|Rezension| 434 Tage – Anne Freytag

Fesselnd, berührend, ehrlich – das ist Anne Freytag!

434 Tage - Anne Freytag

copyright: freytag Literatur

Verlag: freytag Literatur
Taschenbuch: 9,90 Euro
Ebook: 4,99 Euro
Erscheinungsdatum: 03.09.2013
224 Seiten
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„Ich hasse mich. Und das nicht nur wegen letzter Nacht und auch nicht wegen all der Nächte der vergangenen Monate, sondern vor allem wegen all der Nächte, die noch kommen werden. Denn egal wie sehr mein Verstand auch damit aufhören will, mein Körper will es nicht. Ich bin wie ein Junkie, der sich gerade ein weiteres Mal vornimmt, am kommenden Tag ein neues Leben anzufangen und im selben Augenblick genau weiß, dass er es wieder nicht schaffen wird. Gott, wie ich mich hasse.“ (S. 12)
„Das Erschreckende ist, dass ich mich morgen wieder besser fühlen werde. So als wäre das mit dem Fremdgehen wie ein Kater, den man einfach gründlich ausschlafen muss. Das Schlimmste ist aber, dass die Entzugserscheinungen noch viel schrecklicher sind, als die Schuldgefühle.“ (S. 13)
„Wir sind allein, und doch scheint es so, als wäre eine dritte Person anwesend. Sie heißt Nervosität und sitzt zwischen uns.“ (S. 78)

Worum geht´s?

Anja ist erfolgreich, sie ist glücklich verheiratet, sie hat ein gutes Leben. Zumindest denkt sie das, bis sie auf einer Geschäftsreise unerwartet Julian in die Arme läuft. In diesem Moment ahnt Anja noch nicht, dass nach diesem Wiedersehen nichts mehr so sein wird, wie es war. Sie ahnt nicht, dass diese Begegnung ihr gesamtes Leben ändern wird. Nur leider nicht unbedingt so, wie sie sich das vorgestellt hat.

 

Cover und Titel

Es gibt wirklich nur eine Handvoll Bücher, bei denen man auf den ersten Blick weiß, dass man sie lieben wird. „434 Tage“ ist solch ein Buch. Für mich ist das Cover eines der schönsten, die ich je gesehen habe und auch der Titel hat mir auf Anhieb gefallen, weil er so wunderbar kryptisch ist. „434 Tage“ kann alles und genau das ist es, was mich an dem Roman so reizt. Das Covermotiv ist unbeschreiblich schön: ein wunderschöner, halbnackter Frauenkörper auf einem Bettlaken, der sich auf der Rückseite des Buches fortsetzt. Das Foto wirkt leicht verwegen, aber gleichzeitig unschuldig, das die intimen Stellen des Körpers bedeckt sind. Genau dieser Widerspruch ist sinnbildlich für den Inhalt des Romans.

 

