|Rezension| 4 Seasons. Zeiten der Lust – Vina Jackson

Abgebrochen! Zeiten mit Frust statt Zeiten der Lust

 

copyright: carl's books

copyright: carl’s books

Verlag: carl’s books
Paperback: 12,99 Euro
Ebook: 9,99 Euro
Erscheinungsdatum: 10.11.2014
368 Seiten
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„Manchmal kam es mir vor, als gäbe es mich nicht mehr. Als hätte es mich nie gegeben. Vor Dominik war ich nichts gewesen. Der Magnet, der mir für so kurze Zeit Halt gegeben hatte, war fort. Und die Leere war zurückgekehrt.“ (S. 22)

 

Worum geht´s?

Die attraktive rothaarige Summer, erfolgreiche Violinistin, ist durch den unerwarteten Tod ihres Liebhabers Dominik am Boden zerstört. Sie zieht sich von Freunden und Bekannten zurück und widmet sich ausschließlich der Musik. Um ihren Schmerz zu überwinden, begibt sie sich mit ihrer Violine auf eine Welttournee. Doch selbst Konzerte und Affären mit Unbekannten ändern nichts daran, dass Erinnerungen an die Nächte mit Dominik sie überwältigen und an den Rand der Selbstaufgabe treiben.

Dann wird Summer eines Tages von Antony, einem mysteriösen Theaterdirektor und Autor, kontaktiert – er lädt sie ein, die Musik zu einer Theateradaption von Dominiks zweitem Roman zu komponieren und aufzuführen. Antony weiß nichts von der intensiven und schmerzvollen Liebesbeziehung zwischen den beiden. Summer willigt ein und fühlt sich bald unwiderstehlich zu dem seltsamen Antony hingezogen … Wird Antony die schöne Summer von Trauer und Schmerz erlösen können?

Cover und Titel

Beim Covermotiv hat man sich meines Erachtens stark an den 50 shades of grey Büchern orientiert. Schwarzer Hintergrund und Titel, Autorenname sowie eine leuchtende Blüte im Vordergrund, die wohl Erotik symbolisieren soll. Dadurch wirkt der Roman wie leichte, blumige Kost, was leider den Inhalt in keinster Weise widerspiegelt, zumal gerade der Anfang der Geschichte von Trauer und Verzweiflung der Protagonistin bestimmt ist. 

Der Titel „4 seasons. Zeichen der Lust“ ist nichtssagend. Zwar macht er sofort deutlich, dass  es sich um einen erotischen Roman handelt, aber ansonsten hat er keinen besonderen Bezug zum Inhalt.

 

Mein Eindruck

Mit „4 seasons. Zeiten der Lust“ liefert das Autorenduo Vina Jackson den Auftakt zu einer neuen Reihe erotischer Romane. Bekannt durch die „80 Days“-Reihe, die auf den Zug der „Shades of Grey“-Bücher aufgesprungen ist, knüpfen die Autoren mit diesem Roman inhaltlich an „80 Days“ an.
Der Einstieg in die Geschichte hat mir gut gefallen. Die Protagonistin Summer wird als eine Frau eingeführt, die den plötzlichen Tod Ihres Partners Dominik zu verkraften hat. Mit diesem Thema gehen die Autoren sensibel um, schildern glaubhaft Summers Taubheit und geben durch Rückblenden einen Einblick in die Partnerschaft der beiden. Man kann sich bis zu einem gewissen Punkt in sie hineinversetzen, versteht ihren Rückzug, den Wunsch allein zu sein und in ihrer Trauer zu baden. Auch die Sexszenen zwischen den beiden Liebenden, die in den Rückblenden geschildert sind, haben mir gefallen, weil sie trotz der härteren Praktiken (Shades of Grey lässt grüßen) auf eine zärtliche Art und Weise geschildert wurden.
Doch dann kam ziemlich schnell, etwa nach 50 Seiten, der Punkt, an dem Summer einfach nur noch naiv und unglaubwürdig auf mich wirkte. Auch wenn ich die Neigung der Protagonistin, dominiert zu werden und Schmerzen zu spüren noch nachvollziehen kann, ist diese dann folgende Szene in meinen Augen einfach nur ekelhaft, plump und unglaubwürdig. Summer ist nur noch ein Sexobjekt bzw. das Opfer einer Vergewaltigung und das nicht nur von einem Mann. Das hatte für mich auch nichts mit Gruppensex zu tun, da Summer dabei nicht mal Lust empfand, sondern es einfach über sich ergehen lassen hat. Und zu allem Überfluss geschieht das alles natürlich auch stets ohne Verhütung. Sie hat auf den ersten 150 Seiten Sex mit ungefähr 50 Männern und von Verhütung liest man da nicht einmal was. Dies ist vielleicht kein New Adult Roman, in dem man Jugendlichen noch „etwas mitgeben“ muss, aber trotzdem habe ich das als unverantwortlich und unglaubwürdig empfunden, vor allem im Hinblick auf den Anfang der Geschichte, in dem Summer durchaus als sensibel und besonnen dargestellt wird. Doch im Verlauf des Romans wirken sämtliche Figuren völlig konstruiert. Sie sind dermaßen sexbesessen, mit ungewöhnlichen Neigungen, mit denen sie natürlich auch völlig offen umgehen und manchmal nahezu schamlos – das wirkt einfach unglaubwürdig. Die Charaktere haben keine Persönlichkeit, sondern werden nur auf ihren Körper und ihre sexuellen Vorlieben reduziert – die ersten 50 Seiten ausgenommen.

Mein Fazit: Wer sich bei „4 seasons. Zeiten der Lust“ einen erotischen Liebesroman erhofft, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Die Handlung besteht letztlich nur aus aneinandergereihten Sexszenen, denen in meinen Augen jegliche Erotik fehlt. Die unglaubwürdigen Figuren gepaart mit Sexszenen, die mich abgestoßen haben, und einem Sprachstil, der durch seine Derbheit nur plump wirkt, sind der Grund dafür, dass ich das Buch nach 150 Seiten abgebrochen habe.

Bewertung1

Vielen Dank an carl’s books für das Rezensionsexemplar!

  • Puuuuh, du hast recht, das klingt ähnlich gruselig wie „Trinity“ … Ich hab damals nach SoG ehrlich gestanden keine der unmittelbar danach erscheinenden Trittbrett-Geschichten gelesen, weil es sich für mich alles gleich angehört hat, daher hab ich 80 Days nicht viel mehr als oberflächliche Beachtung geschenkt. Hört sich ganz danach an, dass ich nicht wirklich was verpasst habe.

    Liebe Grüße
    Ascari