|Rezension| Dich immer wiedersehen – Jennifer E. Smith

Nicht nur für Postkarten-Liebhaber empfehlenswert!

 

Verlag: Carlsen
Originaltitel: The geography of you and me
Übersetzung: Ingo Herzke
Gebundene Ausgabe: 17,99 Euro
Ebook: 12,99 Euro
Erscheinungsdatum: 28.07.2016
352 Seiten
Kaufen? Gebundene Ausgabe oder Ebook

„Er war wie einer ihrer noch ungelesenen Romane, am besten verstand man ihn am richtigen Ort, zur richtigen Zeit. Sie konnte kaum erwarten weiterzulesen.“ (S.218)

 

Worum geht´s?

Stromausfall in New York: Lucy und Owen lernen sich irgendwo zwischen dem 10. und 11. Stock kennen, steckengeblieben im Fahrstuhl eines Hochhauses. Doch auch in völliger Dunkelheit sind sich die beiden gleich sehr sympathisch. Als sie nach ihrer Rettung durch die dunklen Straßen von Manhattan schlendern, steht für beide fest, dass sie ziemlich gut zusammenpassen. Doch mit dem Strom kehrt leider auch die Realität zurück: Lucy wird mit ihren Eltern in wenigen Tagen nach Europa ziehen. Wann und wo wird sie Owen wiedersehen? Ein wunderbarer neuer Schmöker von Jennifer Smith (“Geschmack von Glück”) – hochromantisch, unterhaltsam und trotzdem mit Tiefgang.

 

Cover und Titel

In das Cover habe ich mich sofort verguckt. Ich mochte den Hinweis auf New York, durch die abgebildete Skyline der Stadt, die Scherenschnitte des jungen Paares im Vordergrund und am allermeisten, dass das Cover wie ein alter Brief bzw. eine alte Postkarte gestaltet ist. Als großer Fan von Briefromanen habe ich einen solchen hinter diesem Roman vermutet und war deshalb von dieser Optik ganz begeistert.

Der Titel lässt keine Zweifel offen, dass es sich hier um eine Liebesgeschichte handelt. „Dich immer wiedersehen“ impliziert allein durch den Titel viel Dramatik. Auch wenn es kein Titel ist, der im Kopf bleibt, passt er zum Inhalt des Buches. Der Originaltitel „The Geography of you and me“ ist natürlich – wie so oft – noch viel treffender, aber ich verstehe, dass eine 1:1 Übersetzung vermutlich ein komischer deutscher Titel gewesen wäre.

 

Mein Eindruck

 „Dich immer wiedersehen“ beginnt wie eine typische Liebesromanze: Junge und Mädchen, die sich nicht kennen, stecken im Fahrstuhl fest und lernen sich dadurch kennen. Zunächst war ich von diesem Klischee ein bisschen enttäuscht, aber was danach folgte, hat mich schwer begeistert. Die Geschichte nimmt nach diesem ersten Kennenlernen an Fahrt auf und verläuft nicht so stringent wie es für ein Jugendbuch üblich ist.

Die Liebesgeschichte rückt im Mittelteil eher in den Hintergrund, stattdessen stehen die Protagonisten – jeder für sich – im Mittelpunkt. Es geht um ihre Familien, ihren Alltag und ihre Sorgen. Damit verleiht Jennifer E. Smith ihrer anfangs als seichte Teenie-Romanze daherkommenden Geschichte viel mehr Tiefe als man zu Beginn vermutet. Es geht hier nicht primär um große romantische Gefühle oder erste sexuelle Erfahrungen, sondern vielmehr um Seelenverwandtschaft und das Erwachsenwerden, dem Auseinandersetzen mit der Frage, wie man sich die eigene Zukunft vorstellt und natürlich darum, ob eine Beziehung – egal ob Freundschaft oder mehr – auch trotz tausender Kilometer Entfernung fortbestehen kann.

Jennifer E. Smith gelingt es mit viel Feingefühl die Balance zwischen rührender Lovestory und der ernsthaften Auseinandersetzung mit den Problemen der Protagonisten herzustellen. Ihr Schreibstil überzeugt außerdem durch einen witzigen Schlagabtausch nach dem anderen sowie wechselnde Perspektiven, die es ermöglichen die Protagonisten besser kennenzulernen.

„Dich immer wiedersehen“ zeichnet sich aber nicht nur durch Jennifer E. Smiths Erzähltalent aus, sondern auch durch wunderschöne verschiedene Schauplätze. Sei es New York, London oder Paris – die Autorin schafft es jedes Mal eine authentische Atmosphäre zu schaffen, in der ich mich sofort heimisch und wohlgefühlt habe.

Einen Kritikpunkt gibt es aber trotzdem: Das Ende fand ich ein wenig enttäuschend. Die Konflikte wurden für meinen Geschmack zu schnell aufgelöst, dafür dass sie doch recht schwerwiegend waren. Gerade Lucys familiären Schwierigkeiten lösen sich in wenigen Sätzen in Wohlgefallen auf. Das hat mich angesichts der bis dato authentischen Auseinandersetzung mit der Thematik sehr irritiert.

 

Mein Fazit:

„Dich immer wiedersehen“ ist nicht nur eine romantische Geschichte über eine Liebe trotz großer Entfernung, sondrn zugleich Reise durch verschiedenste Städte und eine Hommage an die alte Kommunikationsform des Postkartenschreibens. Die Autorin überzeugt außerdem durch witzige Dialoge und eine spannenden Plot. Ein echtes Wohlfühl-Buch!

 

Bewertung4

 

Vielen Dank an den Carlsen Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

 

Weitere Rezensionen zum Buch: