|Rezension| Alles so leicht – Meg Haston

„Alles so leicht“ ist alles andere als leicht…

 

 

919pPmuJYbLVerlag: Thienemann
Übersetzer: Alexandra Ernst
Originaltitel:Paperweight
Gebundene Ausgabe: 19,90 Euro
Ebook Leseprobe: 0,00 Euro
Erscheinungsdatum: 13.07.2015
320 Seiten
„Ja, die Krankheit hat einen Preis von uns gefordert. Sie hat sich wie eine Krebszelle an unsere Familien geklammert, an unsere Zeit und sogar an unseren Herzschlag. Aber sie hat und auch etwas gegeben. Durch sie konnte ich die Welt durch einen Schleier betrachten, ohne die Dinge sehen zu müssen, wie sie wirklich waren. ES wäre einfach zu viel gewesen, meinem Leben ins Gesicht zu schauen.“ (S. 272)

 

Worum geht´s?

Stevie hat nichts mehr zu verlieren. Sie ist fest entschlossen, aus diesem Körper, aus diesem Leben zu verschwinden. Aber alle wollen sie daran hindern. Ihr Vater, der sie ins Therapiezentrum einweisen ließ. Anna, die so ganz anders ist als die anderen Seelenklempner. Und selbst den Mädchen, mit denen sie ein Zimmer und ein Schicksal teilt, fühlt sich Stevie jeden Tag näher. Aber sie wird sich nicht öffnen, sie hat schließlich einen Plan.

 

Cover und Titel

Bei Cover und Titel dieses Romans stimmt einfach alles: Die Schlichtheit der Buchstaben, das dezente Covermotiv – einfach ein perfektes Zusammenspiel der Elemente. Und trotz seiner Schlichtheit springt es einem sofort ins Auge, oder?

Interessant finde ich außerdem, dass das Covermotiv zwar perfekt zum Titel passt, aber nichts vom Inhalt verrät. Zumindest konnte ich von den Wolken und Ballons, die an der menschlichen Hand hängen, nicht auf das Thema des Romans schließen. Dass es in diesem Roman von einem Mädchen mit einer Essstörung handelt, kann man nur anhand des Klappentextes erahnen.

Vergleicht man nun die deutsche Ausgabe mit der amerikanischen Originalausgabe, fallen zwei Dinge sofort auf: Der Thienemann Verlag hat sich beim deutschen Cover am Originalcover orientiert, allerdings ist auf diesem die Hand umgedreht abgebildet und die Stricke sind deutlicher zu sehen, so dass meines Erachtens besser klar wird, dass die Wolken und Ballons die Hand emporheben bzw. tragen. Außerdem hat der Originaltitel „Paperweight“ nicht viel mit dem deutschen Titel „Alles so leicht“ zu tun, da er übersetzt „Briefbeschwerer“ bedeutet, was in der Tat ein ziemlich unglücklicher deutscher Titel gewesen wäre.

 

Mein Eindruck

Was mich an diesem Roman so neugierig gemacht hat, war neben dem unglaublich spannend formulierten Klappentext die Tatsache, dass es sich bei Meg Hatson um eine Autorin handelt, die selbst einmal an einer Essstörung erkrankt war und damit eine Geschichte schreibt, die zumindest in Teilen autobiografisch ist.

Zu Beginn hatte ich ein wenig Probleme mich in die Protagonistin Stevie hineinversetzen zu können. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber ich konnte den Auslöser der Krankheit nicht so recht nachvollziehen. Dies wird aber immer klarer je weiter der Plot fortschreitet. Ich kann auch nicht gerade behaupten, dass Stevie mir von Anfang an sympathisch war, aber genau das machte die Geschichte wiederum spannend – ich wollte mich unbedingt mit ihr auseinandersetzen und herausfinden, warum sie so ist wie sie ist. Außerdem baut Meg Hatson zusätzlich Spannung auf, indem sie den Leser lange Zeit darüber im Unklaren lässt, was mit Stevies Bruder passiert ist.

Unterteilt ist die Geschichte in einzelne Kapitel, die jeweils einen Tag ihrer Therapie beschreiben, sprich die Geschichte setzt ein als Stevie von ihrem Vater in die Therapieeinrichtung eingewiesen wurde. In einem angenehmen Schreibstil gelingt es der Autorin die Hintergründe und auch den Kampf gegen eine Essstörung nachzuzeichnen.  Man merkt vom Anfang bis zum Ende wie viel Herzblut und persönliche Note in dieser Protagonistin und ihren Gefühlen steckt, sprich, dass die Autorin ganz genau weiß wovon sie da schreibt. Ich will mir gar nicht vorstellen wie es für Betroffene sein mag, diesen Roman zu lesen – vermutlich sehr, sehr bewegend, da man sich in Vielem, das Stevie über ihre Beweggründe, ihre Gefühle bei der Nahrungsaufnahme oder die Wahrnehmung ihres Körpers schildert, wiederfinden wird.

Lobenswert finde ich die Tatsache, dass dieser Roman keine Geschichte über Kalorienzählen, Übergeben oder Hungern ist, sondern sich vielmehr einerseits auf den Auslöser dieser Krankheit und deren Wege der Bekämpfung konzentriert und dies auf sehr gefühlvolle, aber keineswegs beschönigende oder leichte Art und Weise. Meiner Meinung nach gibt das obige Zitat sehr gut den Ton des Romans wieder.

 

Mein Fazit: „Alles so leicht“ ist ein authentischer und hoffnungsvoller Roman über eine Jugendliche, die nichts mehr im Leben hält. Meg Hatson gelingt es sehr ernsthafte Themen wie Tod, Schuld und Anorexie in einem spannenden Plot zu verarbeiten, der den Leser bewegt und mir persönlich zu einem größeren Verständnis für an einer Essstörung Erkrankte und deren Gefühlswelt verholfen hat.

bewertung5

Vielen Dank an den Thienemann Verlag für dieses Rezensionsexemplar.

 

Weitere Rezension zum Buch:

Katze mit Buch | Kleinbrinas Bücherblog | Meine Welt der Bücher

  • Hallo liebe Evi,
    ich danke dir für deinen lieben Worte auf meinem Blog.
    Ich werde dich ebenfalls gerne in meiner Rezension unter 5 Sternen verlinken, wenn es dir recht ist? 😉
    Alles Liebe ♥, Janine (aus Meine Welt der Bücher)

  • Anette Leister

    Hallo,
    lieben Dank fürs Verlinken 🙂
    Viele Grüße Anette aka Katze mit Buch