Mein Eindruck

Anne Freytag erzählt in „434 Tage“ eine Geschichte, die nicht neu ist: Die verheiratete Anja, erfolgreiche Geschäftsfrau, trifft nach vielen Jahren ihre erste große Liebe Julian wieder. Diese zufällige Begegnung ändert alles, denn obwohl Anja genau weiß, was auf dem Spiel steht, lässt sie sich wieder auf Julian ein…  Um exakt wiedergeben zu können, was diesen Roman für mich so besonders macht, müsste ich genauer auf den Inhalt eingehen, was leider nicht geht, ohne zu spoilern. Es ist jedenfalls der Verlauf der Geschichte und ein absolut überraschendes Ende, was diesen Roman von den üblichen „Affären“-Romanen unterscheidet.
Erzählt wird der Roman aus der Ich-Perspektive von Anja, wobei es immer wieder Wechsel der Zeitebenen gibt, die nicht kenntlich gemacht sind. Mich persönlich hat das überhaupt nicht gestört, da in jedem Kapitel spätestens nach zwei Sätzen klar war, in welcher Zeit sich die Ich-Erzählerin gerade befindet. Ich liebe dieses Stilmittel der verschiedenen Zeitebenen, da es nicht nur hilft, sich besser in die Figuren hineinzuversetzen, da man nach und nach mehr aus ihrer Vergangenheit erfährt, sondern zusätzlich noch mehr Spannung aufbaut. Apropos Spannung: Obwohl die Autorin eine Begebenheit erzählt, die in großen Teilen so schon wohl millionenfach in der Realität passiert ist, wird der Leser durch die Zeitebenen-Wechsel, die Dramatik und den besonderen emotionalen Schreibstil derart von dieser Geschichte gefesselt wie es sonst nur Krimis oder Thriller tun. Anne Freytags Schreibstil ist vor allem eines: authentisch! Ich kenne keine(n) andere(n) Autor(in), deren/dessen Sätze mich so berühren wie jene von Anne Freytag. Und auch wenn das jetzt kitschig klingt: sie berührt mit ihren Worten meine Seele. Ich fühle mit Anja, leide, genieße, fluche und lache mit ihr.
Ein weiteres sehr schönes Stilmittel, das Anne Freytag in „434 Tage“ einfließen lässt, sind wunderschöne Briefe (die Julian an Anja schreibt). Und ich sage euch: diese Briefe haben es in sich! Es ist faszinierend wie es der Autorin gelingt so viele Gefühle auszudrücken ohne auch nur ansatzweise kitschig zu werden. Diese Briefe gingen mir so nah wie der Protagonistin. Es war furchtbar. Furchtbar schön…
Aber in diesem Roman geht es nicht nur um Liebe, sondern auch darum, wie wir Menschen einen Weg einschlagen, den wir für richtig halten, obwohl wir die ganze Zeit ein unterschwelliges ungutes Gefühl dabei haben. Wir reden uns die Dinge schön, weil es so einfacher ist und nehmen sie schließlich als gegeben hin. Jeder kennt dieses Gefühl und nicht viele haben den Mut stehen zu bleiben und einen anderen Weg einzuschlagen. Auch zeigt der Roman wie wichtig es ist, miteinander zu reden- auch wenn man sich selbst oder seinem Gegenüber damit wehtut.
Mein Fazit: Mit „434 Tage“ habe ich nun neben „Chick-Lit“ und „New Adult“ die dritte Facette der Autorin kennengelernt und stelle fest: alle drei haben mich begeistert, aber dieser Roman hat durch seine glaubhaft erzählte Geschichte, die authentischen Figuren und die emotionale Schreibweise meine Seele berührt. Da muss wohl jetzt ein Buch in meinen ewigen Top 10 Platz machen…

bewertung5

  • Lottas Buecher

    Hallöchen meine Liebste,
    eine wirklich wunderbare Rezension. Wirklich wahr. Besser könnte ich das nicht sagen. Ich war zwar ein wenig hin und hergerissen von dem Buch, aber umso mehr ich es sacken lasse umso besser finde ich es. Es ist ein 0815 Buch, es berührt und rüttelt. Es hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Vielleicht sollte man auch ab und zu mal in seinem eigenen Leben überprüfen ob noch alles so ist, wie man es sich vorgestellt hat und wenn nicht, ob man dann nicht vielleicht etwas ändern sollte.
    Liebst, Lotta

  • inescaranaubahx

    Hallöchen 🙂

    Sorry für das Off Topic, aber ich
    wollte dich nur kurz darauf Aufmerksam machen das ich nächstes
    Wochenende eine Lesenacht veranstalte, und fragen wollte, ob du
    mitmachen willst. Es würde mich wirklich sehr freuen wenn du dabei
    wärst 🙂 ♥

    Fantasy-Lesenacht
    die Achte – Lesen bis Aliens auf der Erde landen

    Übrigens: echt schöner blog 🙂