|Rezension| Apfelrosenzeit – Anneke Mohn

Ganz anders als das Cover vermuten lässt…

 

ApfelrosenzeitVerlag: Rowohlt
Taschenbuch: 9,99 Euro
Ebook: 9,99 Euro
Erscheinungsdatum: 19.10.2014
320 Seiten
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„Außerdem wollte sie sich in Büchern verlieren, sich mitreißen lassen, statt sie immer gleich analysieren zu müssen.“ (S. 118)

Worum geht´s?

Das Haus mit den Apfelrosenhecken steckt voller Erinnerungen: Hier haben Sanne, Fritzi, Mona und Kirsten zu Studienzeiten in einer WG gelebt. 15 Jahre später treffen sich die Freundinnen wieder vor dem Haus an der Kieler Förde. Um es zu entrümpeln – denn es steht leer, seit Isa, die fünfte im Bunde, bei einem Autounfall starb. Sofort ist die alte Vertrautheit wieder da: Tagsüber wird ausgeräumt, abends bei Rotwein über das Leben geredet. Doch jede der Frauen hat Geheimnisse, die sie lieber nicht erzählt. Als an einem kalten Dezembertag die Heizung ausfällt und sich die Freundinnen um den warmen Ofen versammeln, kommt es zum Eklat. Und nichts ist mehr, wie es einmal war.

 

Cover und Titel

Wenn mir dieser Roman in der Buchhandlung begegnet wäre, hätte ich ihn vermutlich nicht in die Hand genommen. Der Titel „Apfelrosenzeit“ in Kombination mit dem Coverbild hat bei mir irgendwie den Anschein eines Romans für Frauen ab 40 erweckt. Ich weiß auch gar nicht sor recht warum. Vermutlich hat mich das Buch durch die dezente Farbgebung, die Hagebutten und den floralen Titel einfach nicht angesprochen. Ich kann nicht mal sagen, dass mir Titel und Cover nicht gefallen – im Gegenteil: Sie bilden eine wunderbare Einheit. Allerdings fühle ich mich dadurch einfach als Zielgruppe nicht angesprochen und das ist eigentlich schade. Als ich aber dann den Klappentext gelesen habe, hat mich die Geschichte um die vier Freundinnen mit ihren Geheimnissen sofort angesprochen.

 

Mein Eindruck

„Apfelrosenzeit“ ist ein Roman, den ich mir ohne große Erwartungen vorgenommen habe und der mich schließlich – völlig unerwartet – persönlich sehr berührt hat.
Die Autorin, Anneke Mohn, unterteilt ihren Roman „Apfelrosenzeit“ in Ober- und Unterkapitel, was der Geschichte eine angenehme Struktur gibt. Während die Oberkapitel mit Monatsangaben überschrieben sind und damit die zeitliche Ebene regeln, tragen die Unterkapitel die Namen der vier Protagonistinnen: Sanne, Fritzi, Mona und Kirsten. Bei der Erzählweise hat sich die Autorin für die personale Erzählperspektive entschieden, was ich als sehr angenehm empfand, da heutzutage so viel Romane aus der Ich-Perspektive erzählt werden. Überhaupt merkt man meines Erachtens sehr, dass die Autorin selbst als Lektorin gearbeitet hat, denn sprachlich ist dieser Roman wirklich absolut erstklassig. In einer wunderschönen Sprache, die nicht zu nüchtern und nicht zu blumig ist, erzählt sie eine tiefsinnige Geschichte über Liebe, Freundschaft, Betrug und Vergebung. Dabei gelingt es ihr hervorragend, dass sich die emotionalen und humorvollen Szenen die Waage halten. Es werden viele Probleme in der Geschichte verarbeitet, die aber ausnahmslos nicht nur an der Oberfläche behandelt, sondern ernsthaft und glaubhaft thematisiert werden. Gleichwohl gibt es jede Menge witzige Passagen, die ein bisschen an Sex and the city erinnern. Eine Serie, die scheinbar auch der Autorin am Herzen liegt, da sie diese gleich zu Beginn zitiert und damit auf der ersten Seite sofort mein Herz gewonnen hat. Ebenfalls zitiert werden einige Songtexte und auch mit diesen hat Anneke Mohn bei mir genau ins Schwarze getroffen. Diese Songschnipsel werden immer mal wieder an passenden Stellen eingestreut und vermitteln noch mehr Emotionen. Einfach wunderschön.
Wovon dieser Roman aber eigentlich lebt, sind seine Protagonistinnen. Alle vier sind absolut authentische Charaktere, zwar sehr unterschiedlich, aber keine klischeehaften Typen a la „der Vamp“, „die Hausfrau“, etc., sondern starke Persönlichkeiten, mit Ecken und Kanten, in denen man ein Stück von sich selbst wiederfindet. Sie sind sowohl äußerlich als auch innerlich so gut beschrieben, dass man sie förmlich vor sich sieht und am Ende das Gefühl hat, man wäre eine von ihnen.

