Die Herrin der Kathedrale – Claudia & Nadja Beinert

Uta von Naumburg – Über Emanzipation im Mittelalter

„Die Herrin der Kathedrale“ ist der erste historische Roman, den ich jemals gelesen habe. Bisher hat mich dieses Genre einfach nicht angesprochen. Der Grund, warum ich mir für meinen ersten historischen Roman nun ausgerechnet gleich einen knapp 800seitigen Wälzer ausgesucht habe, ist recht simpel: Bisher wusste ich, obwohl ich aus Naumburg stamme, über Uta von Naumburg nur zwei Dinge: sie ist eine Stifterfigur im Naumburger Dom und zu ihr gehört Ekkehard. Als ich vom Roman der Beinert-Schwestern hörte, sah ich es als meine Pflicht an, dass ich diesen lesen muss und hatte noch dazu das Glück ihn bei vorablesen.de zu gewinnen. 
Nun aber zu meinem Eindruck vom Buch:
Die Geschichte rund um die reale Person Uta von Ballenstedt (und später Uta von Naumburg) und deren Leben im Mittelalter wird dem Leser als Roman nahegebracht.
Das vorangestellte Personenverzeichnis ermöglicht dem Leser immer mal zurückzublättern, wenn man eine Person nicht zuordnen kann. Uta wird zu Beginn des Buches als fröhliches, liebes und wildes Mädchen dargestellt – ganz gegensätzlich zu ihrem stets kühlen, patriachalischen, älteren Bruder Esiko. Für ihn sind Frauen nichts wert und nicht lernfähig, wie er bei einem Bankett betont. Uta ist entsetzt über diese Meinung ihres Bruders und dieser Konflikt in der frühen Kindheit wird ihr Leben maßgeblich prägen. Als ihre geliebte Mutter später einem Mord zum Opfer fällt, schwört Uta, den Täter vor einem Gericht als Schuldigen zu überführen und widmet ihr Leben dem Kampf für Gerechtigkeit. 
Jemanden, der sich für das Leben Utas und Ekkehards, die Geschichte des Naumburger Doms oder für die Rolle der Frau im Mittelalter im Allgemeinen interessiert, kann ich das Buch wirklich uneingeschränkt empfehlen. Besonders hervorheben möchte ich noch, dass die Autorinnen im Nachwort aufklären, welche Fakten im Roman historisch belegt und welche von ihnen erfunden sind. Diese Frage habe ich mir während der Lektüre nämlich öfter gestellt, umso mehr wusste ich die nachträgliche Aufklärung zu schätzen. Man spürt wie viel Arbeit und Recherchen die Autorinnen in diesen Roman gesteckt haben und auch wenn ich nicht von Seite 1 bis 767 pausenlos von der Story gefesselt war und zwischenzeitlich wirklich Mühe hatte dran zu bleiben (was mit Sicherheit auch meiner Unkenntnis bestimmter historischer Stoffe geschuldet ist), vergebe ich 4 von 5 Sternen.