|Rezension| Aschermittwoch – Ethan Hawke

Dieses Mal bin ich leider nicht „hin und weg“…

 

Taschenbuch: 10,99 Euro
Ebook: 9,99 Euro
Erscheinungsdatum: 11.08.2016
352 Seiten
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„Das Beste an der Jugend, war die Tatsache, dass man als >vielversprechend< gelten konnte. Aber mittlerweile lag ein ziemlich großes Stück meines Leben hinter mir, und fast alles davon war bestenfalls mittelmäßig verlaufen.“ (S.258)

 

Worum geht´s?

Es fängt an mit einem Ende. Ein Mann verlässt eine Frau. In einer Krankenhauscafeteria in New York verkündet Jimmy der völlig überraschten Christy, es sei aus, ohne jedoch zu ahnen, dass ihrer beider Geschichte damit erst wirklich losgeht. Christy, zutiefst verunsichert, macht sich auf den Weg zu ihrer Familie nach Texas. Jimmy, der seinen Entschluss sofort bereut, nimmt die Verfolgung auf. Sein mit aller Verve vorgebrachter Heiratsantrag wirft Christy kurzzeitig aus der Bahn. Heiraten bedeutet auch Abschied nehmen. Und so wird ihre gemeinsame Fahrt nach Houston zu einer Reise in die eigene Vergangenheit, die sie mit den verborgenen Quellen ihrer Ängste, Leidenschaften und Hoffnungen konfrontiert.

 

Cover und Titel

Wenn dieser Roman nicht von Ethan Hawke wäre, hätte ich ihn vermutlich in der Buchhandlung ignoriert. Aschermittwoch ist ein Titel, der mich als Atheist und Karnevals-Verweigerer-so gar nicht anspricht. Auch wenn dieser Tag in der Geschichte einen Wendepunkt darstellt, finde ich ihn für den Roman unpassend. Ich war deshalb ganz neugierig auf den Originaltitel, der oft viel gelungener ist. Nun ja, dieser heißt in diesem Fall „Ash Wednesday“… Man kann dem KiWi Verlag also wirklich keinen Vorwurf machen.

Das Cover wiederum gefällt mir ganz gut. Man sieht im Zentrum lediglich ein Straßenschild mit Pfeilen. Dies lässt sich einerseits auf den Roadtrip beziehen, auf dem die Protagonisten sich befinden, andererseits könnte man es auch als „Wegweiser in die Zukunft“ interpretieren. Definitiv ergeben Covermotiv und Inhalt ein harmonisches Ganzes.

 

Mein Eindruck

Von Ethan Hawke habe ich bisher „Hin und Weg“ gelesen, dem ich sehr skeptisch gegenüberstand (Schuster bleib bei deinen Leisten- kann ein Schauspieler wirklich Schreiben?), aber letztlich wirklich angetan war. Deshalb hatte ich mich sehr auf „Aschermittwoch“ gefreut. Der Klappentext verspricht einen Beziehungsroman inklusive Roadtrip – spannende Mischung.

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir allerdings schwer. Jimmy, Soldat und Protagonist der Story, ist nicht gerade ein Sympathieträger. Er trinkt, nimmt Drogen und hat gerade seine Freundin verlassen. Soweit die Ausgangssituation. Wie der Klappentext bereits verrät, kommt es Dank eines spontan hervorgebrachten Heiratsantrags (Jimmy bereut den Schlussstrich) dazu, dass er mit seiner Nun-doch-wieder-Freundin Christy im Auto auf dem Weg nach Texas sitzt. Beide denken viel über ihre Beziehung nach, ohne ihre Gedankenwirklich auszusprechen. Rückblenden in die Vergangenheit beider Protagonisten helfen dem Leser dabei diese Gedankenströme, die ständig zwischen den Extremen (Ich liebe ihn/sie. Ich verlasse ihn/sie.) hin und herspringen, zu entwirren.

Was mich bei diesem Roman gestört hat, ist die Tatsache, dass die Männerperspektive stets so präsent ist. Vermutlich fand ich deshalb bis zuletzt keinen Zugang zu Christy und Jimmy. Am Ende hat mich deren Hin und Her einfach nur genervt. Ich verstehe den Gedanken des Autors eine Beziehung in ihrer Ambivalenz darstellen zu wollen. Aber dafür waren mir die Figuren zu extrovertiert, zu überzeichnet und damit nicht authentisch. Obwohl die Erzählperspektive zwischen Jimmy und Christy wechselt, hatte ich immer das Gefühl, das der weibliche Part zu kurz kommt. Immer wieder dreht es sich um Jimmys Unzufriedenheit mit seinem Leben, das Gefühl nichts erreicht zu haben und der Überforderung durch eine ernsthafte Beziehung einerseits und der Angst Christy zu verlieren andererseits.

Ethan Hawkes Schreibstil wirkte zum Teil unbeholfen. Obwohl er in dieser Geschichte wirklich viele kluge Gedanken äußert, die mich letztlich auch dazu bewogen haben, den Roman zu Ende zu lesen, kam kein richtiger Lesefluss bei mir auf. Ich hatte eher den Eindruck er schreibt wie es ihm gerade in den Sinn kommt und hatte teilweise Schwierigkeiten dran zu bleiben. Es gibt viele Nebenstränge und Einschübe, die anfangs sehr ermüdend sind, weil man deren Bedeutung nicht einordnen kann.

Das Ende hat mich ziemlich überrascht. Ich hätte angesichts des Verlaufs der Geschichte etwas anderes erwartet. Gerade deshalb hat es mir aber gefallen, weil es der Story etwas von ihrer sonst stets latenten Tristesse nimmt.

 

Mein Fazit:

„Aschermittwoch“ reicht leider nicht an Ethans Hawkes Debüt „Hin und Weg“ heran. Auch wenn ich das Grundgerüst der Geschichte interessant und das Ende gelungen fand, konnte mich Hawkes Erzählstil, dem die Stringenz fehlt, dieses Mal nicht überzeugen.

 

Bewertung3

 

Vielen Dank an Kiepenheuer&Witsch für dieses Rezensionsexemplar.