 

Mein Fazit: „Apfelrosenzeit“ ist ein unterhaltsamer, gefühlvoller Frauenroman, der in leisen, ansprechenden Tönen eine wunderschöne, absolut unkitschige Geschichte über Liebe, aber vor allem Freundschaft erzählt. Dies war mein erster Roman von Anneke Mohn, aber mit Sicherheit nicht mein letzter und ich freue mich schon jetzt darauf, ihren Vorgängerroman „Kirschsommer“ zu lesen.

bewertung5

Vielen Dank an Anneke Mohn und den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

  • Juliana

    Das klingt wunderschön, eine wirklich lesenswerte Rezi und wie es aussieht ein ebenso lesenswertes Buch, das merke ich mir gleich mal 🙂

    Liebe Grüße
    Juliana

    • booksinmyworld

      Liebe Juliana,
      danke für deine lieben Worte! Das Buch ist in der Tat lesenswert. Vielleicht hast du ja Lust bei der momentanen Blogtour zum Roman mitzumachen. Mit ein bisschen Glück kannst du da nämlich das Buch gewinnen.

      Liebe Grüße
      Evi

      • Juliana

        Danke für den Tipp/Hinweis 🙂 bin auf jeden Fall sehr neugierig und werde bei eurer Blogtour gleich mal vorbeischauen, in der Hoffnung noch nicht zu spät zu sein 😉

        Liebe Grüße
        Juliana

  • Lottas Buecher

    Hallöchen liebste Evi,
    ich habe in den social Media Kanälen verfolgt wie du dieses Buch gelesen hast und fand deine Fotos und Zitate sehr ansprechend. Ich weiß nicht genau ob das Buch was für mich wäre, aber es ist schön, dass es dir so gut gefallen hat. Und anderen anscheinend auch 😀 Kommentar unter mir.
    Liebst, Lotta

    • booksinmyworld

      Liebste Lotta,
      danke für deinen tollen Kommentar. Mich persönlich hat das Buch aufgrund einiger angesprochener Probleme, die mich und mein Umfeld auch betreffen, sehr berührt. Dazu noch die Zitate aus „Sex and the city“ (die wohl beste Serie aller Zeiten) und von so schönen Songs wie „Ohne dich“… Da bleibt mir gar nichts anderes übrig als volle Punktzahl zu vergeben 🙂 Wenn du aber generell nicht so der Frauenroman-Typ bist, ist es vielleicht wirklich nichts für dich. Aber wir müssen ja nicht immer einer Meinung sein 🙂
      Liebste Grüße
      Evi

  • Eine wundervolle Rezension.
    Und einen Eindruck mit den Protagonistinnen teile ich ja zu 100%.
    Absolut keine stereotypen Figuren.
    Ach, es war so schön. 🙂
    Liebe Grüße,
    Ramona

    • booksinmyworld

      Vielen Dank, liebe Ramona und bitte entschuldige die späte Antwort!
      Gerade dass die Figuren keine Stereotypen sind, macht den Roman in meinen Augen aus.

      Liebe Grüße
      Evi