|Rezension| Die gepflegten Neurosen der Mademoiselle Claire – Sophie Bassignac

Nette Unterhaltung, aber kein „must read“.

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Verlag: btb
  Taschenbuch: 8,99 Euro
Ebook: 7,99 Euro
Erscheinungsdatum: 09.06.2014
  256 Seiten
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„Dieses Buch und das hier unterscheiden sich ebenso sehr voneinander wie Sie und ich. Mit den Büchern sind Sie an einem Tag mit jungen jüdischen Intellektuellen 1912 in Prag und am nächsten 1823 in Tokio und plaudern mit Geishas in einem Teehaus, 1930 in den schönen Vierteln von Paris oder 1896 in New York im Kopf eines jungen ehrgeizigen Nichtadeligen… Welcher Mensch könnte mir solche Reisen bieten, welches Leben würde mir so viele Begegnungen ermöglichen?“ (S. 90)

 

Worum geht´s?

Als die Pariserin Claire in ihre neue Wohnung zieht, stellt sie mit Entzücken fest, dass sie durch den Innenhof all ihren Nachbarn in die Wohnung blicken kann. Für die exzentrische und chronisch gelangweilte junge Frau – die sich ihre Freizeit sonst mit dem Auflisten seltener Krankheiten oder therapeutischem Sex mit ihrem Osteopathen vertreibt – ist es eine willkommene Abwechslung, ihre Nachbarn auszuspionieren. Bald kennt sie all ihre Geheimnisse, wie die antik anmutende Pistole, mit der die Concierge Madame Courtois auf der Jagd nach vermeintlichen Einbrechern durchs Haus schleicht. Doch dann zieht gegenüber der geheimnisvolle Japaner Monsieur Ishida ein, dessen Verhalten Claire Rätsel aufgibt und sie gleichzeitig fasziniert …
 

Cover und Titel

Das Cover dieses Buches ist einfach wunderschön und so typisch französisch! Nicht nur durch den Eiffelturm im Hintergrund sondern auch die verwendeten Schriftarten und die schicke junge Frau, die dem Leser nur ihre Rückseite auf den Dächern von Paris präsentiert, vermitteln einen unglaublichen Charme. Leider wird man durch dieses leicht romantisch verklärte Cover in eine falsche Richtung gelenkt, was den Inhalt des Buches angeht, denn dies ist keinesfalls ein locker leichter Roman über eine hübsche Französin. Nahezu im Kontrast dazu steht das Originalcover und der Originaltitel: „Les aquariums lumineux“, was so viel bedeutet wie „Licht-Aquarien“. Das macht im ersten Moment gar keinen Sinn, kennt man den Inhalt lässt sich der Titel allerdings passend einordnen in das große Ganze. Und das Originalcover ist zwar nicht so schön wie das der deutschen Ausgabe, dafür aber passender zum Inhalt, da die Protagonistin ihre Nachbarn über den Innenhof hinweg beobachtet und analysiert.

 

Mein Eindruck

Als großer Fan von französischen Romanen und merkwürdigen Buchtiteln hatte ich mich sehr auf dieses Buch der mir bis dato unbekannten Schriftstellerin Sophie Bassignac gefreut. Geschichten aus Frankreich versprühen oft diesen typischen französischen Charme, der sich nur schwer in Worte fassen lässt. Dies gelingt der Autorin auch in „Die gepflegten Neurosen der Mademoiselle Claire“. Sowohl das Pariser Großstadtleben als auch der Charme der französischen Provinz werden sehr bildlich und authentisch dargestellt.
Der Einstieg in die Story fiel mir  schwer. Das lag vor allem am Schreibstil der Autorin, der hin und her springt zwischen leicht und nüchtern, blumig und poetisch. Zum Teil sind Ihre Worte so tiefsinnig und auch ein bisschen gesellschaftskritisch, dann wieder rational und auf den Punkt gebracht. Als ich aber dann in die Geschichte reingefunden hatte, war es genau das, was mir an dem Roman so gut gefallen hat- man muss sich nur eben erst kurz daran gewöhnen. Ebenso herausragend sind Sophie Bassignacs Charaktere im Roman, allen voran natürlich die herrlich exzentrische Claire mit ihren Neurosen. Sie ist wirklich ein außergewöhnlicher Charakter, den man aufgrund seiner Ticks und Eigenarten einfach lieben muss. Aber auch ihre Nachbarn und andere Wegbegleiter sind liebevoll mit den verschiedensten Eigenheiten skizziert. Während der erste Teil des Buches fast einer Charakter- bzw. Alltagsstudie gleicht, kommt der zweite Teil wohl einem Krimi an nähesten. Einer von Claires Nachbarn verschwindet plötzlich nachdem ein neuer Nachbar aufgetaucht ist. Nur leider entwickelt sich einfach keine Spannung. Die zweite Hälfte wirkt im Gegensatz zur ersten wenig durchdacht, was wohl auch der Grund für die fehlende Spannung ist. Man liest und liest und denkt sich „Jetzt passiert bestimmt gleich was Spannendes!“, aber das ist leider nicht der Fall. Zwischenzeitlich war ich wirklich gelangweilt. Wäre da nicht Claires wunderbarer Charakter gewesen, der mir den ein oder anderen Lacher entlockt hat, hätte ich vermutlich nicht weitergelesen. Der Plot dümpelt so vor sich hin und das Ende ist ebenso unspektakulär.
Mein Fazit: „Die gepflegten Neurosen der Mademoiselle Claire“ ist eine nette Unterhaltung für Zwischendurch, die vor allem durch ihre gut herausgearbeiteten, besonderen Charaktere besticht. Leider fehlt dem Plot eine spannende Handlung, so dass dieses Buch in meinen Augen kein „must read“ ist.
Bewertung3
Vielen Dank an btb für das Rezensionsexemplar!
  • Lottas Buecher

    Hallöchen Evi,
    ach man. Da habe ich eben den Titel gelesen und dachte „woar, genau mein Ding“ und dann diese Bewertung. Nun, dieses Buch wird es dann wohl doch nicht auf meine Wunschliste schaffen, dabei hat es sich wirklich interessant angehört. Danke für diese aufschlussreiche Rezension.
    Liebst, Lotta