|Rezension| Das Glück, wie es hätte sein können – Veronique Olmi

Verwirrend, verstörend – definitiv anders! 

Verlag: Kunstmann
Gebundene Ausgabe: 19,95 Euro 

Ebook: 15,99 Euro

  224 Seiten 

Erscheinungsdatum: 14. Mai 2014

Kaufen? amazon oder Verlag

„Er legte die Zunge an den Grat ihrer Nase, voilá, er nimmt ihn mit, diesen kleinen Salzgeschmack, das ist der Geschmack der Frauen.“ 

Worum geht´s?

Als Suzanne in Serges Haus in Montmartre kommt, um das Klavier seines Sohnes zu stimmen, bemerkt er sie zunächst gar nicht. Hat er nicht alles, wovon ergeträumt hat: Erfolg in seinem Beruf als Immobilienmakler, eine attraktive, viel jüngere Frau, zwei reizende Kinder? Dennoch beginnt er Suzanne zu folgen, sobald er sie zufällig wiedersieht, wartet Stunden im Regen vor ihrem Haus. Was verbindet ihn mit dieser Frau, die weder jung noch schön ist, ein ganz anderes Leben führt – und warum öffnet sie ihm ohne zu zögern die Tür? Bald treffen sich die beiden Liebenden an unmöglichen Orten, in leerstehenden Wohnungen; bald beginnen sie sich Dinge zu erzählen, von denen kein anderer weiß – bis Serge ein lange gehütetes Kindheitsgeheimnis aufdeckt, das sein Leben änderte. Um eine amour fou und versteckte, verleugnete Wahrheiten geht es in Véronique Olmis neuem Roman, um Musik und die Schlüsselpunkte, an denen ein Leben urplötzlich aus dem Takt gerät und der nächste Schritt, der richtige Ton über alles entscheidet.

Cover und Titel:
Bei diesem Roman muss ich zuerst den wunderschönen Titel loben. Ich liebe ja solche leicht melancholischen Buchtitel. Das Cover versprüht durch seine Grautöne ebenfalls eine gewisse Melancholie und passt natürlich durch die Darstellung der Frau am Klavier im Hintergrund wunderbar zum Inhalt des Buches. Für Cover und Titel gibt es deshalb auf jeden Fall schon mal volle Punktzahl!  

  

Mein Eindruck:
Was erwartet man bei solch einem Klappentext? Ganz klar: die Geschichte einer Affäre. Was bekommt man? Ja, es ist die Geschichte einer Affäre, aber es ist vor allem auch die Geschichte über einen Mann, der mit seinen 60 Jahren noch nicht mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hat.  Dies kam für mich dann doch recht überraschend, da ich erwartet habe, dass die amour fou im Mittelpunkt der Geschehnisse steht. Vielmehr stehen Serge und seine Probleme im Mittelpunkt. Nach meiner anfänglicher Verwirrung und Enttäuschung über diese Tatsache, habe ich mich aber schnell mit dem Verlauf der Geschichte arrangieren können. Ohne Zweifel ist diese Geschichte spannend, aber wenig emotional. Véronique Olmi hat einen ganz besonderen Sprachstil, der einerseits nüchtern und direkt (Zwischenmenschliches), andererseits bildlich und verspielt (Beschreibung von Orten) ist – für mich typisch französisch. 
Während die Geschichte ihren Lauf nimmt, wechseln die Perspektiven und die Zeiten ohne das dies (bspw. mittels Kapitelüberschriften) gekennzeichnet ist, was bei mir teilweise für große Verwirrung gesorgt hat. Es wird dadurch schwierig, dem Geschehen zu folgen, aber irgendwie schafft man es doch immer wieder sich in die Geschichte einzufinden.
Mein Fazit: „Das Glück, wie es hätte sein können“ ist genau das, was der Titel vermuten lässt: eine melancholische Geschichte über die Liebe, verpasste Chancen und die Last der Vergangenheit. Wer lediglich eine romantische/erotische Liebesgeschichte lesen möchte, ist mit diesem Buch nicht gut beraten.

Vielen Dank an den Kunstmann Verlag und vorablesen.de für dieses Rezensionsexemplar!