schluss, der den Leser nicht mit einem deprimierenden, sondern mit einem guten, lebensbejahenden Gefühl zurücklässt.
Erwähnt werden müssen noch die medizinischen Fakten, die in den Roman eingearbeitet sind. Es geht nicht nur um Brustkrebs, sondern auch um eine andere Krankheit, die ich um nicht zu spoilern, nicht nennen werde. Soweit ich als Laie das beurteilen kann, sind die Details der Krankheiten sehr gut recherchiert. Man merkt, dass die Autorin selbst in ihrem familiären Umfeld mit einer der Krankheiten persönlich in Berührung kam. Aber keine Angst, das ist kein medizinisches Fachbuch, welches den Leser mit zu vielen Fakten überfordert. Die Erwähnung einzelnen Krankheitsmerkmale dienen lediglich der Authentizität des Erzählten.

 

Mein Fazit: Anna McPartlin hat mit „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ ein emotionales Buch über eine Familie und deren Umgang mit Tod und Schmerz geschrieben. Dabei zeichnet sich dieser Roman vor allem durch seine einfühlsamen Schreibstil aus, der den Leser gleichermaßen zum Lachen und Weinen bringt. Man spürt beim Lesen wie viel diese Geschichte, die ohne viel Dramatik, dafür mit authentischen Emotionen daherkommt, der Autorin bedeutet. Sie schafft damit einen wirklich einzigartigen Roman, den ich absolut jedem empfehlen kann, der sich vor dem Thema Tod nicht verschließt.

bewertung5

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar!

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  • Lottas Buecher

    Hallöchen liebste Evi,
    eine wunderbare Rezension zu einem wunderbaren Buch! Absolut passend. Ich fand das Buch auch einfach nur wunderbar. Ich fand es einfach so schön aus ihrem Leben zu lesen, die Menschen in ihrem Alltag zu begleiten. Davey war mir richtig ans Herz gewachsen. Ich wusste, dass er es schaffen kann. 🙂

    Liebst, Lotta

  • Silvia Borowski

    Lieben Dank für die Rezension, denn das Buch hatte ich auch schon mehrmals in den Händen. Durch deine Meinung, wanderte es gerade auf meine Wunschliste. Aber ich möchte gerne etwas anfragen, jedoch weiß ich nicht, ob ich die Einzige bin, die das so empfindet. Mir fällt nämlich das Lesen auf dem weißen, grellen Hintergrund sehr schwer und ich brauch erheblich länger alles zu lesen. Daher meine Anfrage, ob man dies nicht einfach mal ändern könnte. Dann würde ich deine Rezensionen gleich noch mal lieber lesen. Ich hoffe, du bist mir nicht böse und es bleibt dir ja überlassen, ob du meinem Wunsch nachgehst oder nicht. Jetzt schon mal fröhliche Ostern und genieße die Feiertage. 🙂 🙂