|Rezension| Broken. Der Moment, in dem du fällst – Tabitha Suzuma

Zu viel Drama und damit unglaubwürdig

 

417jrUXTT7LVerlag: Oetinger
Originaltitel: Hurt
Übersetzung: Bernadette Ott
Gebundene Ausgabe: 17,99 Euro
Ebook: 13,99 Euro
Erscheinungsdatum: 22.02.2016
384 Seiten
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Worum geht´s?

Matheos Leben scheint perfekt: Er ist beliebt, talentiert und hat in Lola seine große Liebe gefunden. Bis zu dem Tag, an dem etwas Schreckliches geschieht. Etwas so Schreckliches, dass es Matheo unmöglich ist, Worte dafür zu finden, und er es tief in seinem Inneren vergräbt. Doch ganz allmählich kehrt die Erinnerung an das Geschehene zurück. Und mit ihr das unaussprechliche Grauen, das sogar die Liebe zwischen Lola und ihm zu zerstören droht…

 

Cover und Titel

Das Cover dieses Buches hat mich sofort angesprochen. Die Aufteilung des Covers ist durch den vertikalen Titel und das Foto am rechten Bildrand originell und fällt damit sofort ins Auge. Durch den abgebildeten Männerkörper, der einen Turmspringer darstellt, wird eine wichtige Thematik der Geschichte bildlich dargestellt.

Den Titel „Broken“ halte ich für nicht sehr gelungen, weil er irgendwie so nichtssagend ist. Dahinter könnte alles und nichts stecken. Der Untertitel „Der Moment, in dem du fällst“ gefällt mir hingegen aufgrund seiner Zweideutigkeit, die sich zum einen auf einen Akt beim Turmspringen, zum anderen auf einen Gefühlszustand bezieht, sehr gut, weil er eben zwei wesentliche Aspekte des Romans beschreibt.

Mein Eindruck

„Broken“ ist mein erster Roman der Autorin, der mich vor allem durch seinen Klappentext und das originelle Cover neugierig gemacht hat.

Der Einstieg in die Geschichte ist heftig. Der Prolog ist genau so wie ein Prolog sein sollte: Er wirft den Leser mitten in die Geschichte, baut Spannung auf und führt in die Gedanken des Protagonisten Matheo ein, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird. Die nächsten Kapitel lesen sich wie eine locker leichte Jugend-Liebesromanze, man erfährt etwas über Matheos Alltag als Schüler und Turmspringer, seine Beziehung zu Lola und über dessen beste Freunde.

Dann ereignet sich etwas Schreckliches, das Matheos Leben komplett verändert. Und leider wird die Geschichte ab da unglaubwürdig. Damit will ich nicht sagen, dass dieses schreckliche Ereignis an sich unglaubwürdig ist. Im Gegenteil: Ich finde, die Thematik ist gut gewählt und bietet definitiv Potential für eine ernsthafte Auseinandersetzung. Leider verwandelt die Autorin ihren Protagonisten danach in eine Dramaqueen. Was ihm passiert ist, ist schrecklich, keine Frage. Und seine Leiden müssen thematisiert werden – das steht auch gar nicht zur Debatte. Aber dies geschieht so überzogen und überdramatisiert, dass mir leider sämtliche Empathie verloren ging. Matheo und seine Gedanken gingen mir einfach nur schrecklich auf die Nerven. Auch sein (nicht) Handeln war für mich nicht nachvollziehbar. Ich weiß nicht, ob es an der Übersetzung liegt oder ob diese dramatischen Ausdrücke a la „Ich bin innerlich tot.“, die sich außerdem ständig wiederholen, auch von Tabitha Suzuma so intendiert waren – Fakt ist: Es ist zu viel des Guten und bewirkt das Gegenteil. Ich bin letztlich über diese Passagen nur noch drüber geflogen, weil ich sonst wohl vor Genervtheit geplatzt wäre.

Gut und authentisch hat Tabitha Suzuma die Thematik „Turmspringen“ verarbeitet. Die Gefühle eines Turmspringers vor, während und nach dem Springen waren nicht nur interessant, sondern für mich auch glaubwürdig und augenscheinlich gut recherchiert.

Was der Autorin gut gelungen ist, sind die Überraschungsmomente im Verlauf der Geschichte. So zieht sich nicht bis mindestens zur Mitte des Romans die Aufklärung dessen, was nun eigentlich Schreckliches passiert ist, hin. Auch bzw. vor allem das Ende hat mich wirklich überrascht und wieder etwas mit dem Roman versöhnt. Auch wenn dieses leider auch nicht sehr glaubwürdig war, hat mir zumindest der Überraschungseffekt gefallen. Der Witz ist: Sowohl auf der Verlagshomepage als auch beim großen Online-Buchhändler mit A… wird in der Kurzbeschreibung eigentlich bereits alles entscheidende verraten. WARUM? Ich bin sehr froh, dass ich diese erst hinterher gelesen habe. Denn ansonsten hätte ich dieser Geschichte wohl keine wohlwollenden 3 Sterne gegeben.

 

Mein Fazit: „Broken“ ist ein Roman, der sein Potential aufgrund einer Überdramatisierung der Gefühle des Protagonisten leider verschenkt. Auch wenn die Thematik durchaus spannend ist und es der Autorin gut gelingt die entscheidenden Ereignisse unvorhersehbar zu lassen (wenn man die Kurzbeschreibung im Internet nicht gelesen hat), kann ich diesen Roman nur Fans großer Gefühlsausbrüche empfehlen. Mein Fall war es nicht.

 

Bewertung3

 

Vielen Dank an den Oetinger Verlag und Katja von der Netzwerkagentur Bookmark für dieses Rezensionsexemplar.

 

 Weitere Rezensionen zum Buch:
  • Liebe Evi,
    auch wenn unsere Kritikpunkte nicht ganz die gleichen sind, so freue ich mich doch irgendwie, dass unser Geschmack ähnlich ist.
    Also eigentlich ist es schade, dass das Buch nicht so treffend war, aber andererseits bin ich so nicht komplett allein mit meiner Meinung. 🙂
    Liebe Grüße,
    Ramona