Die andere Seite des Himmels – Jeannette Walls

Das bisher beste Buch von Jeannette Walls

Zum Cover:
Das Cover von „Die andere Seite des Himmels“ finde ich 100% passend zum Inhalt. Es suggeriert einerseits die typische Leichtigkeit der Kindheit der Mädchen, anderseits hat es aber durch den schwarzen Hintergrund und das schwarz-weiß Bild einen melancholischen Beigeschmack, der durchaus auch zur Geschichte passt. 
Zum Inhalt:
Die Protagonisten des Buches sind die fünfzehnjährige Liz und ihre zwölfjährige Schwester Jean (die „Bean“ genannt wird), wobei die Geschichte aus der Sicht von Letzterer erzählt wird. Beide leben in den 70er Jahren in Amerika und ziehen mit ihrer Mutter Charlotte, die sich für eine Künstlerin hält und psychisch sehr labil zu sein scheint, ständig in einen anderen Ort sobald es Probleme gibt. Dabei kommt es nicht selten vor, dass Charlotte alleine abhaut und die beiden Mädchen auf sich alleine gestellt sind. Als sie die Kinder 5 Wochen alleine gelassen hat, wird das Jugendamt eingeschaltet. Liz und Bean beschlißen zu dem Elternhaus ihrer Mutter nach Virgina zu fliehen und landen so bei ihrem Onkel Tinsley, der die beiden aufnimmt. Dort entdecken sie nicht nur ihre familiären Wurzeln, sondern erfahren auch einiges über die Vergangenheit ihrer Mutter und lernen ihre Heimat, die Kleinstadt Bayler, mit all ihren Problemen kennen.

Mein Eindruck:

Dies war mein 3. Roman von Jeannette Walls und er hat mir mit Abstand am besten gefallen. „Die andere Seite des Himmels“ ist ein Familienroman, der mich von Anfang an in seinen Bann gezogen hat. Mit jeder Figur kann man in gewisser Weise mitfühlen (außer dem Bösewicht Mr. Maddox), obwohl alle ihre Macken haben. Dabei sind mir vor allem Liz, Bean und ihr Onkel Tinsley ans Herz gewachsen. Und obwohl die Mutter Charlotte oft verantwortungslos und ein wenig irre dargestellt wird, hat man doch irgendwie Mitleid mit ihr und Verständis für ihre Situation, vor allem wenn man ihre Vergangenheit kennt. Wirklich beeindruckend fand ich auch die vielen verschiedenen ernsten Themen, die Jeanette Walls in ihrem Roman verarbeitet hat: Neben der schwierigen Kindheit der beiden Schwestern wird auch die Rassenproblematik, der Vietnamkrieg und das damalige Rechtssystem mit seinen Schlupflöchern thematisiert. Nichts vom den Geschilderten wirkt dabei unglaubwürdig, sondern ganz im Gegenteil sehr gut recherchiert und spannend in die Geschichte eingebaut. 

Vielen Dank an Lovelybooks für die Leserunde und natürlich an Hoffmann & Campe für die Bereitstellung des Leseexemplares.