Bäume reisen nachts – Aude Le Corff

„Bäume reisen nachts“ – ein Stern am französischen Bücherhimmel!

Taschenbuch
  12,99 Euro 
  201 Seiten 
Erscheinungsdatum: 10. März 2014
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Worum geht´s?
Seit Monaten verbringt die achtjährige Manon ihre Nachmittage allein, unter einer riesigen Birke im Garten. Sie verschlingt ein Buch nach dem anderen und spricht mit Ameisen und Katzen, nur um an eines nicht denken zu müssen: das spurlose Verschwinden ihrer Mutter. Mit dem eigenen Kummer beschäftigt, vermögen Manons Vater Pierre und ihre Tante Sophie das stille Mädchen nicht zu trösten. Doch Manons Einsamkeit erweicht das Herz des mürrischen Nachbarn Anatole, der, seitdem er nicht mehr unterrichtet, sich von Kindern möglichst fernhält. Sie beginnen, gemeinsam den Kleinen Prinzen zu lesen, und es erwächst eine außergewöhnliche Freundschaft. Als eines Tages überraschend Briefe der Mutter eintreffen, schmieden das Mädchen und der alte Mann einen kühnen Plan, der sie gemeinsam mit Pierre und Sophie auf eine abenteuerliche Reise quer durch Europa führt…
Cover und Titel:
Der Titel „Bäume reisen nachts“ macht natürlich erst mal neugierig. Automatisch fragt man sich „Was soll das? Bäume können nicht reisen. Worum gehts hier?“. In Kombination mit dem Cover wird man schon etwas schlauer: scheinbar geht es um eine Familie mit einer Tochter, die irgendwas mit einer Katze macht. 
Mich haben sowohl Cover als auch Titel sofort angesprochen. Ich stehe sowieso unheimlich auf französische Literatur und der Klappentext klang interessant.  
Mein Eindruck: 
Wie schon oben erwähnt, habe ich ein Faible für französische Autoren und ihre Romane, weshalb ich auf Aude Le Corffs Erstlingswerk sehr gespannt war. Ein klein wenig Skepsis schwang allerdings in der Vorfreude auf die Lektüre auch mit und die lag in der Erwähnung des „Kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry im Klappentext begründet. Ich mag dieses Buch wirklich überhaupt nicht und kann nicht mal genau erklären, warum. Jedenfalls hatte ich etwas Angst, dass das Buch in eine ähnliche Richtung driftet und alle, denen es genauso geht, kann ich beruhigen: das ist nicht der Fall!
Die Autorin hat ein unglaubliches Talent, ihre sehr verschiedenen Charaktere liebevoll und authentisch darzustellen. Sie und ihre Beziehung miteinander stehen im Mittelpunkt des Romans und geben Einblick in die Gefühlswelt ganz unterschiedlicher Menschen: ein kleines Mädchen; ein alter Mann; ein Vater, der von seiner Frau verlassen wird; eine Frau, die Mann und Kind sitzen lässt; eine Tante, mit der irgendetwas nicht  stimmt… Jede dieser Figurenhat man durch die unfassbar gute Beschreibung der Autorin nach wenigen Seiten sofort vor Augen, so dass es einem überhaupt nicht schwerfällt in die Geschichte abzutauchen.
Scheinbar mühelos lässt Aude Le Corff zudem immer wieder Klassiker der Weltliteratur in den Roman einfließen, was nur ein weiteres Zeugnis für sein hohes literarisches Niveau ist. „Der kleine Prinz“ spielt dabei eine besondere Rolle, was man sicher toll findet, wenn man ein Fan des Buches ist, was aber jemanden wie mich, der das nicht ist, auch überhaupt nicht gestört hat.  
 
Mein Fazit: Kennt ihr das, wenn ihr ein Buch lest und die ganze Zeit denkt „Das ist der perfekte Roman!“ und dann kommt der Schluss… Und er ist einfach enttäuschend! Ich sitze dann jedes Mal fassungslos vor dem zugeklappten Buch und frage mich, wie man auf den letzten 10 Seiten alles vermasseln kann! Jeder einzelne Satz in diesem Roman war glaubwürdig und dann kommt so ein Ende… Klar ist das nur eine rein subjektive Empfindung. Ein anderer Leser findet das Ende sicher absolut passend. Ich fand es enttäuschend. Aber lest selbst! „Bäume reisen nachts“ ist trotzdem ein wunderschöner Roman über Freundschaft und Familie und eine Bereicherung für jedes Bücherregal! Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Roman von Aude Le Corff.

Vielen Dank an den insel taschenbuch Verlag für dieses Rezensionsexemplar!
  • Hallöchen!
    Ja das ist wirklich furchtbar. ich kenne das auch. Da liest man ein Buch und ist wirklich begeistert und dann kommt dieses Ende, was man nicht will, was so nicht sein darf und was einem einfach die Geschichte komplett vermasselt.. ich finde das besonders schlimm bei Thrillern.
    Ich denke ich werde dieses Buch nicht lesen, weil sich bei mir wohl eher Lesefrust anstelle von Lesefreude einstellen würde.
    Vielen dank für die feine Rezension.

    Liebst, Lotta

    • Liebe Lotta,
      du hast vollkommen recht. Bei Thrillern ist das wirklich besonders schlimm! Ich hab dann immer das Gefühl, der Autor wollte nur fertig werden und hat das Ende dann lieblos „hingeklatscht“. Echt schade! Hoffen wir, dass wir zukünftig von enttäuschenden Enden verschont bleiben.

      Liebe Grüße
      Evi