|Rezension| Das Ehespiel – Kate Christensen

Eine Geschichte, deren Ende alles verdirbt…

 

 

91guKEfsJSLVerlag: Droemer
Übersetzer: Kristina Lake-Zapp
Originaltitel: The Astral
Gebundene Ausgabe: 19,90 Euro
Ebook: 17,99 Euro
Erscheinungsdatum: 02.03.2015
432 Seiten
„>Liebe< war ein Wort für die Jungen und Hoffnungsvollen. Ich wollte alt werden und mit der Frau dem Tod entgegengehen, mit der ich so viel erlebt hatte, mein ergrauter, altgedienter Kamerad aus gemeinsam durchgestandenen Kriegen. Ich wollte mir meine Erinnerungen bis zum Schluss erhalten, und zwar genau dort, wo ich sie herhatte. […] Vielleicht war das eine Art von Liebe. Vielleicht war es sogar mehr als das: Vielleicht hatten Luz und ich die Liebe zwischen Mann und Frau in ihrer höchsten Form erreicht. Nicht dass mir das im Augenblick etwas genützt hätte.“ (S. 56f.)

 

Worum geht´s?

New York: Der Dichter Harry ist seit dreißig Jahren mit Luz verheiratet. Sie haben zwei erwachsene Kinder, einen großen Freundeskreis und lieben ihr Brooklyner Apartment. Als Luz eines Tages in Harrys Notizen blättert und auf Gedichte über eine andere Frau stößt, ist sie davon überzeugt, dass er sie betrügt. Obwohl Harry unschuldig ist, wirft sie ihn aus der Wohnung und dem gemeinsamen Leben. Harry ist fassungslos. Er versucht, zu Luz durchzudringen, doch schnell beschleicht ihn das surreale Gefühl, dass sie sich trotz dreißig gemeinsamer Ehejahre völlig fremd sind. Kate Christensen bewegt sich virtuos auf der Klaviatur der Charakterzeichnung und entwirft das scharfzüngige, lakonische und anrührende Portrait einer New Yorker Ehe.

 

Cover und Titel

Sowohl Cover als auch Titel von „Das Ehespiel“ haben mich sofort neugierig gemacht. Es wird sofort klar, dass es sich hier um einen anspruchsvollen Roman über eine Ehe handelt. Das Covermotiv bei dem die Skyline einer Stadt (New York – wie man aus dem Klappentext entnehmen kann) sowie eine Frau, von der man nur die nackten Beine sieht und die aus dem Fenster schaut, sieht, lassen viel Raum für Spekulationen über den Inhalt, was mir gut gefällt. Interessant ist, dass die hier abgebildeten Frauenbeine die Vermutung nahelegen, dass im Roman auch eine Frau im Vordergrund steht – dies ist allerdings nicht der Fall.

Lobend erwähnt werden muss noch der deutsche Titel „Das Ehespiel“, den ich für sehr gelungen halte. Mit dem Originaltitel „The Astral“ können die deutschen Leser nämlich vermutlich nicht viel anfangen, da er das Gebäude, in dem die Protagonisten leben, bezeichnet.

 

Mein Eindruck

Wie der Titel schon unmissverständlich nahelegt ist dies die Geschichte einer Ehe, die damit beginnt, dass der Mittfünfziger Protagonist Harry bereits von seiner Frau Luz, mit der er seit 30 Jahren verheiratet ist, vor die Tür gesetzt wurde. Und damit beginnt die Schilderung seines Leidensweges und vieler Rückblenden, die zu jenem Punkt geführt haben. Nach und nach erfährt der Leser mehr Details über die Beziehung der beiden, ihre mittlerweile erwachsenen Kinder, von denen eines momentan in einer Sekte gelandet ist, was Harry und seine ohnehin schon mehr als schwierige Beziehung zu seiner Noch-Ehefrau noch komplizierter macht.

Auf den ersten 200 Seiten steht vor allem eines im Mittelpunkt: Das Leid Harrys. Dies ist zwar vor dem Hintergrund, dass dieser Roman von einer Frau geschrieben wurde, interessant, da es Kate Christensen gut gelingt, die Gefühle eines Mannes authentisch darzustellen. Andererseits dachte ich mir nach ca. 100 Seiten: „Meine Güte, nun reiß dich mal zusammen, du Jammerlappen.“ Harry ging mir einfach auf die Nerven  – seine ziemlich durchgeknallte Frau im Übrigen auch. Harry ist zu allem Überfluss auch noch ein mittlerweile wenig erfolgreicher Dichter, der sich durch die Trennung von seiner Frau mit Aushilfsjobs über Wasser halten muss, was seine jämmerliche Lage noch verstärkt.

Neben der Gefühlswelt des Protagonisten legt die Autorin außerdem viel wert auf die Beschreibung der Schauplätze ohne sich der typischen Klischees zu bedienen. Obwohl sowohl auf dem Cover als auch auf dem Klappentext New York als Schauplatz thematisiert wird und man vermuten könnte, dass man als Leser nun mitgenommen wird zu den New Yorker Hotspots, verzichtet Kate Christensen schon fast auffällig auf die Erwähnung eben jener „Highlights“ und konzentriert sich viel mehr auf das New York der New Yorker und nicht das New York der Touristen.

Der Schreibstil der Autorin ist gewöhnungsbedürftig: In gehobener Sprache mit diversen Begriffen, die ich tatsächlich nachschlagen musste und wenig wörtlicher Rede liegt der Fokus auf der Innenschau des leidenden Mannes, von der sich einige Aspekte ständig wiederholen und weniger auf einer fortschreitenden Handlung. Das machte es für mich mühselig am Ball zu bleiben.

Wirklich interessant fand ich die Nebenhandlung: Kurz nach der Trennung stellt Harry fest, dass sein 26-jähriger Sohn Mitglied einer Sekte ist und versucht nun gemeinsam mit seiner Tochter den Sohn vom Sektencharakter seiner „neuen Familie“ zu überzeugen. Die Autorin schildert sehr glaubhaft was den Sohn an dieser Gruppierung fasziniert und wo andererseits ihre Gefahren liegen. Wäre dieser Nebenstrang der Geschichte nicht gewesen, hätte ich den Roman vermutlich nicht zu Ende gelesen. Umso schlimmer, dass dieser Aspekt der Handlung am Ende völlig offen bleibt, was letztlich dazu geführt hat, dass ich dieses Buch nicht weiterempfehlen würde.

Man kann dem Buch vorwerfen, ein bisschen zu wenig Handlung für 432 Seiten zu bieten. Es besteht größtenteils aus der Innenschau des leidenden Harry, aus dessen Sicht der Roman geschrieben ist. Obwohl psychologisch glaubhaft und überzeugend, kommt es hier zu einigen Wiederholungen, die vermeidbar gewesen wären. Auch gibt es keinen richtigen Höhepunkt. Der Roman plätschert so dahin.

 

Mein Fazit:  Das faszinierende am „Ehespiel“ ist die Tatsache, dass hier eine Frau auf 430 Seiten das Gefühlsleben eines Mannes präsentiert und dies mittels eines anspruchsvollen Erzählstils. Aufgrund der dahin plätschernden Handlung ohne Höhepunkte, einem unbefriedigenden Ende und nervigen Protagonisten kann ich diesen Roman nicht weiterempfehlen.

Bewertung2

Vielen Dank an Droemer Knaur für dieses Rezensionsexemplar.

 

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